Geoeconomics: Scheinriese Russland: Das Land hat den ökonomischen Krieg längst verloren
Wolfgang Ischinger ist ehemaliger Botschafter in Washington und war Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz.
Foto: Klawe RzezcyIn dem Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende gibt es den Scheinriesen – eine Gestalt, die aus der Ferne riesengroß wirkt, die aber, je näher sie kommt, umso kleiner wird und nur noch zwergengroß ist, wenn man ihr schließlich gegenübersteht.
In der aktuellen Debatte über Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine vergessen wir manchmal, dass Russland nichts anderes als ein Scheinriese ist – seine Landmasse und seine vielen Tausend Nuklearwaffen mal ausgenommen. Die Wirtschaftskraft Russlands ist geringer als die Italiens. Deutschlands Wirtschaftsleistung ist mehr als doppelt so groß wie die russische. Die Wirtschaftskraft der 27 EU-Staaten übertrifft also die russische um das Siebenfache.
Addiert man die Wirtschaftskraft des gesamten Westens, also einschließlich USA, Kanada, Großbritannien, dann wird der Scheinriese Russland tatsächlich zu einem ökonomischen Zwerg.
Alles in allem sind die ökonomischen Aussichten für Russland nicht nur nach einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) düster, nimmt man die Effekte der Sanktionen und der künftig sinkenden Rohstofferlöse Russlands zusammen.