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Kommentar Das Coronavirus könnte zum Durchbruch für das mobile Arbeiten führen

In deutschen Unternehmen herrscht nach wie vor Präsenzkultur. Die Coronakrise könnte diese Strukturen besser aufbrechen als jedes Gesetz.
06.03.2020 - 17:07 Uhr Kommentieren
In Deutschland herrscht nach wie vor Präsenzkultur, werden Einsatz und Leistung mit Anwesenheit verbunden. Quelle: www.imago-images.de
Arbeiten im Homeoffice

In Deutschland herrscht nach wie vor Präsenzkultur, werden Einsatz und Leistung mit Anwesenheit verbunden.

(Foto: www.imago-images.de)

Keine Frage: Niemand hat sich die Krise durch das neue Coronavirus gewünscht. Weltweit sind Menschen verunsichert, in allen Bereichen des Lebens und Arbeitens werden Veranstaltungen abgesagt. Unternehmen rund um den Globus leiden unter Lieferengpässen und Nachfragerückgängen.

Doch bei all der berechtigten Sorge, hat die Epidemie auch etwas Gutes. So könnte der durch den Ausbruch des Virus herrschende Ausnahmezustand den Trend zum mobilen Arbeiten verstärken und insbesondere Homeoffice salonfähig machen. Denn er beweist, woran gerade Arbeitgeber in Deutschland zweifeln: Homeoffice funktioniert.

Schon lange preist gerade die junge Generation die Vorteile von New Work im digitalen Zeitalter, nicht nur mit Blick auf die Vereinbarkeit von Job und Familie, sondern besonders durch die Zeitersparnis für Pendler. Heimarbeiter sind laut Studien im Schnitt zufriedener als Kollegen, die jeden Tag zur Arbeit fahren, können selbstständiger planen und arbeiten konzentrierter. Dazu kommt der Aspekt Nachhaltigkeit.

Trotzdem herrscht in Deutschland nach wie vor Präsenzkultur, werden Einsatz und Leistung mit Anwesenheit verbunden. EU-weit arbeiteten 2017 (neuere Zahlen liegen nicht vor) 15 Prozent der Erwerbstätigen zum Teil oder ganz von zu Hause aus. In Deutschland waren es nur elf Prozent, in den Niederlanden 38 Prozent. Ähnlich hoch wie bei den Nachbarn waren die Werte in Luxemburg und Schweden. Wer nach Vorständen oder Geschäftsführern im Homeoffice schaut, kann lange suchen.

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    Umso rasanter verbreitete sich Ende vergangener Woche die Nachricht, dass Pro-Sieben-Sat-1-Chef Max Conze und Finanzvorstand Rainer Beaujean nach einem Coronavirus-Fall im Konzern ein paar Tage von zu Hause aus arbeiteten.

    Die erste Interpretation: Wenn schon die oberste Führungsriege nicht im Büro ist, muss es ernst sein. Man kann den Fall aber auch positiv sehen, nämlich als Beweis, dass es sogar möglich ist, ein Unternehmen vom heimischen Schreibtisch aus zu führen. Es geht, man muss nur wollen beziehungsweise gezwungen sein zu wollen.

    Natürlich müssen die nötigen technischen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen sein. Was das angeht, werden die Unternehmen, für die Homeoffice zur Kultur gehört und die schon länger entsprechende Regelungen haben, in Corona-Zeiten heilfroh sein. Sie können ihren Mitarbeiten kurzerhand empfehlen (oder sie im Ernstfall anweisen), daheim zu arbeiten. So wie die Tech-Konzerne Amazon und Microsoft.

    Einige bieten sogar für eine gewisse Zeit freien Zugang zu ihrer Software an, bei Microsoft ist das die Chat-basierte Arbeitsplattform „Teams“. Damit wollen sie vor allem kleineren Firmen aushelfen, die auf die Schnelle „Digital Workplace“-Lösungen organisieren müssen.

    Flexibles Arbeiten hat auch Nachteile

    Dahinter dürften auch handfeste geschäftliche Interessen stehen. Sind Hardware und Software für die Telearbeit einmal vorhanden und erprobt, bietet das eine große Chance: Kann man doch den Homeoffice-Skeptikern unter den Vorgesetzten, die befürchten, ihre Mitarbeiter seien daheim aufgrund vielfacher Ablenkung und fehlender Kontrolle weniger produktiv, das Gegenteil demonstrieren.

    Zumal bald jeder, der seine Arbeit von Zuhause aus erledigen kann, einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice haben könnte. Das Thema steht nämlich bei Arbeitsminister Hubertus Heil auf der Agenda.

    Allerdings kann das Thema Homeoffice auch schnell zu Spannungen führen. Denn es gibt immer Mitarbeiter, die permanent an ihrem Arbeitsplatz sein müssen – auch in den Unternehmenszentralen. So schließt etwa Microsoft die Mitarbeiter in den Rechenzentren von der Homeoffice-Empfehlung aus. Da kann durchaus das Gefühl aufkommen, es herrsche eine Art Zweiklassengesellschaft, vor allem wenn wie in Italien alle Kitas und Schulen schließen.

    Angesichts der Millionen Heimarbeiter in diesen Tagen könnte man auch auf die extreme Idee kommen, künftig alle Mitarbeiter außerhalb des Büros arbeiten zu lassen. Schließlich senkt das Kosten. Das aber wäre ein Trugschluss, das flexible Arbeiten hat durchaus Nachteile. Zum Beispiel verschwimmt die Grenze zwischen Job und Privatleben stärker und es fallen tendenziell mehr Überstunden an.

    Und etwas Elementares fehlt nun mal im Homeoffice: der persönliche Austausch. Dabei bekommt man nicht nur ein besseres Gefühl für die Kollegen, Stimmung und Kultur. Oft braucht es den direkten Kontakt, wenn große Aufgaben anstehen oder Sensibles zu besprechen ist. Marissa Mayer, damals noch Yahoo-Chefin, holte vor Jahren alle Mitarbeiter zurück ins Büro. „Einige der besten Entscheidungen und Erkenntnisse erwachsen aus Gesprächen auf dem Flur oder in der Cafeteria“, schrieb sie in einer internen Mail – und hat damit durchaus recht.

    Eine komplette Verweigerungshaltung ist also ebenso falsch wie 100 Prozent Homeoffice. Letztlich muss jedes Unternehmen und jeder selbst, eine gesunde Mischung für sich finden. Das ist die richtige Strategie in der modernen Arbeitswelt.

    Mehr: Das Angst-Virus – Wege aus der Corona-Panik

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