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KommentarDer Dax braucht strengere Aufnahmeregeln

Der Rauswurf des Skandalkonzerns Wirecard war überfällig. Nun sollte die Deutsche Börse auch von rein quantitativen Aufnahmekriterien Abstand nehmen.Carsten Herz 24.08.2020 - 14:12 Uhr

Seit dieser Woche ist die Skandalfirma Geschichte im Dax 30.

Foto: dpa

Es klingt fast wie der Traum eines jeden Gründers. Keine zehn Jahre nach dem Start ist das Berliner Start-up Delivery Hero am Montag als Nachfolger von Wirecard in den Olymp des deutschen Börsenhimmels, den Dax 30, aufgestiegen. Dunkles T-Shirt, Jeans und ein Pass aus Schweden: Vorstandschef Niklas Östberg kommt nicht wie die üblichen Dax-Bosse daher – und sein Unternehmen, das nun neben SAP, BASF und Siemens Platz nimmt, ebenfalls nicht.

So unterhält der neue Dax-Titel kein Geschäft in Deutschland, und schwarze Zahlen hat die Firma über mehrere Jahre bisher operativ auch noch nicht geschrieben.

Der Wechsel wirft ein Schlaglicht auf die Bedingungen, die derzeit noch die Tür zur Börsen-Topliga öffnen. Bisher wählt die Deutsche Börse ihre Kandidaten nämlich vor allem nach quantitativen Kriterien aus, in erster Linie nach dem Börsenwert und Handelsumsatz. Die Börse hatte dem Arbeitskreis Aktienindizes vor einigen Jahren alle Spielräume zur Dax-Zusammensetzung genommen.

Doch ist es wirklich klug, bei einer solch fundamentalen Entscheidung allein auf Ziffern zu schauen? Der Rauswurf von Wirecard war zwar überfällig. Es wäre jedoch grundfalsch, wenn der Börsenbetreiber nun wieder einfach zum Alltag übergeht.

Denn die Entscheidung, dass jetzt insolvente Firmen wie Wirecard rascher aus allen Indizes fliegen, kann nur ein erster Schritt sein. Weitere Änderungen müssen folgen. Das Bestreben muss sein, dass solche Skandalfirmen möglichst gar nicht erst in den Index vordringen.

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Es braucht zwar keine Rückkehr zu den alten Zeiten, wo ein Gremium darüber befindet, wer der Dax-Aufnahme würdig ist und wer nicht. Doch allein den Blick auf Handelsumsatz und Börsenwert beim Entrée zu werfen stellt keine ernst zu nehmenden Hürden für Firmen dar, die wie Wirecard offenkundig die Zahlen jahrelang durch Tricks und Betrügereien aufgeblasen haben. Die Deutsche Börse sollte darum vorsichtiger prüfen, wen sie künftig in den Dax lässt.

Bisher galt der deutsche Leitindex tendenziell eher als Industriemuseum. Über die Begeisterung, dass nun junge Firmen einziehen, sollte nicht vergessen werden, dass nur strikte Hausregeln auf Dauer den Nimbus des Börsensegments garantieren. „Ich mag keinem Klub angehören, der mich als Mitglied aufnimmt“, lautet ein Bonmot des verstorbenen US-Komikers Groucho Marx. Es sollte nicht einmal die Gefahr bestehen, dass so auch über den Dax gedacht werden könnte.

Es ist darum ein gutes Zeichen, dass die Börse bereits angekündigt hat, für mögliche weitere Regeländerungen die Marktteilnehmer zu befragen. Die Ergebnisse sollen bis Jahresende vorliegen. Es wäre im Sinne der Investoren und der Firmen, wenn diese Zeit weise genutzt würde, um die Hürden für Skandalfirmen deutlich zu erhöhen.

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