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KommentarDie Suez-Krise zeigt den Preis der Globalisierung

Die Engpässe bei den Lieferketten sind nur ein Symptom dafür, dass sich die internationale Arbeitsteilung grundlegend ändert. Die Kosten tragen die Verbraucher über höhere Preise.Torsten Riecke 29.03.2021 - 15:09 Uhr Artikel anhören

Viel zu lange wurden die Schattenseiten der Globalisierung ausgeblendet.

Foto: AFP

Vielleicht wird es noch ein paar Tage dauern, aber dann fließt der Schiffsverkehr wieder auf dem tagelang blockierten Suez-Kanal. Für die vielen Glieder der globalen Liederketten heißt das jedoch noch lange nicht „freie Fahrt“.

Die neue Suez-Krise war nur der vielleicht sichtbarste Engpass der stark ins Stocken geratenen Globalisierung. Ob bei Impfstoffen, petrochemischen Vorprodukten, Computerchips oder anderen Hightech-Erzeugnissen – überall hakt es momentan.

Der Stau in der Petrochemie, der sich in höheren Kunststoffpreisen ausdrückt, wird sich bald auflösen, wenn die letzten Nachwirkungen des Wintersturms in Texas abgeklungen sind. Impfstoffe werden dagegen in vielen Teilen der Welt noch länger knapp sein.

Und viele Hightech-Produkte sind inzwischen so stark zwischen die Fronten des geopolitischen „Tech-War“ der USA mit China geraten, dass Unternehmen darauf auch langfristig reagieren müssen. Das Subventionsrennen um neue Chipfabriken ist dafür ein Beleg.

Hinzu kommen politische Vorgaben wie die deutschen und europäischen Lieferkettengesetze, die Unternehmen auch mehr dafür in die Verantwortung nehmen, dass ihre Produktionsweise stärker mit ihren eigenen Werten im Einklang steht.

Das ist gut so, aber das fordert auch seinen Preis. Höhere Liefersicherheit muss mit höheren Kosten und einem Verlust an Effizienz bezahlt werden. Selbst kurzfristige Reaktionen wie eine stärkere Diversifizierung bei den Zulieferern oder eine höhere Lagerhaltung schlagen bei den Firmen zu Buche.

„Slowbalization“: Die Wiederentdeckung der Langsamkeit

Müssen langfristig ganze Produktionsketten verlagert oder gar in die geografische Nähe zurückgeholt werden, verändert sich die Kalkulation grundlegend. Einiges davon können die Unternehmen durch einen höheren Kapitaleinsatz auffangen, der Rückbau der internationalen Arbeitsteilung wird aus der Hyperglobalisierung jedoch eine „Slowbalization“ machen. Die Rechnung für die Wiederentdeckung der Langsamkeit zahlen am Ende auch die Verbraucher in Form höherer Preise.

Auch das ist gut so. Viel zu lange wurden die Schattenseiten der Globalisierung ausgeblendet: sei es die Kinder- oder Zwangsarbeit, der klimatische Fußabdruck globaler Lieferwege, oder seien es die Unterstützung autoritärer Regime und die Folgen für unsere nationale Sicherheit.

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Der Veränderungsdruck kommt jetzt nicht nur dadurch, dass die Pandemie und die Suez-Blockade uns gezeigt haben, wie abhängig und verletzlich wir sind. Und er kommt auch nicht nur aus Washington, wo nach Donald Trump auch Joe Biden das deutsche Lieblingsmotto „Wandel durch Handel“ auf den Kopf stellt. Nein, der größte Druck kommt von den Verbrauchern selbst, die nicht mehr bereit sind, jeden Preis der Globalisierung zu zahlen.

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