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GeoeconomicsDas Ende der Modi-Trump-Bromance

Die vom US-Präsidenten provozierte Krise der indisch-amerikanischen Beziehungen bedeutet eine Chance für Deutschland und die EU. Sie muss nur genutzt werden.Thorsten Benner 07.08.2025 - 11:46 Uhr Artikel anhören
Thorsten Benner ist Mitbegründer und Direktor des Non-Profit-Thinktanks Global Public Policy Institute. Foto: Klawe Rzeczy [M]

Im Februar begrüßte US-Präsident Donald Trump den indischen Premier Narendra Modi als „großartigen Freund“ im Weißen Haus und sprach vom „besonderen Band“ zwischen den USA und Indien. In einer gemeinsamen Erklärung betonten Trump und Modi die Stärke der „umfassenden globalen strategischen Partnerschaft“, basierend auf „gegenseitigem Vertrauen, gemeinsamen Interessen und Wohlwollen“.

Modi kalauerte, dass Trumps „MAGA“ (Make America Great Again) und „MIGA“ (Make India Great Again) gemeinsam eine „Mega-Partnerschaft für Wohlstand“ ergäben.

Weniger als ein halbes Jahr später steht Modi vor den Trümmern seiner Beziehung zu Trump. Vergangene Woche ließ sich der US-Präsident über die „tote Volkswirtschaft“ Indien aus und verhängte einen Zollsatz von 25 Prozent plus einen noch nicht näher bezifferten Strafzollsatz für die engen Geschäftsbeziehungen Indiens mit Russland.

Gleichzeitig gab er eine Einigung mit Indiens Erzfeind Pakistan über einen niedrigen Zollsatz bekannt, verbunden mit der Absichtserklärung, Pakistans Ölreserven gemeinsam zu entwickeln.

Indiens Premier Modi und US-Präsident Trump gemeinsam im Februar: Heute ist die Stimmung nicht mehr so gut. Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Schon vor einigen Monaten hatte Trump Modi immer mit selbstgefälligen Behauptungen brüskiert, wie er zwischen Pakistan und Indien als Vermittler einen Atomkrieg verhindert habe und dabei die Handelsbeziehungen zu den USA als Hebel eingesetzt hätte. Außerdem hatte der US-Präsident im Juni Pakistans Hardliner-Armeechef Munir persönlich im Weißen Haus empfangen – ein klarer Bruch mit der Praxis seiner Vorgänger und eine gegenüber Delhi hochprovokative Aufwertung des De-facto-Machthabers.

Auf die Schmeicheleien hereingefallen

Trump mag die Wirkung seiner Behauptungen in Indien nicht klar gewesen sein, und sein Ego mag einfach auf die Schmeicheleien hereingefallen sein, welche die pakistanische Seite meisterhaft beherrscht. Die jüngsten Äußerungen im Handelskrieg mögen Ausdruck der Frustration über unzureichende Zugeständnisse bei der Öffnung des sensiblen indischen Agrarsektors für US-Produkte sein. Und der plötzliche Ärger über die indischen Ölkäufe in Russland mag nur Trumps momentaner Anti-Putin-Laune geschuldet sein.

Dennoch ist der Schaden für das Verhältnis zwischen den USA und Indien enorm. Happymon Jacob, einer der führenden außenpolitischen Vordenker Indiens, sprach von einem „monumentalen Eigentor“ der USA: „Viele Inder werden sich lange an das ,zweite Kommen' der USS Enterprise erinnern.“

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US-Präsident Nixon hatte 1971 den US-Flugzeugträger als militärische Drohgebärde gegen Indien im Konflikt mit Pakistan entsandt. Nach Ende des Kalten Kriegs hatte es lange Überzeugungsarbeit in Indien gebraucht, um das Misstrauen gegenüber den USA aufgrund der jahrzehntelangen einseitigen Unterstützung Pakistans abzubauen.

Trump schürt dieses Misstrauen wieder. Bislang hat die indische Regierung betont nüchtern auf Trumps Ausbrüche reagiert. Wie Rudra Chaudhuri, Chef des Thinktanks Carnegie India, richtig betont, steht die US-indische Zusammenarbeit auf einem breiten Fundament und wird deshalb trotz Trump weitergehen, gerade im Bereich von Wirtschaft und Technologie.

Enge Beziehungen der USA zu Indien sind unverzichtbar

Doch unterstreicht die Krise die Orientierungslosigkeit von Trumps China-Strategie. Für Demokraten wie Republikaner galt in den letzten 15 Jahren: Enge Beziehungen zu Indien sind unverzichtbar, um ein effektives Gegengewicht gegen das Hegemoniegebaren Pekings im Indo-Pazifik zu bilden.

Trump hingegen brüskiert Delhi nach Kräften, während er gegenüber Peking im Handelskrieg eingeknickt ist. Er hat jüngst Technologiesanktionen gegen China etwa bei Hochleistungshalbleiterchips zurückgenommen, weil er vor Pekings Exportstopp für seltene Erden Angst hat.

Zudem will Trump gut Wetter machen für eine China-Reise, bei der er Xi seine Aufwartung machen will. Mit seinem Versuch eines „umgekehrten Nixon“ (Russland gegen China zu gewinnen) ist Trump bei dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gescheitert. Dass er jetzt einem Bericht des „Wall Street Journals“ zufolge einen Nixon-artigen Deal mit Xi versucht, damit dieser die Unterstützung von Putins Krieg aufgibt, zeigt die ganze Planlosigkeit von Trumps narzisstischem Ad-hoc-Ansatz.

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Für Deutschland und Europa ist dies hingegen eine Chance, sich Indien gegenüber als verlässlicher Partner zu präsentieren und die Kooperation bei Handel, Technologie, Klima und Rüstung voranzutreiben. Trump hat Bundeskanzler Merz eine Steilvorlage für dessen Antrittsbesuch im Herbst in Delhi geliefert.

Erstpublikation: 06.08.2025, 18:23 Uhr.

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