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Kommentar Ein „Corona-Abi“ ist kein Makel, sondern eine Auszeichnung

Das Abitur-Konzept der Länder ist wenig schlüssig. Schüler mussten den gleichen Lernstoff bei halbem Unterrichtsangebot bewältigen. Für den Abi-Jahrgang 2022 gilt es nachzubessern.
16.05.2021 - 15:03 Uhr Kommentieren
Ein Ergebnis deutscher Bildungspolitik in Pandemiezeiten dürfte bald vorliegen: Im Verlauf des Juni stehen die Abiturnoten fest. Ob der Plan – alles wie immer – aufgeht? Quelle: dpa
Abiturprüfungen 2021

Ein Ergebnis deutscher Bildungspolitik in Pandemiezeiten dürfte bald vorliegen: Im Verlauf des Juni stehen die Abiturnoten fest. Ob der Plan – alles wie immer – aufgeht?

(Foto: dpa)

Dieser Tweet macht ratlos. Ab sofort also „fördert das Wirtschaftsministerium den Neueinbau von stationären Frischluft-Klimaanlagen in Kindergärten und Grundschulen“. Das twitterte Kanzleramtsminister Helge Braun vor wenigen Tagen munter in die Welt und ergänzte: „To-do: in den Sommerferien einbauen!“

Mehr als ein Jahr nach Beginn der Pandemie finden die dringend erforderlichen Luftfilter ein Plätzchen auf der To-do-Liste. Das ist löblich – und äußerst zynisch. Luftfilter im Frühsommer 2020 wären großartig gewesen. Luftfilter jetzt? Ja, bitte endlich.

Der zu diesem späten Zeitpunkt reichlich missglückte Tweet von Braun ist nur einer von vielen Belegen dafür, dass der Schulalltag allerorts durch die Politik viel zu behäbig und meist gar nicht auf die Gegebenheiten der Pandemie umgestellt wurde.

Das machte Kinder und Jugendliche zu den großen Verlierern. Neben psychischen Auswirkungen wird es auch wirtschaftlich zu milliardenschweren Folgeschäden kommen, wie eine Studie des Ifo-Instituts belegt. Aber die Schäden liegen in ferner Zukunft.

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    Ein anderes Ergebnis deutscher Bildungspolitik wird früher vorliegen: Schwarz auf weiß stehen im Verlauf des Juni die Abiturnoten fest. Das zuvor verfolgte Konzept auch hier: möglichst wenig Änderungen bei kleinen kosmetischen Korrekturen und Sonderregeln in den Prüfungen selbst.

    Gleicher Lernstoff bei halbem Unterrichtsangebot

    „Die Lehrpläne und die Abiturvorgaben gelten unverändert“, verkündete etwa NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer nachdrücklich. Und „bitte kein Corona-Abi“ erscholl es recht einmütig auf der Kultusministerkonferenz. Damit stand das Mantra deutscher Bildungspolitik fest. Auch zahlreiche Schülervertreter betonten, dass man das Stigma „Corona-Abi“ ablehne.

    Und so blieb eigentlich alles beim Alten: gleicher Lernstoff bei halbem Unterrichtsangebot. Gleiches Zentralabitur für fast alle deutschen Schüler. Dass der Unterricht zuvor pandemiebedingt grundverschieden gewesen war, fiel dabei nicht weiter ins Gewicht. Dabei war und ist es ein regelrechter Flickenteppich: Von Stadt zu Stadt, von Schule zu Schule gestalten sich Präsenz-, Wechsel- und Homeschooling äußerst unterschiedlich. Ist das eine Basis für zentrale Prüfungen?

    Ein weiteres Corona-Abi“ steht an

    Genau das dürfte auch den Abiturjahrgang 2022 interessieren. Denn trotz aller Impffortschritte wird es im kommenden Jahr ein weiteres „Corona-Abi“ geben. Auch diese Schülergeneration übt sich im Spagat zwischen gleichem Stoff und maximal halber Unterrichtszeit.

    Daher sollten sich die politisch Verantwortlichen das Ergebnis des diesjährigen Abiturs genau ansehen und endlich ehrlich benennen, was im kommenden Jahr erneut ansteht: ein „Corona-Abi“. Es mit Niveau, aber angepasst an die realen Bedingungen zu gestalten, das ist die politische Herausforderung.

    Und den Abiturienten sei versichert: Wer sich durchgekämpft hat, solidarisch war und nicht aufgegeben hat, hat vielleicht mehr fürs spätere Leben gelernt als andere Generationen. „Corona-Abi“? Es ist ein Prädikat, kein Makel.

    Mehr: Die Sorgen der Generation Corona

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