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Kommentar Das perfekte Chaos: Niemand weiß, wo welche Corona-Regeln gelten

Die Landesregierungen haben es mit ihren Reiseregeln geschafft, die Bürger bundesweit komplett zu verwirren. Sie müssen nachsitzen.
07.10.2020 - 20:08 Uhr 2 Kommentare
Corona-Reisechaos: Niemand weiß, was wo gilt Quelle: dpa
Graues Herbstwetter in Kühlungsborn

Weil es im Sommer im weltweiten Vergleich hierzulande so gut lief, hat die Politik zu wenig Vorsorge für Herbst und Winter getroffen.

(Foto: dpa)


Ist es der Panik geschuldet, dass die Pandemie jetzt wieder richtig losgeht? Oder doch eher den zahlreichen parteipolitisch motivierten Eitelkeiten der Ministerpräsidenten? Wahrscheinlich war es eine Mischung aus beidem, die am Mittwochabend dazu führte, dass nun niemand mehr sagen kann, welche Reiseregeln wo innerhalb Deutschlands gelten.

Dabei werden klare Regeln genau jetzt so wichtig, wie sie es seit dem Ende des Lockdowns im Mai nicht mehr waren. Pünktlich mit den ersten kühlen Tagen im September wachsen die über den Sommer sehr niedrigen Infektionszahlen in Deutschland wieder. Stark steigende Infektionszahlen werden über kurz oder lang auch die Wirtschaft wieder belasten. Die Erholung, die im Sommer begann, ist gefährdet. Vor allem dann, wenn es keine einheitliche Bund-Länder-Strategie gibt, die natürlich dem jeweiligen lokalen Infektionsgeschehen angepasst werden soll.

Die Konferenz, auf der Bund und Länder eigentlich Ordnung in das Gewirr aus Reisebeschränkungen für Menschen aus Risikogebieten bringen wollten, führte leider zum gegenteiligen Ergebnis. Es herrscht jetzt pünktlich zu den Herbstferien das komplette Reisechaos.

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    Einig ist man sich nur noch darin, dass ein Risikogebiet eines mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen ist.

    Darüber hinaus streiten sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) darüber, ob Berlin ganz Berlin ist oder in Risikobezirke aufzuteilen ist und ob es nicht eigentlich doch Bayern gewesen ist, das die Pandemie von Anfang an zu wenig zurückgedrängt hat.

    Hilfe! Nach der Konferenz, deren schriftlich fixierten Beschluss schon eine Stunde danach mindestens fünf von 16 Ministerpräsidenten so nicht umsetzen wollen, hilft nur eines: Nachsitzen! Nicht auf Staatssekretärs-, sondern auf Regierungschefebene müssen sich Bund und Länder erneut zusammensetzen und diesmal dann auch ausreichend Zeit einplanen.

    Denn hinter dem Chaos um Reiseregeln steht ein Pandemie-Geschehen, das sich gerade drastisch verändert, abzulesen sehr gut an den Berliner Zahlen: Bis vor drei Wochen waren die Infiziertenzahlen durchgängig für eine so große Stadt erstaunlich niedrig. Sie waren besser als in den anderen Millionenstädten München, Hamburg und Köln.

    Umso beängstigender ist die steile Zunahme der Infiziertenzahlen in den letzten drei Wochen in Berlin. Rückblickend zeigt sie seit drei Wochen ein exponentielles Wachstum, bei dem sich die Zahlen binnen weniger Tage jeweils verdoppeln. Es ist das Szenario, das Kanzlerin Angela Merkel vergangene Woche beschwor: Wenn es überall so weitergeht, erreicht ganz Deutschland  an Weihnachten eine tägliche Zunahme neu Infizierter von über 19.000. Der Sprung von 2800 auf 4000 neu Infizierte an diesem Donnerstag ist da ein sehr ernst zu nehmendes Warnsignal. Auch Deutschland ist nicht immun gegen eine zweite Viruswelle.

