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KommentarBedrohter Standort Saarlouis: Es gibt auch eine Zukunft ohne Ford

Im Sommer wird Ford wohl über die Schließung seines Werks im Saarland entscheiden. Die Politik muss einen Plan B vorbereiten.Stefan Menzel 02.02.2022 - 18:12 Uhr Artikel anhören

Schon im vergangenen Jahr demonstrierten die Ford-Beschäftigten für den Erhalt ihres Werkes.

Foto: imago images/BeckerBredel

Ford Europa steht vor einem schweren Jahr. Zur Jahresmitte will der US-Konzern entscheiden, wo auf dem Kontinent ein weiteres Autowerk geschlossen wird. Zur Disposition stehen Saarlouis oder Valencia. 5000 Arbeitsplätze dürften unmittelbar bei Ford verlorengehen. Auch bei den Zulieferern sind dann zusätzliche Einschnitte unvermeidlich.

Natürlich sind jetzt die Sorgen im Saarland groß, dass das kleine Bundesland nach einer Schließung der Ford-Fabrik zum Sozialfall werden könnte. 5000 Arbeitsplätze bei einer Million Einwohner sind sehr viel. Deshalb hat sich die Politik eingeschaltet, um den Fortbestand der Fabrik in Saarlouis irgendwie zu erreichen. Auch die Bundesregierung soll helfen; über eine staatliche Unterstützung für Ford wird inzwischen nachgedacht.

Doch die Politik im Saarland muss sich auch auf den Plan B vorbereiten – dass sich Ford nämlich im Sommer tatsächlich zur Aufgabe von Saarlouis entscheiden wird. Der US-Konzern ist in Europa seit Jahren auf Schrumpfkurs. Allein mit dem letzten Sparprogramm wurden etwa 10.000 Jobs gestrichen.

Die Verkaufszahlen sinken beinahe unaufhaltsam, im vergangenen Jahr lag das Minus bei fast 20 Prozent. Vor diesem Hintergrund gibt es wohl keine Alternative dazu, dass Ford eines seiner vier europäischen Pkw-Werke komplett aufgeben wird.

Ford hat sich zudem für eine vollständige Elektrifizierung seiner europäischen Fahrzeugflotte entschieden. Vom Jahr 2030 an sollen hier ausschließlich rein elektrisch angetriebene Pkw verkauft werden. Nicht einmal mehr Plug-in-Hybride mit Verbrennungs- und Elektromotor wird es noch geben.

Mit diesem Elektroangebot wird Ford nicht mehr die nötigen Verkaufszahlen erreichen, um alle vier Werke in Deutschland, Spanien und Rumänien dauerhaft auszulasten. Schon heute hat der Konzern seine Probleme damit, die Fabriken ausreichend mit attraktiven Modellen zu füllen.

Ein Blick nach Bochum lohnt

Den Standort in Rumänien dürfte Ford nicht aufgeben wollen, allein schon wegen der im Vergleich zu Westeuropa extrem günstigen Kostensituation. Spanien hat noch einen gewissen Lohnkostenvorteil gegenüber Deutschland. Also spricht mehr für Valencia und weniger für Saarlouis. Außerdem gibt es schon die Zusage, das Stammwerk in Köln dauerhaft zu erhalten. Dass beide deutschen Standorte bleiben, ist von daher erst recht unwahrscheinlich.

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Für Politik und Gewerkschaften lohnt jedoch der Blick nach Bochum, wo Opel vor bald zehn Jahren ebenfalls eine Autofabrik geschlossen hat. Auf dem ehemaligen Werksgelände sind inzwischen mehr Arbeitsplätze entstanden, als es dort zu Opel-Zeiten gab. Es gibt also immer auch eine Zukunft ohne Autohersteller.

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