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Novo-Nordisk-AktieWie lange hält der Hype um Diätspritzen?

Die Abnehmspritze Ozempic wirbelt den Aktienmarkt durcheinander. Papiere von Fast-Food-Ketten sind out. Selbst Dialyseanbieter stehen unter Druck.Astrid Dörner 16.10.2023 - 15:38 Uhr Artikel anhören

Topmanager kommen an der Frage nicht vorbei, wie Diätmedikamente die Wirtschaft und die Unternehmen verändern werden.

Foto: Getty Images [M]

New York. Es ist gerade mal ein paar Monate her, da ging es an der Börse nur um ein Thema: Künstliche Intelligenz. Und Investoren diskutierten leidenschaftlich: Welche Unternehmen werden am meisten von den Fortschritten profitieren, die durch OpenAI und den Chatbot ChatGPT vorangetrieben werden? Wer sind die großen Verlierer? Welcher Chiphersteller muss auf jeden Fall ins Portfolio?

Mittlerweile gibt es ein anderes großes Thema an der Wall Street, das die Fantasien von Anlegern, Analysten und Shortsellern beflügelt: Abnehmspritzen. Das mag auf den ersten Blick verwundern, schließlich hat es nichts mit den KI-getriebenen Zukunftsvisionen rund um ChatGPT und Co. zu tun.

Dennoch hat das Thema in den vergangenen Wochen für überraschend hohe Kursausschläge gesorgt. Viele Topmanager kommen an der Frage nicht mehr vorbei, wie die beliebten Medikamente zur Gewichtsabnahme die Wirtschaft und die Unternehmen verändern werden.

Im Zentrum der Diskussion stehen die Spritze Ozempic und das höher dosierte Mittel Wegovy des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk. Die Aktie gehört zu den großen Gewinnern in diesem Jahr.

Der Kurs liegt seit Anfang Januar rund 50 Prozent im Plus. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Wert fast verdoppelt. Novo Nordisk ist nun das wertvollste europäische Unternehmen nach Börsenwert.

Doch das Potenzial der Ozempic-Ära geht weit über das Unternehmen und die Pharmabranche hinaus, wie Anleger immer wieder feststellen mussten. Vergangene Woche traf es Dialyseanbieter. Die Aktie von Fresenius Medical Care, dem weltgrößten Dialysekonzern, brach am Mittwoch im MDax um bis zu 24 Prozent ein. Die US-Konkurrenten Davida und Baxter International sackten auf den tiefsten Stand seit acht Jahren.

Der Grund: Novo Nordisk erzielte mit den Ozempic-Spritzen so gute Erfolge in einer klinischen Studie zur Behandlung von Nierenversagen, dass es die Studie vorzeitig abbrach – auf Empfehlung eines unabhängigen Kontrollgremiums. Das allein reichte schon, um Anleger in Alarmstimmung zu versetzen.

Andere Abnehmprodukte könnten bald folgen

Zuvor waren bereits Papiere von McDonald’s und anderen Fast-Food-Ketten unter Druck geraten. Wer sich Ozempic spritze, habe schließlich weniger Heißhunger und weniger Appetit auf fettiges Essen, so das Kalkül. Snackhersteller wie Nestlé und Kellanova, der unter anderem Pringles-Chips verkauft, sind ebenfalls sensibilisiert.

Auch zu Beginn des KI-Booms hatte es große Kursausschläge und Schnellschuss-Reaktionen gegeben, zum Beispiel beim Online-Nachhilfeanbieter Chegg. Dessen Aktie stürzte im Mai fast um 50 Prozent ab, nachdem der US-Konzern erklärte, dass die Verbreitung von ChatGPT das Kundenwachstum hemme.

Wie lange der Ozempic-Hype anhält, muss sich zeigen. Andere Produkte zur Gewichtsreduktion könnten schon bald folgen. Laut der Bank Barclays könnte der weltweite Markt für Therapien gegen Fettleibigkeit bis 2030 einen Wert von 100 Milliarden Dollar erreichen. Doch die zahlreichen Risiken haben Anleger bislang außer Acht gelassen.

So ist unklar, wie die Nebenwirkungen aussehen, wenn man Ozempic und Co. über einen langen Zeitraum einnimmt. Und auch die Kosten sind ein Problem: Versicherer fordern, den Preis von derzeit rund 1000 Dollar pro Monat deutlich zu senken, bevor die Produkte aus finanzieller Sicht massentauglich werden könnten.

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Mit dem Hype könnte es also schnell wieder vorbei sein, zumal andere Ereignisse nach vorn drängen: Die geopolitischen Risiken in Israel, die hartnäckige Inflation und der steigende Ölpreis dürften in den kommenden Monaten für Turbulenzen sorgen. Am Freitag bereits war die Stimmung schlecht: Der S&P 500 verlor 0,5 Prozent, der technologielastige Nasdaq 1,3 Prozent.

Erstpublikation: 15.10.2023, 18:00 Uhr.

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