Kommentar: Die Deutschen müssen mehr denken wie Private-Equity-Investoren

Sebastian Matthes ist Chefredakteur des Handelsblatts.
Foto: Max Brunnert für HandelsblattEs ist ja wahr, die Lage ist nicht toll. Die Wirtschaft wächst in keinem anderen großen Land so schwach wie in Deutschland, das hat die EU diese Woche nochmal bestätigt. Die Unternehmen fallen im internationalen Vergleich bei Forschungsausgaben zurück. Und die Industrieproduktion sinkt ebenso, wie die Realeinkommen der Deutschen zuletzt zurückgegangen sind.
Vieles davon ist nicht einmal überraschend. Ökonominnen und Ökonomen warnen seit Monaten, einige sogar seit Jahren, dass die hinter uns liegende, wirtschaftlich goldene Dekade strukturelle Probleme überdeckt hat: die ausufernde Bürokratie, die hohen Steuern, Sie kennen das alles.
Und ich will jetzt gar nicht mit Fußball anfangen. Aber in einer Zeit, in der die Deutschen in so vielem nicht mehr Weltmeister sind, perfektionieren sie doch eine Disziplin: Sie sind gerade Weltmeister darin, den eigenen ökonomischen Untergang herbeizuahnen.
Die Automobilwirtschaft? Abgehängt! Die jungen Technologiefirmen? Unterfinanziert und international irrelevant! Die Industrie? Hätte ihre Anlagen längst auf deren Schrottwert abschreiben müssen!