    Nicht nur Berlin, sondern alle Großstädte befinden sich pünktlich zu den ersten Herbststürmen in einer heiklen Lage, seit sich das Leben wieder in Innenräume verlagert. Ehrlicherweise muss die Politik im ganzen Land zugeben: Weil es im Sommer im weltweiten Vergleich hierzulande so gut lief, haben alle zu wenig Vorsorge für Herbst und Winter getroffen. Wo bitte war der Boom bei den Herstellern von modernen Klimaanlagen und Luftfiltergeräten für Restaurants, Schulen, Kirchen, Bars? Es gab ihn bisher nicht.

    Die Versäumnisse des sorglosen Sommers gilt es nun nachzuholen, nicht nur in Bezug auf Reiseregeln. Erst einmal müssten sich alle Regierenden in Bund und Ländern erneut über die Pandemiezahlen des Robert Koch-Instituts beugen und dabei ihre regionalen Eitelkeiten hintanstellen, denn jede Großstadt, auch München, ist gefährdet.

    Sodann müssen sich alle überlegen, gern auch mit wissenschaftlicher Beratung, welche Reisebeschränkungen denn wirklich sinnvoll und tatsächlich praktikabel sind und welche nicht.

    Möglicherweise wird das Ergebnis sein, dass Treffpunkte in den Risikogebieten zu schließen sind, Privatpartys die nächsten Wochen ausfallen müssen, Fußballspiele ohne Zuschauer stattfinden, die Maskenpflicht durchgesetzt wird und Restaurants Lüftungskonzepte brauchen.

    Beherbergungsverbote bringen wahrscheinlich gar nicht viel, solange Hotels alle Hygienevorschriften einhalten. Denn dass Reiserückkehrer aus dem Ausland das Virus verbreiten, gab es im Sommer vor allem von Menschen, die auf dem Balkan oder in der Türkei in Urlaub waren. Inzwischen gehen laut RKI nur noch acht Prozent der Ansteckungen auf Reisen zurück.

    Für die weitere wirtschaftliche Erholung jedenfalls ist es unerlässlich, dass Geschäftsreisen möglich bleiben. Der direkte Kontakt von Menschen ist wichtig für die industriellen Schlüsselbranchen, um Aufträge zu akquirieren, Maschinen beim Kunden einzurichten und zu warten und zu verkaufen. Es geht daher darum, Ansteckungen da zu verhindern, wo sie gehäuft auftreten – und nicht darum, Reisen, schon gar nicht im Inland, zu verbieten.

    Mehr: Bund-Länder-Gespräche zu Reiseregeln bringen keine Klarheit – Wirtschaft zeigt sich besorgt.

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    2 Kommentare zu "Kommentar : Das perfekte Chaos: Niemand weiß, wo welche Corona-Regeln gelten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Herr Peter Michael:
      Interessant ist in der ganzen Berichterstattung, dass nur die Anzahl der POSITIV getesteten mitgeteilt wird nicht aber die, die NEGATIV getestet wurden.
      Also sind 4000 irgendeine Zahl, die an sich nichts aussagt.

    • Kein Grund zur Panik - auch bei 4.000 positiv getestete Menschen, denn dass sind längst noch keine Kranken.
      Also - was soll diese Hysterie schon wieder - wer hat was davon?
      Wenn es um die Volksgesundheit ginge, wäre der Nikotin-/ und Alkoholgenuss zu verbieten oder stark einzuschränken.
      Wie viel wirklich Kranke mit schweren Verläufen haben wir, wieviel werden in Krankenhäuser behandelt und wieviel Intensivbetten sind mit Coronapatienten belegt, der Rest ist mal für Beurteilung zweitrangig.
      Das Starren auf die positiv getesteten die dann gleich zu Coronakranken gemacht werden - jedenfalls in den Medien - ist doch seit Monaten schon überholt, hilft aber bei der Panikmache.

      Wir haben längst aussagekräftigere Zahlen, die man auch auf der Homepage vom RKI und Statista findet.
      Wozu läuft das Spiel der Verwirrung also immer noch?

      Jetzt sollen die Hotels den Gästen auch noch nachspionieren, von wo sie jetzt gerade anreisen - peinlich.

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