Kommentar: Der neue Chef der HSBC-Bank ist ein Regisseur auf Abruf
Der HSBC-Chef hat dem Geldhaus schon wenige Monate nach seinem Antritt eine Radikalkur verordnet.
Foto: HSBCDie Finanzwelt liebt die große Show. Praktisch jeder Wechsel an der Spitze einer Großbank bietet dieselbe Inszenierung: Der neue Vorstandschef packt den eisernen Besen aus, fällt knallharte Entscheidungen, feuert Minderleister und arbeitet so konsequent an der unverzichtbar-visionären Neuaufstellung. Das Publikum hat sich an den Ablauf gewöhnt, der gleichermaßen Ausfluss des Wandels der Finanzwelt ist wie ihrer ewigen Machismen.
Noel Quinn, der neue Regisseur an der HSBC-Spitze, weiß, was der Spielplan verlangt: Wenige Monate nach seinem Antritt hat er eine Radikalkur verordnet. 35 000 Stellen streicht Europas größte Bank, macht Filialen dicht und stutzt das Investmentbanking. Es ist der dritte Umbau in zehn Jahren und wird 7,3 Milliarden Dollar kosten. Die HSBC kann ihn schultern, da sie in den asiatischen Wachstumsmärkten heimisch ist und aus einer Position der Stärke heraus handelt. Dennoch ist sein erster Akt bereits vermurkst.
Wie am Theater, so gilt auch in der Finanzwelt, dass es nur einen Intendanten geben kann. In der HSBC heißt dieser Mark Tucker. Der machtbewusste Verwaltungsratschef agiert erratisch: Bereits den Rausschmiss von Quinns Vorgänger John Flint im August 2019 hat er veranlasst.
Flint musste nach weniger als 18 Monaten gehen, über die Gründe schwieg Tucker. Nun dilettiert er weiter: Quinn bleibt zwar offiziell Interimschef, doch über den CEO-Posten werde erst bis zum Sommer entschieden, sagt Tucker. Gleichzeitig stehe der Verwaltungsrat voll hinter Quinns Umbau.
Das ist absurd. Kein anderer CEO wird als Exekutor von Quinns Plänen bei der Bank anheuern. Eher wäre mit einem neuen Chef in Kürze der nächste Generalplan zu erwarten: eine Horrorvorstellung selbst für flexible Banker. Und sollte Tucker doch zur Vernunft kommen und Quinn bestätigen, startete dieser stark beschädigt in den zweiten Akt. Damit aus der HSBC-Show keine -Tragödie wird, muss das investierte Publikum die Handelnden endlich zur Vernunft rufen.