Kommentar: Brasilien vergrößert die Macht der Opec nur auf dem Papier

Saudi-Arabiens Energieminister Abdulaziz bin Salman hat ein Problem: Seit Ende Oktober liegt der Preis der Rohölsorte Brent unter 90 Dollar pro Barrel. Das ist gut für Verbraucher, aber schlecht für Saudi-Arabien, das einen Preis über 90 Dollar braucht, um seinen Haushalt zu finanzieren. Die sinkenden Ölpreise sind auch auf ein steigendes Angebot zurückzuführen: Denn während vor allem Saudi-Arabien seine Förderung gekürzt hat, haben Staaten außerhalb der Opec plus ihre Produktion deutlich erhöht.
Das heißt: Wenn die Opec-plus-Organisation den Ölmarkt weiter dominieren möchte, muss sie wachsen. Der jüngst beim Opec-plus-Treffen verkündete Beitritt Brasiliens zur Ölallianz ist ein Schritt in diese Richtung – aber nur auf dem Papier.
Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den monatlichen Opec-Report: Demnach hatten die 13 Mitgliedstaaten der Opec im Oktober einen Marktanteil von 27,5 Prozent an der weltweiten Ölproduktion. Vor zehn Jahren lag der Marktanteil laut Opec-Report noch bei 33 Prozent. Er sinkt also – und somit auch die Macht der Opec, den Ölpreis zu beeinflussen.
Das steigende Ölangebot unterläuft die Kürzungen der Opec
Deshalb arbeitet die Opec mit zehn Nichtmitgliedstaaten zusammen. Diese Kooperation wird „Opec plus“ genannt. Der Marktanteil der Opec plus liegt immerhin bei rund 43 Prozent. Er könnte mit Brasiliens Beitritt zur Opec plus im Oktober nun wachsen. Brasiliens Ölproduktion befindet sich auf Wachstumskurs und ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Produktion der Nicht-Opec-Staaten in diesem Jahr um 1,8 Millionen Barrel pro Tag steigen wird.
Dieses steigende Ölangebot unterläuft die Förderkürzungen der Opec. Im Prinzip sind die Nichtmitglieder Trittbrettfahrer: Sie profitieren preislich von den Kürzungen und nehmen Opec-Staaten wie Saudi-Arabien zugleich Marktanteile ab.
Interessenkonflikte bei der Opec vorprogrammiert
Der Beitritt Brasiliens zur Opec plus heißt nicht, dass das Neumitglied an Produktionskürzungen teilnehmen muss. Das südamerikanische Land hat nur die Kooperationscharta unterschrieben, wird sich also künftig mit dem Ölkartell austauschen.
Interessenkonflikte sind also programmiert: Anders als Saudi-Arabien ist Brasilien vor allem daran interessiert, so viel Öl zu verkaufen wie möglich. Damit ist das Land nicht allein: Selbst einige Opec-Mitglieder haben zuletzt mehr gefördert als vereinbart.
Die Ölallianz gewinnt also nur in der Theorie mehr Macht. Wenn intern die Interessen auseinandergehen, verliert sie dennoch Einfluss auf den Ölmarkt.
Erstpublikation: 02.12.2023, 14:13 Uhr.