Kommentar: Der neue Vorstandschef der Commerzbank ist keine inspirierende, aber eine vernünftige Wahl
Der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof hat eine der schwierigsten Aufgaben in der deutschen Bankenszene vor sich.
Foto: dpaMutig ist die Entscheidung auf jeden Fall: Der Deutschbanker Manfred Knof wird Chef der Commerzbank und wechselt damit zwischen jenen beiden Frankfurter Instituten, die traditionell in herzlicher Lokalrivalität verbunden sind.
Aber Mut allein reicht nicht, wenn es um die Besetzung von Chefposten geht. Die entscheidende Frage lautet: Ist die Ernennung von Knof zum Vorstandschef der Commerzbank auch eine sinnvolle Maßnahme?
Es hätte sicherlich inspirierendere Alternativen gegeben, vielleicht sogar im eigenen Hause. Finanzchefin Bettina Orlopp zum Beispiel, oder Roland Boekhout. Der Niederländer war erst vor Kurzem von der als Vorreiter in Sachen Digitalisierung geltenden niederländischen ING nach Frankfurt gewechselt. Als langjähriger Chef von ING Deutschland hat Boekhout federführend an einer der wenigen Erfolgsgeschichten in der heimischen Bankenszene mitgeschrieben.
Aber, so ist zu hören, der neue Aufsichtsratschef der Commerzbank, Hans-Jörg Vetter, wollte auf jeden Fall einen Kandidaten von außen. Offenbar ist Vetter der Meinung, dass man die Commerzbank gehörig aufmischen muss, um sie endlich aus ihrer Trägheit aufzurütteln.
Damit hat Vetter recht. Die Bank hat schon viel zu viel Zeit mit halbherzigen Umbauversuchen verplempert und sich damit in eine ziemlich ungemütliche Lage manövriert. Es war schon verblüffend zu sehen, wie das zweitgrößte private deutsche Geldhaus ausgerechnet während der Corona-Pandemie in eine ausgewachsene Führungskrise stolperte.
Knof braucht mehr als nur einen guten Plan
Knof, der zuletzt das deutsche Privatkundengeschäft der Deutschen Bank geleitet hat, mag es nicht, wenn man ihn auf seine Rolle als Sanierer reduziert. Aber genau dafür hat ihn Vetter geholt.
Wenn man Weggefährten nach den wichtigsten Eigenschaften des ehemaligen Allianz-Managers fragt, dann fällt ein Wort besonders häufig: durchsetzungsstark. Und das ist genau die Tugend, die die Commerzbank im Moment am dringendsten braucht. Um die Bank wieder in Form zu bringen, reicht es nicht, einen guten Plan in petto zu haben. Der neue Chef muss auch über genügend Energie und Sturheit verfügen, diesen Plan in die Realität umzusetzen.
Wie schwierig und kräftezehrend dieser zweite Teil ist, zeigt die lange Leidensgeschichte der Deutschen Bank. Erst Christian Sewing und seinem Team ist es nach vielen Irrungen und Wirrungen gelungen, die ausufernden Kosten des größten heimischen Geldhaues in den Griff zu bekommen.
Einen Beliebtheitspreis hat sich Knof weder bei der Deutschen Bank noch in seinen über 20 Jahren bei der Allianz verdient. Aber darauf kommt es im Moment auch gar nicht an, dafür ist die Lage der Commerzbank viel zu prekär. Jetzt gilt es, schnell und entschlossen zu handeln und die radikalen Spar- und Umbaumaßnahmen auf den Weg zu bringen, die das alte Management bereits vorbereitet hat.
Aber mit dem Tempo ist es so eine Sache. Denn einen wichtigen Nachteil hat Knofs Ernennung auf jeden Fall: Er kann sein neues Amt erst Anfang des kommenden Jahres antreten. Ohne den neuen Vorstandschef wird es aber wohl auch keine neue Strategie geben, und eigentlich kann es sich die Commerzbank nicht leisten, noch mehr Zeit zu vergeuden.