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KommentarErhöhte Rezessionsgefahr: Die Bankenkrise hat Powells Mission einer „weichen Landung“ noch einmal erschwert

Die US-Notenbank hat die alte Vertrauenskrise noch nicht überwunden und muss nun durch neue Unwägbarkeiten steuern. Die Garantie aller Einlagen könnte helfen, die Gemüter zu beruhigen.Astrid Dörner 23.03.2023 - 04:00 Uhr
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Der Fed-Chef befindet sich weiterhin auf einer schwierigen Mission.

Foto: Reuters

Jerome Powell hat seine Rolle einst mit der eines Kapitäns verglichen, der sein Schiff durch den Nebel steuert. Auch wenn der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Analogie schon 2018 verwendet hat – sie gilt heute immer noch. Man könnte sogar sagen: Der Nebel hat sich gerade noch einmal verdichtet.

Die neue große Frage lautet nun: Wie sehr werden die Folgen der Bankenkrise in den USA die Wirtschaft bremsen?

Klar ist: Kleine Finanzinstitute haben die Kreditvergabe in den vergangenen Monaten schon deutlich eingeschränkt und werden nun noch vorsichtiger sein, an welche Haushalte und Unternehmen sie Geld verleihen. Wie stark das die Wirtschaft bremsen wird, ist indes offen.

Das räumte auch Powell bei der Pressekonferenz am Mittwoch ein. Die Einschränkung der Kreditvergabe und die damit verbundene Verschlechterung der Kreditkonditionen werde ähnlich wie eine Zinserhöhung wirken, glaubt der Fed-Chef. Doch von welcher Größenordnung sprechen wir? Torsten Slok, Chefökonom der Private-Equity-Firma Apollo, glaubt, dass allein die Bankenpleiten der vergangenen Wochen vergleichbar seien mit den Effekten einer Zinserhöhung um 1,5 Prozentpunkte.

Doch mit Sicherheit kann das im Moment niemand sagen. Captain Powell hat den Leitzins am Mittwoch noch einmal um 0,25 Prozentpunkte angehoben, auf die Spanne von 4,75 bis 5,0 Prozent. Denn neben der Finanzstabilität muss er auch dafür sorgen, dass sich die Inflation weiter abschwächt.

Dabei wachsen die Zweifel, dass Powell sein Schiff sicher durch den noch dichteren Nebel steuern kann. Denn der Fed-Chef hat sich noch gar nicht von der ersten großen Vertrauenskrise erholt: Die Fed habe zu spät und zu zögerlich auf die steigende Inflation reagiert, wie die Kritiker gerne betonen.

Wirtschaft abkühlen, aber nicht in eine Rezession schicken

Nun soll Powell unter noch schwereren Bedingungen den richtigen Kurs finden, um die Wirtschaft abzukühlen, sie aber nicht in eine Rezession zu schicken. Dieses „Märchen“ einer sogenannten weichen Landung werde vermutlich nicht mehr wahr werden, schrieb Matthew Luzzetti, Chefökonom der Deutschen Bank, am Mittwoch in einer Analyse. Er gehe davon aus, dass für die Fed „eine Rezession immer mehr zum wahrscheinlichsten Szenario wird“.

Powells Mission wurde am Mittwoch durch unglückliche Aussagen von Finanzministerin Janet Yellen noch zusätzlich erschwert. Powell betonte, Bankkunden „sollten davon ausgehen, dass ihre Einlagen sicher sind“. Praktisch zeitgleich sagte Yellen bei einer Anhörung, dass die Regierung derzeit nicht plane, alle Bankeinlagen zu garantieren.

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Es ist vermutlich eine unglückliche Formulierung, doch sie kam bei Anlegern nicht gut an. Die Märkte drehten ins Minus, und gerade die Aktien kleinerer Institute setzten ihren Abwärtstrend der vergangenen Tage fort.

Während der Finanzkrise 2008 wurden Bankeinlagen schon einmal für eine gewisse Zeit komplett garantiert. Das wird Powells Probleme nicht lösen. Doch es könnte zusätzliche Störungen vermeiden.

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