Corona-Pandemie: Überschuldete Privathaushalte – Das dicke Ende kommt erst noch
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet mit einer Welle von Unternehmensinsolvenzen.
Foto: dpaBerlin. Es ist eine Momentaufnahme, die zunächst verblüfft. Denn erneut ist die Zahl der überschuldeten Personen in Deutschland zurückgegangen – trotz der Coronakrise. Die Zahl sank 2020 um 69.000 auf 6,85 Millionen. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform entspricht das einer Überschuldungsquote, die den Anteil überschuldeter Personen im Verhältnis zu allen Erwachsenen wiedergibt, von 9,87 Prozent.
Der Zustand wird allerdings nicht von Dauer sein. Viele Faktoren sprechen dafür, dass das dicke Ende noch kommt. Noch entfalten Maßnahmen ihre Wirkung, die die Bundesregierung mit Beginn der Pandemie initiierte.
So wird das Instrument der Kurzarbeit großzügig genutzt, um die schlechte wirtschaftliche Lage von Unternehmen abzufedern. Zwar sinkt das Gehalt der Kurzarbeiter dadurch tendenziell, doch laufende Verpflichtungen können in der Regel beglichen werden.
Zur Entlastung der Verbraucher führte die Bundesregierung zudem zeitlich befristete Stundungen für Zinsen und Tilgungen von Immobilienfinanzierungen und Ratenkrediten ein. Zugute kommt den Beschäftigten auch, dass die Bundesregierung die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen weitgehend bis zum 1. Oktober 2020 aussetzte. Die Zahl der Firmenpleiten ging bis zu dieser Frist teilweise zweistellig zurück.
Welle von Unternehmensinsolvenzen
Doch die Effekte werden nicht von Dauer sein. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet mit einer Welle von Unternehmensinsolvenzen. Und Creditreform geht angesichts der weltweit ansteigenden Infektionszahlen von Folgen für Wirtschaft und Verbraucher aus, die gravierender als die der Weltfinanzkrise 2009 sein dürften.
Ein Blick in die Statistik zeigt, dass Arbeitslosigkeit eine der Hauptursachen für die Überschuldung ist. Es folgen Krankheit, Trennung, Scheidung und gescheiterte Selbstständigkeit – also liegt die Ursache häufig in Entwicklungen, auf die der Einzelne nur wenig Einfluss nehmen kann. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ zu 16 Prozent zur Überschuldung beiträgt.
Nicht wenige befürchten, dass die Freiberufler und Soloselbstständigen die neuen Sorgenkinder werden können. Die Gruppe, die je nach Definition zwischen einer Million und drei Millionen ausmacht, wurde von der Bundesregierung bei den ersten Hilfspaketen stiefmütterlich behandelt. Gescheiterte Selbstständige hatten bislang einen Anteil von 8,4 Prozent unter überschuldeten Personen. Er dürfte steigen.