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KommentarHoffentlich dauert dieser Wehrpflicht-Streit noch lange!

Dienst für alle oder Auswahl per Los? Der Koalitionskrach um die Wehrpflicht zeigt, worauf es wirklich ankommt: Freiwillig zur Bundeswehr zu gehen, muss attraktiver werden. Drei Vorschläge.Christian Rickens 17.10.2025 - 07:38 Uhr
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Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr: Die Armee braucht 80.000 zusätzliche Kräfte. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Hoffentlich dauert der Koalitionsstreit um die Wehrpflicht noch möglichst lange an! Denn solange sich Union und SPD in dieser Frage nicht einigen können, bleibt Deutschland ein aufwendiges Erhebungs- und Kontrollsystem erspart, das junge Männer zum Dienst bei der Bundeswehr zwingt. Zu einem Dienst, den viele von ihnen (und dazu noch einmal viele Frauen) wahrscheinlich auch freiwillig leisten würden – wenn sich Bundeswehr und Bundesregierung nur um die richtigen Anreize bemühten.

Zu empfehlen ist ein Blick auf die unzähligen deutschen Unternehmen, bei denen die Jobinhalte auch nicht nur aus Ponystreicheln bestehen. Und trotzdem schaffen es diese Firmen, ihren Nachwuchs zu rekrutieren. Ganz ohne Losverfahren, Schnick-Schnack-Schnuck-Turnier oder welche Auswahlverfahren für Wehrpflichtige den Koalitionären in den kommenden Verhandlungsrunden sonst noch einfallen mögen.

Hier nur mal drei ziemlich naheliegende Ideen:

  1. Wer Kinder zwischen 16 und 18 hat, weiß, was für ein großes Thema die explodierenden Kosten für den Pkw-Führerschein in dieser Altersgruppe sind. Wie wäre es mit dem Versprechen: Wer sich für ein Jahr Wehrdienst verpflichtet, kann auf Bundeswehrkosten den Führerschein machen?
  2. Warum erhalten nicht viel mehr länger Dienende das Versprechen, dass sie bei der Bundeswehr garantiert eine anerkannte Berufsausbildung machen können? Wirklich funktionieren wird die Bundeswehr in Zukunft nur als Hightech-Armee, und die braucht ohnehin tendenziell mehr Mechatroniker und weniger Panzergrenadiere. Beim Offiziersnachwuchs ist das Gratisstudium bei vollem Sold schließlich schon lange ein Hauptargument für die Rekrutierung.
  3. Apropos Studium: Warum sollten Gediente nicht Vorrang bei der Vergabe von zulassungsbeschränkten Studienplätzen erhalten? Auf diese Weise könnte der freiwillige Wehrdienst für Abiturienten zusätzlich attraktiv werden.

Der letzte Punkt führt zum vielleicht wichtigsten Aspekt, der sich aber nicht per Gesetz anordnen lässt: Wir brauchen ein gesellschaftliches Klima, in dem jedem mit Respekt begegnet wird, der freiwillig bei der Bundeswehr war. „Danke für Ihren Dienst“ sollte in Deutschland ein ähnlich alltäglicher Satz werden wie in den USA.

Der Verteidigungsminister hat die Diskussionen über das neue Wehrdienstgesetz am Donnerstag verteidigt. Das Thema verdiene eine leidenschaftliche und offene Debatte, „weil es das Leben vieler, vieler Menschen betrifft“, sagte Pistorius im Bundestag.
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Doch nicht nur die jungen Menschen brauchen die richtigen Anreize, sondern auch die Bundeswehr selbst. Wenn jetzt schon ins Gesetz geschrieben wird, dass die Wehrpflicht greift, sofern es der Bundeswehr nicht gelingt, genug Freiwillige zu finden: Wie groß sind dann wohl die Chancen, dass genau dieser Fall auch eintreten wird? Ich tippe auf etwa 100 Prozent.

Erstpublikation: 16.10.2025, 04:07 Uhr.

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