Weltgeschichten Frankreich: 2000 Euro pro Nacht: Die Pariser wollen an Olympia 2024 verdienen
Die Olympischen Spiele sind ein Geschäft für Firmen und Privatleute.
Foto: Dpa [M]Paris. Der Vorort Saint-Denis gehört normalerweise nicht zu den bevorzugten Gegenden für Paris-Touristen. Mitte 2024 wird das aber anders sein. Ab dem 26. Juli werden in Paris die Olympischen Spiele ausgetragen, und viele große Wettbewerbe finden im Stade de France in der Banlieue statt. 78.000 Zuschauer passen in das Stadion.
Die Pariser wittern das Geschäft. Touristenverbände erklären, dass das normale Unterkunftsangebot bei Weitem nicht ausreiche. Eine Wohnung für vier bis sechs Personen kostet während der Spiele darum nicht selten 1000 Euro, ein Haus gern auch einmal 2000 Euro. Airbnb will die Preise nicht begrenzen.
Je näher die Unterkünfte an den Austragungsorten liegen, desto teurer wird es. Große Veranstaltungsorte befinden sich im Südwesten der Stadt. Im Zentrum sind das Tennisstadion Roland Garros und das Fußballstadion Parc des Princes. Auch auf der Seine werden Wettbewerbe ausgetragen.
Bei Gesprächen zwischen Parisern sind solche Überlegungen gerade das wichtigste Thema. Schon 3,25 Millionen Tickets für Sportevents wurden in einer ersten Phase verkauft. Für die zweite Phase kann man sich noch bis zum 20. April registrieren.
Parallel schauen die Sportfans nach Unterkünften und finden jeden Tag neue Anzeigen auf den Portalen. Buchbar sind sie meistens nur für die Zeit der Spiele. Offensichtlich testen auch viele Pariser, die ihre Wohnung sonst nicht hergeben würden, den Markt. Warum nicht während Olympia ans Meer fahren, wenn sich der Urlaub durch die Vermietung selbst finanziert?
Ob die aufgerufenen Mieten tatsächlich jemand zahlt, dazu schweigen sich die Buchungsportale bisher aus. Einzelne Pariser haben den Medien verraten, dass sie viel Geld eingenommen haben. Ein Wohnungsbesitzer aus dem 15. Arrondissement im Süden der Stadt sagte, er biete eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, davon eins mit Hochstockbetten, für 690 Euro die Nacht an. Insgesamt erhofft er sich Einnahmen von fast 16.000 Euro.
Eine Haubesitzerin aus dem 17. Arrondissement in der Nähe des Triumphbogens nimmt für 80 Quadratmeter mit zwei Zimmern 599 Euro bis 799 Euro. Alle drei Wochen seien schon ausgebucht.
Nicht nur Touristen brauchen eine Wohnung
Viele Angebote sind nur für eine ganze Woche verfügbar, nicht nur für einzelne Nächte. Damit könnte die Chance steigen, nicht an einen Sportfan zu vermieten, sondern an jemanden, der zum Arbeiten in die Stadt kommt. So mutmaßen es die Pariser beim Smalltalk.
Schon allein die Medien werden viel Platz in Anspruch nehmen. Paris rechnet mit 26.000 akkreditierten und 8000 weiteren Journalisten. Insgesamt werden 13 Millionen Besucher vor Ort erwartet – viele auch ohne Eintrittskarten.
Die nächsten Tickets werden ab dem 11. Mai vergeben. Dann dürften wieder viele Wohnungen weggehen. Auch später werden immer wieder Tickets auf https://tickets.paris2024.org angeboten.
Die Preise für die Karten beginnen bei 24 Euro. Die Plätze im Leichtathletik- und Basketballfinale kosten zwischen 100 und 980 Euro. Ein Ticket für die Abschlussfeier im Stade de France kostet zwischen 45 und 1600 Euro. Zur Eröffnungsfeier entlang der Seine kommt man für 90 bis 2700 Euro, aber auch ohne Ticket wird man wohl etwas davon sehen können. Nur eine Wohnung braucht wohl jeder.