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GeoeconomicsDie Zeit der Beschwichtigungen ist vorbei

Donald Trump verändert Handel, Märkte, Finanzströme und womöglich das Geldwesen. Europas Politik und Unternehmen müssen schnell auf die neue geoökonomische Lage reagieren.Daniela Schwarzer 13.08.2025 - 17:34 Uhr Artikel anhören
Daniela Schwarzer ist Vorständin der Bertelsmann-Stiftung und verantwortet dort die Programme und Projekte zur Zukunft Europas sowie von Demokratie und Zusammenhalt. Foto: Klawe Rzeczy, Bertelsmann Stiftung

Der Druck der USA auf Europa wächst und wächst: US-Präsident Donald Trump hat der Europäischen Union (EU) in einem einseitigen Deal 15 Prozent Zölle auferlegt. Immer wieder interveniert seine Regierung in der Innenpolitik europäischer Staaten – erst diese Woche kritisierte das US-Außenministerium vermeintliche mangelnde Meinungsfreiheit in Deutschland. Und am kommenden Freitag verhandelt Trump mit Russlands Präsident Wladimir Putin über das Schicksal der Ukraine – und damit über zentrale Elemente der europäischen Sicherheitsordnung.

Trotz der Größe dieser Herausforderung höre ich von Unternehmensvertretern und Politikern immer wieder, die USA werden zumindest wirtschaftspolitisch ihren Kurs korrigieren, weil auch der US-Präsident die Kosten seiner Politik erkennen müsse. Diese Illusion sollte Europa ablegen.

Trumps Handelspolitik ist kein vorübergehendes Phänomen. Eine Rücknahme der Zölle ist unwahrscheinlich – und es ist noch nicht einmal ausgemacht, dass das für Europa nachteilige Abkommen zumindest Planungssicherheit bringt.

Wir erleben einen Umbruchsmoment

Beschwichtigungspolitik dürfte bei einem Präsidenten scheitern, der die Wirtschaftsbeziehungen der USA aus einer selbst wahrgenommenen Opferrolle heraus neu definiert. Handelsungleichgewichte interpretiert er als Zeichen unfairer Marktbedingungen, Handelshemmnisse und Währungsmanipulation. Er will, dass Handelspartner mehr US-Produkte kaufen und Marktzugänge erleichtern.

Europäische Unternehmen sollen in den USA produzieren und Jobs schaffen. Weitere Forderungen könnten folgen, da Trump der Ansicht ist, dass auch seine Alliierten die Prosperität der USA zerstören wollen. Langjährige US-Beobachter sehen ihn als von Rache getrieben. Einige erwarten, dass er auch Finanz- und Kreditkanäle sowie das Geldwesen instrumentalisiert. Der potenzielle Schaden für die Weltwirtschaft ist enorm – ebenso sind es die Bereicherungsmöglichkeiten für Trump und sein Umfeld.

Obwohl wir einen historischen Umbruchmoment erleben, verharren viele in Europa in defensiven, teils illusorischen, oft von kurzfristigen Interessen getriebenen Denkmodellen – statt in diesem Moment stärker mitzugestalten und Chancen im Umbruch zu nutzen.

So sollte Europa sich erstens zum Architekten der neuen internationalen Handelsordnung machen. 85 Prozent des globalen Handels finden ohne die USA statt. Als drittgrößte Wirtschaftsmacht sollte die EU an einem System bilateraler und minilateraler Abkommen arbeiten, um WTO-Standards zu sichern, was der EU im jüngsten Deal mit Trump nicht gelang. Handelsabkommen ohne die USA können den Einfluss der Trump-Administration reduzieren. Trumps Ausübung geoökonomischer Macht kann so faktisch zur Erosion derselben führen.

Zweitens sollte Europa seine globale geoökonomische Gestaltungskraft stärken. Trotz Fortschritten bei der wirtschaftlichen Sicherheit braucht die EU ein noch schlagkräftigeres Instrumentarium, um die Wirksamkeit etwa von Finanzsanktionen, Exportkontrollen und Investitionsprüfmechanismen zu maximieren. Nationale Umsetzungsverzögerung, Schlupflöcher und Inkonsistenzen schwächen sie.

Die Bundesregierung sollte gemeinsam mit EU-Partnern diese Fragmentierung überwinden helfen – durch stärkere Instrumente, entschiedene nationale Umsetzung, besseren Informationsaustausch und regelmäßige Strategiedialoge zwischen Mitgliedstaaten und EU.

Drittens sollte die Zusammenarbeit der europäischen Nato-Mitglieder mit gleichgesinnten Partnern weltweit im militärischen und im digitalen Bereich noch höher priorisiert werden. Das Einknicken der Europäer in den Zollverhandlungen mit den USA hat nicht nur mit den Interessen von Teilen der europäischen Industrie zu tun, sondern auch damit, dass europäische Staaten ohne US-Sicherheitsgarantien kaum Spielraum in geoökonomischen Konflikten haben.

Viertens müssen sich Unternehmen sehr schnell auf den neuen geopolitischen Kontext einstellen. Volatilität wird zur Norm, und in geoökonomischen Konflikten wird die Politik nicht nur Märkte definieren, sondern auch Investitionsflüsse zunehmend steuern wollen, indem sie die Anreize unternehmerischer Entscheidungen verändert.

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Neben der Diversifizierung von Lieferketten und einer Erhöhung der Flexibilität gehört künftig die systematische Analyse des geopolitischen Kontexts in Strategieentwicklung und Risikomanagement dazu. Geschäftsmodelle müssen sich anpassen, und der Dialog zwischen Politik und Wirtschaft muss auch in marktwirtschaftlich verfassten Staaten weiterentwickelt werden. Die Anpassung an die neue Realität liegt nicht nur im unternehmerischen Eigeninteresse. Eine starke deutsche und europäische Wirtschaft ist in der neuen machtbasierten Welt eine umso relevantere politische Gestaltungsressource.

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