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KommentarDie Fusion zwischen Thyssen-Krupp und Tata ist ein Meilenstein – jetzt muss Hiesinger die Zurückhaltung ablegen

Mit der Stahlfusion hat Thyssen-Chef Hiesinger ein Versprechen eingelöst. Für eine neue Thyssen-Krupp AG muss aber eine überzeugende Strategie her.Martin Murphy 30.06.2018 - 14:11 Uhr Artikel anhören

Nach zweijähriger Verhandlung tritt Thyssen seine Stahlsparte an Tata ab.

Foto: dpa

Heinrich Hiesinger hat einen Meilenstein in der Geschichte der Ruhrindustrie geschafft. Der von ihm geleitete Thyssen-Krupp-Konzern trennt sich von seinem Stahlgeschäft und damit von der Keimzelle des Unternehmens, das wie keine andere Industrie für das Ruhrgebiet steht.

Der Plan: Die Tochterfirma mit dem gigantischen Hüttenwerk in Duisburg wird mit Tata Steel Europe zusammengeführt. Der Vertrag dazu wurde in der Nacht zum Samstag unterzeichnet – Hiesinger löste damit ein beim Amtsantritt im Januar 2011 gegebenes Versprechen ein. Zukunftssicher werde er das Konglomerat aufstellen, lautete das.

Das zyklische Stahlgeschäft landete damit schon zu Beginn auf dem Verkaufszettel. Abgegeben hat Thyssen-Krupp seitdem Teile wie die Stahlwerke in Amerika und die Edelstahlsparte. Schwieriger war es, eine Lösung für die Duisburger Stahltochter zu finden. Für den mit Abstand größten Konzernteil nahm der Vorstand vor zweieinhalb Jahren Gespräche mit Tata Steel auf.

Die Verhandlungen liefen ungewöhnlich lange, was vornehmlich an externen Faktoren wie dem Brexit und einem Chefwechsel bei der Tata-Gruppe liegt. Für Mitarbeiter und Investoren ist es positiv, dass diese Hängepartie endlich ein Ende gefunden hat. Zufriedenstellend ist die Lage bei Thyssen-Krupp aber nicht. Unverändert bleibt nämlich die Antwort auf die Frag offen, was eigentlich nach dem Stahldeal passieren soll. Wie wird die neue Thyssen-Krupp AG einmal aussehen?

Hiesinger hatte eine Fokussierung auf die Technologiesparten – Anlagenbau, Aufzüge, Komponenten – angekündigt. Der Weg nach vorne aber ist nicht erkennbar, bislang zumindest.

Akzeptabel ist dieser Schwebezustand nicht. Nach sieben Jahre lang hat das Management von Thyssen-Krupp nur reagiert und zu wenig agiert. Mit der schlechten Ausgangslage im Januar 2011 lässt sich das vorsichtige Agieren nicht begründen.

Für den Vorstand um Hiesinger ist endgültig die Zeit gekommen, die Zurückhaltung abzulegen. Die Chance dazu ergibt sich ihm in der übernächsten Woche. Dann will der Aufsichtsrat erneut zusammenkommen, um über die künftige Strategie zu beraten. Absehbar ist allerdings, dass es kein großer Wurf wird. War anfänglich noch von einer strategischen Neuausrichtung die Rede, so wird nun von einer Anpassung der bestehenden Strategie gesprochen.

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Von einer solchen Feinjustierung werden sich nicht alle Investoren überzeugen lassen. Mit Cevian und Elliott hat der Konzern zwei Großaktionäre, die auf radikalere Schritte drängen. Eine Zerschlagung des Unternehmens ist ebenso im Gespräch wie eine Ablösung von Hiesinger.

Die Forderungen der beiden Investoren mag das Management für überzogen halten. Eine wirkliche Wachstumsstrategie ist aber auch für die Mitarbeiter wichtig. Die nämlich sind es leid, ihr Unternehmen dauerhaft in der Defensive zu erleben. Thyssen und Krupp sind schließlich stolze Namen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. 

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