Kommentar: China gewinnt in Afrika, weil es anders auftritt als Deutschland

Arrogant, bevormundend, heuchlerisch. Das sind Attribute, die den Europäern immer öfter zugeschrieben werden. Zumindest in vielen Ländern auf dem afrikanischen Kontinent.
Seit Jahren verlieren Deutschland und Europa an Einfluss in der Region. Und China? China steht für Entwicklung. Zumindest in den Augen vieler Afrikaner. Milliarden für Infrastrukturprojekte haben in vielen Ländern auf dem Kontinent für Autobahnen, Schnellstraßen und interkontinentale Verbindungen gesorgt. China mischt sich nicht in interne Angelegenheiten ein, behandelt uns nicht von oben herab und spricht mit uns auf Augenhöhe, heißt es. Ganz im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern.
Die ehemaligen Kolonialmächte, die ihren wirtschaftlichen Erfolg zu einem großen Teil auf dem Rücken des afrikanischen Kontinents aufgebaut haben, glauben auch heute noch zu wissen, was für Afrika am besten ist. Dabei hat der Westen das Narrativ als moralische Instanz der internationalen Weltgemeinschaft längst verloren. Nicht zuletzt mit seiner in vielen Teilen Afrikas nicht nachvollziehbaren Haltung im Krieg zwischen Israel und Gaza. Europas historisches Erbe wiegt schwer. Chinas Koffer ist, zumindest aus Sicht vieler afrikanischer Staaten, um einiges leichter. Und das weiß Peking gekonnt zu nutzen.
China beeinflusst den Kontinent sehr subtil
Statt den afrikanischen Staatschefs ihr eigenes politisches System in den Block zu diktieren, wählt China den Weg der subtilen Einflussnahme. Es finanziert den Bau politischer Kaderschmieden in Kenia und Tansania, bringt bezahlbare Smartphones auf den Markt und hält sich bedeckt, wenn Regierungschefs angeblich demokratischer Länder friedliche Proteste blutig niederschlagen. Das ist klug und gefährlich zugleich.
Schon jetzt wenden sich immer mehr Menschen in Afrika laut jüngsten Umfragen von der Demokratie als Ultima Ratio aller Staatsformen ab. Eine heikle Entwicklung, sind viele Staaten nicht nur Rohstofflieferant für die Energiewende, sondern auch ein potenzieller Zukunftsmarkt und wichtiger Verbündeter auf der internationalen Bühne. Ganz abgesehen von den steigenden Zahlen illegaler Migration in Richtung Europa.
Deutschland stellt das vor ein Dilemma. Zu Menschenrechtsverletzungen zu schweigen ist keine Option. Das steht außer Frage. China mit seinen eigenen Waffen zu schlagen dagegen schon. Statt mit einer Liste von Forderungen und fertigen Lösungen in Gespräche mit afrikanischen Staats- und Regierungschefs zu gehen, muss endlich ein echter Dialog stattfinden.
Wo liegen die Prioritäten afrikanischer Länder? Was braucht es wirklich? Und wie können beide Seiten profitieren? Das Fachkräfteabkommen zwischen Kenia und Deutschland ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Kenianische Pfleger gegen den Notstand in Deutschland auf der einen Seite. Und Zukunftsmöglichkeiten für junge, gut ausgebildete Kenianer, in deren Heimat Arbeitsplätze Mangelware sind, auf der anderen. Aber es kann nur ein Anfang sein.
Es braucht nicht nur eine neue Strategie für Afrika, sondern auch eine neue Haltung gegenüber einem Kontinent, der gerade in der größten Transformation seit der Unabhängigkeit von den Kolonialmächten steckt.
Erstpublikation: 04.09.2024, 13:44 Uhr.