Kommentar: Hochpreisige Modelle: Die Luxus-Strategie von Audi, BMW und Mercedes könnte sich rächen
Die deutschen Hersteller setzen bewusst auf große, margenträchtige Autos.
Foto: imago images/Manfred SegererEs ist schon paradox: Die Autoindustrie klagt über einen Mangel an Halbleitern und baut so wenige Autos wie seit dem Jahr 1976 nicht mehr. Gleichzeitig verdienen Mercedes, BMW und der VW-Konzern prächtig. Denn die Hersteller schlagen aus dem Mangel Kapital. Sie geben keine Rabatte mehr und erhöhen die Preise.
Und sie ändern die Modellpolitik: Gebaut wird vor allem, was groß und teuer ist. Kleinere und kompaktere Modelle verschwinden allmählich. Audi streicht nach dem A1 nun auch das kleine SUV Q2, BMW lässt den i3 auslaufen, Mercedes die B-Klasse. Stattdessen ist die Industrie im Luxusrausch. Immer größer und schwerer werden die Limousinen und Geländewagen.
Das ergibt betriebswirtschaftlich Sinn: Denn nicht nur in Deutschland gewinnt das eigene Auto an Attraktivität. Als abgekapselter Privatbereich schützt es vor den Viren und Wirren des öffentlichen Raumes. Wichtigste Kundengruppe sind die Babyboomer, die allmählich in Rente gehen und sich nun etwas gönnen. Sie kaufen kleine Straßenjachten, mit üppigen Sicherheits- und Komfortpaketen.
Mittlerweile kostet ein durchschnittlicher Neuwagen in Deutschland fast 40.000 Euro, das sind rund 10.000 Euro mehr als vor zehn Jahren. Wer das Geld nicht passend hat, profitiert von den niedrigen Zinsen und den daraus resultierenden günstigen Leasingraten.
Mit weniger Autos immer mehr Geld zu verdienen ist für die Industrie ein gutes Geschäft. Doch die Luxus-Strategie ist nicht ohne Risiko. Denn mit dem Streichen der Einstiegsmodelle verlieren die Marken Zugang zu Kundengruppen, die sich Autos für unter 40.000 Euro leisten wollen.
Das könnte sich rächen: Eine ganze Reihe von asiatischen Newcomern steht bereit, in die Märkte der deutschen Autoindustrie einzubrechen. Sie beherrschen die Batterietechnik, bieten voll digitalisierte Cockpits, Qualität und Design stimmen mittlerweile. Noch sind Nio, Geely, Vinfast oder Xpeng zwar keine Namen, die Audi, BMW oder Mercedes heute Angst machen. Aber Massenhersteller wie Volkswagen sollten wachsam sein.