Kommentar: Der US-Militärschlag gegen Venezuela ist auch eine Warnung an Peking

Viele Experten warnen davor, dass ein von den USA herbeigeführter Sturz von Venezuelas Machthaber Maduro einem Freifahrtschein für Chinas Staatsführung gleichkommt, sich Taiwan einzuverleiben. Doch eher dürfte das Gegenteil zutreffen: Mit dem Militärschlag macht US-Präsident Donald Trump deutlich, wie weit er bereit ist zu gehen, um US-Interessen international durchzusetzen.
China hat seinen Einfluss in Südamerika zuletzt stark ausgeweitet, das gilt auch für Venezuela. Eine Entwicklung, die von den USA argwöhnisch beäugt wurde. Chinas Unternehmen haben Milliarden in Venezuela investiert und sind der größte Abnehmer für venezolanisches Öl - allen US-Sanktionen zum Trotz. Der US-Militärschlag gegen Venezuela ist deshalb auch eine Warnung an China.
Das Außenministerium in Peking kritisierte die „schwerwiegende Verletzung des Völkerrechts“. China werde es nicht hinnehmen, dass sich ein einzelnes Land als „Weltpolizist“ aufspiele, warnte Chefdiplomat Wang Yi. Vorerst dürfte es jedoch bei mahnenden Worten bleiben.
Vorausgesetzt, die chinesischen Investitionen in Venezuela bleiben unberührt, und das Land liefert weiterhin Öl an China, wie Trump zugesagt hat. Dennoch dürfte der US-Angriff chinesische Investoren in der Region abschrecken.
Die Trump-Regierung macht unmissverständlich klar, dass sie Chinas wachsenden Einfluss in ihrem südamerikanischen „Hinterhof“ nicht duldet. Zugleich signalisiert sie, dass sie bereit ist, jedes Mittel einzusetzen, um ihre Interessen zu wahren. Das dürfte auch für Taiwan gelten: Die USA sind in hohem Maße von den leistungsstarken Chips abhängig, die auf der Insel produziert werden. Eine Abhängigkeit, die sich durch den KI-Boom sogar noch verstärkt hat.
Die USA dürften alles daransetzen, zu verhindern, dass China mit der Kontrolle über Taiwans Halbleiterindustrie ein Machtinstrument von ähnlicher strategischer Bedeutung wie die seltenen Erden in die Hände bekommt.
