Kommentar: Bessere Arbeitsbedingungen in Katar: Der Fußball setzt richtige Zeichen für Menschenrechte
Durch die Reform werden nun die Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter verbessert.
Foto: dpaMachtmissbrauch, Ausbeutung, Korruption: Die Liste der Vorwürfe ist lang – sowohl gegen den Fußball-Weltverband Fifa als auch gegen Katar. Der kleine Golfstaat trägt nun 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft aus, nachdem Fifa-Funktionäre mehrfach beschuldigt wurden, sich bei der Vergabe des Mega-Sportereignisses bestochen haben zu lassen.
In der Kritik standen bislang auch die Bedingungen, unter denen Hunderttausende asiatische und arabische Gastarbeiter die Stadien, Hotels, die neue Metro, Einkaufszentren und Straßen errichten. Und das zu Recht.
Es war längst überfällig, dass die katarische Regierung das sogenannte Kafala-System abschafft, bei dem die Arbeiter eine katarische Firma als „Sponsor“ haben, der sie einlädt. Ohne Zustimmung des Sponsors durften Arbeiter bislang keinen anderen Job annehmen, selbst wenn der einladende Arbeitgeber den Lohn nicht zahlte.
Durch die Reform verbessert sich die erdrückende Rechtslage für Hunderttausende Arbeitsmigranten. Ausländische Arbeiter können künftig den Job ohne Zustimmung ihres bisherigen Arbeitgebers wechseln. Die Uno-Arbeitsorganisation lobt dies als „historischen Schritt“.
Menschen so schlecht und so miserabel zu behandeln war eines so reichen Landes wie Katar unwürdig. Die Abschaffung des Systems zeigt: Fußball kann Veränderungen bewirken. Denn wäre die WM nicht nach Katar vergeben worden, hätte sich nichts an der fast an Sklaverei grenzenden Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte in dem Land geändert. Als Brennglas hat der Fußball im übertragenen Sinn die Missstände weltweit unübersehbar gemacht. Und das ist gut so.
Druck aufbauen
Katar bildet mit seiner Reform aber leider noch eine Ausnahme unter den Golfstaaten: In den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien werden deutlich mehr Arbeitsmigranten weiterhin ausgebeutet. Viele wurden infolge der Pandemie gnadenlos nach Hause geschickt, nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn.
Trotz aller Vorwürfe: Die Entscheidung der Fifa für Katar ist vor allem deshalb gut, weil sie dort bereits für mehr Reformen gesorgt hat als internationale Diplomatie in den vergangenen Jahren. Und: Die am Golf schuftenden Gastarbeiter werden dadurch auch unabhängiger von westlicher Entwicklungshilfe.
Nun muss ausreichend Druck aufgebaut werden, damit das unmenschliche Kafala-System auch in Katars Nachbarstaaten ein Ende hat. Es darf nicht über das Schicksal von Millionen Gastarbeitern hinwegschaut und Fußball als reines Business angesehen werden. Aber genauso wenig darf man es als selbstverständlich hinnehmen, dass zumindest Katar – als Ausnahme unter den Golfstaaten – jetzt endlich gehandelt hat.