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Kommentar Die Kunst, Pflegepersonal zu belohnen und Metallarbeiter nicht zu verwöhnen

In der tiefsten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik muss der Flächentarif mehr denn je eine gemeinsame Antwort für höchst unterschiedliche Ausgangslagen liefern.
18.10.2020 - 15:26 Uhr 1 Kommentar
Quelle: Karikatur Mohr
(Foto: Karikatur Mohr)

Berlin Die Arbeitgeber wollen die Nullrunde, die Gewerkschaft trommelt für die Viertagewoche: Die Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie hat noch nicht einmal richtig begonnen – und doch scheint es schon so, als führen zwei Züge ungebremst aufeinander zu.

Ähnlich verhält es sich im öffentlichen Dienst, wo die Runde schon seit geraumer Zeit läuft. Die Gewerkschaftsforderung nach 4,8 Prozent mehr Lohn für ein Jahr und Extras für die „Corona-Helden“ haben die Arbeitgeber am Freitag mit einem Angebot beantwortet: 3,5 Prozent mehr Geld wollen sie den Beschäftigten geben – auf drei Jahre. Und für höhere Zulagen im Gesundheitswesen soll bei Zulagen in den Sparkassen gespart werden.

Was ist hier los? Der Bund stützt Unternehmen mit Milliardenhilfen und ersetzt den Kommunen die Gewerbesteuerausfälle – und die Beschäftigten sollen mit Almosen abgespeist werden?

So einfach ist es nicht. Das Geld vom Staat rettet hoffentlich viele Firmen und damit Jobs über die Zeit der Coronakrise hinaus und verhindert, dass darbende Kommunen noch tiefer im Schuldensumpf versinken, weil ihnen Steuereinnahmen wegbrechen.

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    Durch hohe Lohnabschlüsse jetzt die Arbeitnehmer und damit gesamtwirtschaftlich die Kaufkraft zu stärken würde einige Unternehmen aber an den Rand des Abgrunds oder noch einen Schritt weiter führen.

    Krankenpfleger oder Selbstständige würden sich außerdem zu Recht fragen, warum sie mit ihrem Steuergeld ohnehin gut verdienende Metaller mitfinanzieren sollen.

    Auf die Kunst der Differenzierung kommt es in den Tarifverhandlungen an

    In der Coronakrise zeigt sich wie unter dem Brennglas, worauf es bei Tarifverhandlungen vor allem ankommt: auf die Kunst der Differenzierung. Der Flächentarif, der in weiten Teilen der Metallindustrie ebenso gilt wie im öffentlichen Dienst, muss auch in der tiefsten Rezession in der Geschichte des Landes eine Antwort für höchst unterschiedliche Ausgangslagen liefern.

    Beispiel Metall- und Elektroindustrie: Der Autobauer Daimler hat gerade einen überraschend hohen Quartalsgewinn verkündet, und Siemens Healthineers gilt als Dax-Aspirant. Der Zulieferer Continental streicht Tausende Stellen, dem Flugzeughersteller Airbus kauft keiner mehr Maschinen ab. Der kleine Metallbetrieb im Saarland überlebt dagegen nur dank staatlicher Rettungspolitik. So unterschiedlich die Lage ist – alle müssen am Ende mit einem Tarifergebnis leben können.

    Ähnlich verhält es sich im öffentlichen Dienst. Zu Beginn der Pandemie haben die Menschen auf den Balkonen gestanden und den „Corona-Helden“ applaudiert. Diese erwarten jetzt zu Recht, dass sich die Wertschätzung auch in barer Münze auszahlt.

    Auch „business as usual“ im öffentlichen Dienst

    Aber bei Bund und Kommunen arbeiten eben nicht nur die Krankenschwester, die sich auf der Intensivstation aufgerieben hat, oder der Berater in der Arbeitsagentur, der sich vor Anträgen auf Kurzarbeitergeld nicht retten kann. In weiten Teilen des öffentlichen Dienstes gab es auch in der Coronakrise business as usual, oder die Beschäftigten waren selbst in Kurzarbeit, weil Museen oder Schwimmbäder zeitweise schließen mussten.

    Dazu kommt: Auch Steuereinnahmen sind von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich. Dennoch sollen am Ende alle Städte und Gemeinden den Abschluss finanzieren können.

    Die Nullrunde und die Viertagewoche in der Metall- und Elektroindustrie sind so am Ende vielleicht gar keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille. Es gibt Unternehmen, für die eine Lohnerhöhung momentan schlicht nicht infrage kommt, weil sie ums Überleben kämpfen. Andere fahren bereits wieder Sonderschichten, weil sie versuchen, so gut es geht Produktionsrückstände aufzuholen.

    Die Viertagewoche mag ein Instrument sein, um Beschäftigung eine Zeit lang über die Krise zu retten – auch wenn es über den Lohnausgleich sicher heftigen Streit geben wird. Sie darf nur nicht als Einstieg in den kollektiven Freizeitpark missverstanden werden. Und die Beschäftigten dürfen nicht der Illusion erliegen, damit ließen sich alle Metaller-Jobs retten.

    Bei Tarifverhandlungen geht es zu wie bei einer Kaffeetafel

    Im öffentlichen Dienst wird es darum gehen, durch Prämien und Zulagen besondere Corona-Leistungen zu würdigen, ohne die Kommunen insgesamt zu überfordern. Zur Wahrheit gehört, dass das nur gelingen kann, wenn an anderer Stelle gespart wird.

    Bei Tarifverhandlungen geht es zu wie bei einer Kaffeetafel – die Runde streitet darüber, wie die Torte verteilt wird und wer das größte Stück bekommt. In der Rezession ist die Torte kleiner als gewöhnlich, umso härter wird der Verteilungskampf.

    Die IG Metall hat bereits vorgeschlagen, ein Stück des Kuchens für die Rettung von Jobs, eins für die Gestaltung der Transformation und eins für Lohnprozente zu sichern und über die jeweilige Größe des Stücks auf Betriebsebene zu entscheiden. Das ist kein schlechter Plan, auch wenn die Arbeitgeber noch nicht überzeugt sind, dass es überhaupt eine Torte zu verteilen gibt.

    Ähnlich wird es im öffentlichen Dienst laufen, nur dass hier weniger nach Betrieben und stärker nach Beschäftigtengruppen differenziert wird. So sind Lösungen trotz aller Gegensätze vorstellbar. Wenn nicht steigende Corona-Infektionszahlen vernünftige Tarifverhandlungen, die ohne engen persönlichen Austausch kaum funktionieren, unmöglich machen.

    Mehr: „Eine doppelte Null wäre Gift für die Konjunktur“ – IG-Metall-Chef Jörg Hofmann im Interview

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Kunst, Pflegepersonal zu belohnen und Metallarbeiter nicht zu verwöhnen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sprache kann schon recht verräterisch sein. "Einstieg in den kollektiven Freizeitpark" - solche Formulierungen sprechen weniger für journalistische Distanz als für einen interessengeleiteten Eifer, wie er eher zur INSM passt.

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