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RelianceWarum Indiens Rekord-IPO nicht ohne Risiko ist

„Die Mutter aller Börsengänge“: Der indische Großkonzern Reliance will im kommenden Jahr seine Telekomtochter Jio Infocomm an die Börse bringen. Doch die Zeiten dazu könnten besser sein.Nicole Bastian 03.09.2025 - 17:22 Uhr Artikel anhören
Ein Mann vor dem Jio-Schriftzug: Hohe Ambitionen – zu Recht? Foto: REUTERS

Indien liebt Superlative – und der für kommendes Jahr geplante Börsengang des Telekommunikationsanbieters Jio Infocomm ist eine Ansammlung selbiger.

Der reichste Mann Asiens, Mukesh Ambani, plant für die erste Hälfte 2026 den voraussichtlich größten Börsengang (IPO) in der Geschichte Indiens. Er möchte Jio Infocomm, die Telekomtochter des wertvollsten börsennotierten Unternehmens des Landes, Reliance, an die Börse bringen. Jio Infocomm ist der größte Mobilfunkanbieter Indiens mit 500 Millionen Kunden und weltweit der zweitgrößte nach Nutzerzahlen, direkt nach China Mobile.

„Die Mutter aller Börsengänge“ titelt die indische Wirtschaftszeitung „Economic Times“ entsprechend. Analysten rechnen mit einer Bewertung des Unternehmens von insgesamt um die 120 Milliarden Dollar und einem IPO-Volumen für die Teile, die an die Börse gehen, von bis zu sechs Milliarden Dollar. Die Ambitionen sind also hoch.

Doch der Börsengang kommt zu einer für Indien schwierigen Zeit. Seit etwa einem Jahr ist die zuvor beeindruckende Dynamik aus den indischen Aktienkursen raus, wie ein Blick auf den Leitindex Nifty 50 zeigt.

Indische Aktien gelten zudem gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im globalen Vergleich als teuer. Das KGV zeigt das Verhältnis zwischen dem aktuellen Aktienkurs eines Unternehmens und seinem Gewinn pro Aktie. Zudem wird der hohe Anteil von Tech-Firmen im indischen Markt als ein Faktor für mögliche Kursrisiken genannt.

Die Gunst von Donald Trump verloren

Und nun kommen noch geopolitische Herausforderungen hinzu: In den vergangenen Jahren hatte sich Indien quasi äquidistant zwischen den USA und Russland positioniert und sich in dieser Lage auch ökonomisch recht gut eingefunden. Das Land hatte scheinbar die beste beider Welten gefunden. Auch mit US-Präsident Donald Trump kam Indiens Staatschef Narendra Modi in dessen erster Amtszeit besser zurecht als die meisten anderen Staats- und Regierungschefs.

Doch das hat sich rapide geändert: Die indischen Öl- und Gaskäufe von Russland, die auch den Reliance-Konzern betreffen, haben zu einer Entfremdung zwischen Indien und den USA geführt – und zu einem US-Importzoll von 50 Prozent auf Waren aus Indien, der auch die Regierung in Neu-Delhi kalt erwischt hat.

Der hohe Zollsatz macht die Initiative der Modi-Regierung, sich global als günstiger Produktionshub alternativ zu China anzubieten, in großen Teilen zunichte. Und er nimmt eben auch gehörig Fantasie aus den indischen Börsenkursen. Ob der Markt da im kommenden Jahr bereit sein wird, einen so großen Börsengang wie jenen von Jio Infocomm zu finanzieren, ist also unklar. Und so lautet eine Kernfrage beim geplanten IPO: Werden ausländische Investoren genügend Interesse zeigen?

Analysten merken kritisch an, das Jio noch vor allem Telekommunikationsanbieter ist – auch wenn Reliance-Chef Ambani den Anteil, der sich mit Künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigt, mit Hochdruck ausbauen will. Auf der Reliance-Hauptversammlung sagte er kürzlich, er versichere, Jio sei in der Lage, den gleichen Wert zu erzeugen wie die globalen Wettbewerber.

Meta und Google als Anteilseigner betroffen

Eigentlich wollte Ambani Jio Infocomm schon in diesem Jahr an die Börse bringen. Dass es beim Aufbau überzeugender Tech-Geschäftsteile noch etwas dauert, gilt allerdings just als Grund dafür, dass es mit dem Börsengang nun doch bis kommendes Jahr dauert.

Wie die globale Welt es so will, sind von den geopolitischen Herausforderungen, die die Trump-Regierung an den Börsengang der Reliance-Tochter gestellt hat, aber auch wichtige US-Konzerne betroffen. Die Kette läuft so: Jio Infocomm ist eine 100-prozentige Tochter von Jio Platforms, das zu etwa zwei Dritteln Reliance gehört. Doch mit knapp zehn Prozent ist Meta auch einer der Anteilseigner, mit knapp acht Prozent Google.

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Reliance-Chef Ambani hat ein strategisches Netz an Kooperationen mit ausländischen Unternehmen aufgebaut, deren Wissen er mit seiner Marktstärke in Indien kombiniert – die zum Teil auch aus seinem guten Verhältnis zu Regierungschef Modi herrührt. Noch ist unklar, ob die US-Unternehmen den Börsengang zum Teilausstieg nutzen würden oder nicht.

Reliance-Chef Ambani gibt sich jedenfalls betont zuversichtlich, dass es genügend interessierte Investoren geben wird für den Rekord-IPO. Es wird ein entscheidender Moment werden für die weitere Börsenentwicklung des Landes.

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