Kommentar: Der Corona-Impfpass ist hilfreich, aber ungerecht
Der Nachweis des Corona-Schutzes soll mehr Freiheiten ermöglichen.
Foto: dpaDie EU bekommt einen einheitlichen Impfpass, und das ist eine gute Nachricht. Damit ist es nicht mehr in der Verantwortung von Restaurants, Schwimmbädern oder Hotelbetreibern, den Status ihrer Gäste zu bewerten. Sie können sich auf den amtlich ausgegebenen QR-Code verlassen – wenn es denn so weit ist, dass sie für geimpfte Personen die Türen öffnen.
Die Anwendung des Impfpasses wird einfach sein. Um ihn auszulesen, reicht eine App, womöglich auch nur eine Smartphone-Kamera.
Und gut ist auch, dass das Zertifikat neben der Impfung zusätzlich einen negativen Corona-Test oder eine durchgemachte Infektion speichern kann. Wer eines dieser drei Kriterien erfüllt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ansteckend, das ist der Stand der Wissenschaft. Und wenn von jemandem keine Gefahr ausgeht, darf der Staat auch nicht in seine Grundrechte eingreifen.
Dadurch entsteht allerdings auch eine ungerechte Situation: Wer das Glück hat, eine Impfung zu bekommen, wird bevorzugt. Wer Pech hat, hat doppelt Pech. Den zuerst geimpften Risikogruppen sei die Impfung gegönnt. Für Pfleger und Ärztinnen kann es in dieser Pandemie ohnehin nicht genug Dank und Anerkennung geben.
Worum es geht, ist die Impfphase, in der jeder theoretisch die Impfung bekommen darf, aber noch immer nicht genug für jeden da ist. Diese Phase wird sich wohl über den größten Teil des Sommers hinziehen.
Die EU-Kommission dringt darauf, dass die Staaten das Reisen mit dem Impfpass erleichtern. Gleichzeitig will sie unbedingt verhindern, dass der Impfpass zur Voraussetzung für Grenzübertritte wird.
Das ist ein Widerspruch. Und von diesen Widersprüchen wird es noch viele geben. Sobald Kinos, Kneipen oder Konzerte für Geimpfte geöffnet werden, wird es Protest von denen geben, die nicht willkommen sind.
Fehler müssen schnell behoben werden
Die Regierungen in Bund und Ländern könnten darauf reagieren, indem sie Tests subventionieren, damit Ungeimpfte die gleichen Rechte wahrnehmen können. Und sie sollten sich unbedingt darauf vorbereiten, die Impfungen schnell vorzunehmen.
Die Aufregung über nicht genutzte Impfdosen wird umso stärker werden, je mehr Menschen gleichzeitig Anspruch auf eine Impfung haben. Derzeit lagern Millionen Impfdosen in den Kühlschränken der Impfzentren.
Und nicht nur das: Viele Reste in den Ampullen dürfen nicht verimpft werden, obwohl sie für eine weitere Dosis ausreichen würden. Wo sechs Dosen angegeben sind, dürfen auch nur sechs Dosen entnommen werden, obwohl die Hersteller zur Sicherheit mehr einfüllen.
Das klingt unsinnig und ist es auch. Je schneller solche Fehler behoben werden, desto besser.