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AnalyseWarum die Vertragsverlängerung des Bayer-Chefs richtig und logisch ist

Bayer-Chef Werner Baumann bleibt weitere drei Jahre im Amt. Es hätte eine Alternative zu ihm gegeben – aber die kann auch später noch zünden.Bert Fröndhoff 11.09.2020 - 12:07 Uhr Artikel anhören

Der erfahrene Manager hat den Konzern im Griff.

Foto: Reuters

Am Ende der virtuellen Hauptversammlung von Bayer Ende April zeigte der damalige Aufsichtsratschef Werner Wenning ein erleichtertes Lächeln. Es ging nicht in Richtung Kameras, sondern galt dem Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann. Der war gerade mit mehr als 90 Prozent der Stimmen von den Aktionären entlastet worden.

Wenning, der als Ziehvater von Baumann gilt, war sofort klar: Eine erneute Ohrfeige der Investoren bleibt Baumann erspart – und eine entscheidende Hürde für eine neue Amtszeit ist aus dem Weg geräumt.

Die Vertragsverlängerung hat Baumann am Donnerstagabend bekommen. Er bleibt weitere drei Jahre bis Ende April 2024 im Amt. Der Aufsichtsrat unter Führung des neuen Chefs Nobert Winkeljohann votierte einstimmig dafür.

Das ist nicht zwar ganz die maximale Zeit von vier Jahren, die die Bayer-Statuten bei Verlängerungen von Vorstandsverträgen maximal vorsehen. Baumann hat aber selbst mit Verweis auf seine Lebensplanung um eine verkürzte neue Amtszeit gebeten.

Das kann und muss man glauben. Zumindest spricht in Wortwahl und Entscheidungsbegründung des Aufsichtsrats nichts dafür, dass man dem Vorstandsvorsitzenden irgendein Misstrauen entgegenbringt und ihm deswegen keine volle Amtszeit zugestehen mag.

Es hätte zudem bessere Momente gegeben, etwaigen Trennungsgefühlen von Aufsichtsräten gegenüber Baumann freien Lauf zu lassen. Etwa als dem Bayer-Chef auf der Hauptversammlung 2019 als erstem amtierenden CEO eines Dax-Konzerns von den Aktionären keine Entlastung erteilt wurde.

Dieser Vertrauensentzug war eine schmerzhafte Ohrfeige. Doch auch damals stellten sich die Kontrolleure komplett hinter den Vorstandsvorsitzenden.

Die nun beschlossene Vertragsverlängerung für Baumann ist ein logischer und auch ein richtiger Schritt. Selbstverständlich kann und muss man kritisch einwenden, dass die Monsanto-Übernahme gemessen am aktuellen Börsenwert überhaupt nicht die Erwartungen erfüllt. Dazu kommen die Rechtsrisiken, die Bayer unterschätzt hat, und nun mit viel Geld aus dem Weg räumen muss.

Monsanto-Kauf war keine schlechte Wahl

Die Verantwortung dafür kann man aber nicht allein Baumann anlasten. Der gesamte Aufsichtsrat hat die strategische Logik der Übernahme immer verteidigt und mitgetragen.

Die Partnerschaft gilt auch für das Verhältnis der Arbeitnehmervertreter zum Management. Den Vorstandschef auf öffentlichen Druck zu opfern, das würde nicht zur Bayer-Welt passen.

Richtig ist die Vertragsverlängerung, weil Baumann das Innenleben und die Problemzonen von Bayer extrem gut kennt und bisher keine Zweifel aufkommen lässt, die Schwächen aus dem Weg räumen zu wollen. Operativ erweist sich der Monsanto-Kauf bisher als keine schlechte Wahl, insgesamt hat Baumann den Konzern im Griff. Als Architekt der Monsanto-Übernahme muss er die Verantwortung dafür behalten, diesen Jahrhundertdeal für Bayer zum Erfolg zu machen.

Logisch ist die Vertragsverlängerung aus kulturellen Gründen. Mit Norbert Winkeljohann hat Bayer erstmals einen Aufsichtsratschef, der nicht im Konzern sozialisiert wurde – alle Vorgänger hatten die typische Bayer-Managerkarriere bis nach ganz oben durchlaufen.

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Der frische Blick von außen tut Bayer bei der Überwachung des Vorstands jetzt sehr gut. In dieser Konstellation ist für die weitere operative Arbeit aber ein Manager gefragt, der in der Bayer-Welt groß geworden ist.

Nun kann man einwenden, dass es durchaus Alternativen zu Baumann gibt. Der fürs Agrargeschäft zuständige Vorstand Liam Condon hat ohne Frage das fachliche und personelle Potenzial für den Spitzenposten bei Bayer, auch er kennt den Konzern samt Pharmageschäft im Detail. Aber das kann der 52-Jährige Ire auch in drei Jahren noch in die Waagschale werfen, wenn über die Nachfolge Baumanns entschieden wird.

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