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Kommentar Es ist falsch, die Homeoffice-Pflicht jetzt auslaufen zu lassen

Zum Ende des Monats fallen die bisherigen Regelungen zur Heimarbeit weg. Für Unternehmen wird es damit alles andere als leichter – und es sendet ein falsches Signal.
24.06.2021 - 17:49 Uhr Kommentieren
Ab dem 1. Juli wird die Homeoffice-Pflicht abgeschafft. Quelle: unsplash/Tina Witherspoon
Büroarbeiterin zu Hause

Ab dem 1. Juli wird die Homeoffice-Pflicht abgeschafft.

(Foto: unsplash/Tina Witherspoon)

Ähnlicher als bei den Versicherungskonzernen Allianz und Munich Re könnte die Ausgangslage in der Pandemie kaum sein. Beide Unternehmen haben ihren Hauptsitz in München, beide sind auf der Königinstraße mit Blick auf den Englischen Garten zu Hause – die Allianz in Hausnummer 28, die Munich Re in Nummer 107.

Und doch wollten die beiden Dax-Versicherer ihre Rückkehr ins Büro zwischenzeitlich komplett unterschiedlich organisieren. Die Allianz plante schon früh damit, im Juli wieder jeden zweiten Arbeitsplatz zu besetzen – und blieb dabei. Die Munich Re hingegen hatte ihre Öffnungspläne mit Blick auf die neue Delta-Variante vorerst gestoppt – um dann doch noch zu verkünden: Auch wir öffnen im Juli langsam wieder.

Homeoffice oder Rückkehr ins Büro: Die Verunsicherung ist hoch – der Druck zu öffnen auch

Dass zwei Unternehmen aus der gleichen Branche, der gleichen Stadt, ja der gleichen Straße zunächst so unterschiedliche Überlegungen bei ein und derselben Frage anstellen und eines der beiden eine 180-Grad-Wende hinlegt, zeigt zwei Dinge:

Erstens: Der Druck in Deutschlands Unternehmen, schnell zu öffnen, ist hoch – gerade wenn die Konkurrenz nur ein paar Hausnummern weiter vorlegt.

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    Zweitens: Die Unsicherheit ist auch in der Wirtschaft groß, wenn klare Ansagen vonseiten der Politik fehlen.

    Es war deshalb falsch, die aktuellen Homeoffice-Regelungen zum jetzigen Zeitpunkt auslaufen zu lassen. Sicherlich, gerade nach einem Jahr Dauer-Homeoffice wäre es dringend an der Zeit, ins Büro zurückzukehren, um Teamgeist und Kreativität zu fördern. Aber: Die Bedenken der Munich Re angesichts der Delta-Variante sind ja nicht plötzlich irrelevant geworden, bloß weil der Rückversicherer beschlossen hat, sie zu überhören.

    Das zeigt auch eine Handelsblatt-Umfrage, wonach viele Dax-Konzerne und Mittelständler wegen Delta noch bei der Rückkehr ins Büro zögern. Und das ist genau richtig so.

    Grafik

    Noch wissen wir zu wenig über die neueste Mutante des Coronavirus – bekannt ist nur, dass sie im Ausland erste Untervarianten bildet und sich auch hierzulande rasant verbreitet. In so einer Lage Vorschriften im Pandemieschutz zurückzunehmen sendet ein falsches Signal der Entspannung.

    Zumindest bis etwas klarer wird, wie groß das Risiko wirklich ist, sollte die Homeoffice-Pflicht verlängert werden – zu viel steht auf dem Spiel. Drei, vier Wochen vielleicht, dann hätten wir mehr Klarheit über die Lage.

    Das große Warten macht sich breit – was nun zu tun ist

    Jetzt geht abermals das große Warten los, ob dann nicht doch wieder Einschränkungen kommen. Und auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) deutete schon mal präventiv an, dass es im Herbst unter Umständen wieder eine Homeoffice-Pflicht geben könnte.

    Damit es tatsächlich anders kommt, kommt es jetzt neben den AHA-Regeln und viel gesundem Menschenverstand auf drei Dinge an:

    1. Die Rückkehrpläne müssen an einheitliche Inzidenzwerte gebunden sein. Dazu sollten Unternehmen Stufenpläne entwickeln und Inzidenzen definieren, ab denen sie weiter öffnen oder schließen. Die großen Dax-Konzerne machen das zum großen Teil längst, kleine Betriebe eher nicht. Doch selbst da, wo Stufenpläne existieren, sind die Schwellenwerte oft unterschiedlich. Das Virus kennt aber keine Betriebslogiken. Deshalb wäre hier ein gemeinsames Vorgehen der Wirtschaft ein wichtiges Signal, dort Klarheit zu schaffen, wo es die Politik derzeit versäumt.
    2. Das Impftempo bei den Zweitimpfungen muss dramatisch steigen. Es kann nicht sein, dass Betriebsärzte zum Teil immer noch auf Impfstoff warten – und die Politik gleichzeitig Homeoffice-Regelungen lockert. Bei allem, was man bisher über Delta weiß, scheint eine vollständige Impfung entscheidend für den Schutz zu sein. Die Zahl der Zweitimpfungen muss deshalb unbedingt schnell weiter steigen – auch in den Betrieben.
    3. Wir müssen über eine Rückkehrpriorität für vollständig Geimpfte oder Genesene offen diskutieren. Ein heikles Thema, gerade rechtlich. Denn der Arbeitgeber darf offiziell nicht abfragen, wer in den eigenen Reihen wie oft und womit geimpft wurde.

      Aber mit der Erkenntnis, dass die Zweitimpfung entscheidend bei der Delta-Variante ist, gewinnt die Debatte wieder an Bedeutung – und muss ehrlich geführt werden. Dabei funktionieren Privilegien in der Regel besser als Verbote, die nicht nur Unternehmer ungern hören.

      So könnten Betriebe in ihren Stufenplänen etwa festlegen, dass bei erhöhten Infektionszahlen im Betrieb oder im Landkreis diejenigen Priorität erhalten, die vollständig geimpft oder genesen sind. So werden Mitarbeiter, die gern ins Büro wollen, ermutigt, die Information freiwillig preiszugeben. Wenn dann immer noch Plätze frei sind, können auch Ungeimpfte nachrücken. Aber bitte getestet.

    Mehr: Die Homeoffice-Pflicht endet – Muss ich ab dem 1. Juli wieder zurück ins Büro? Was das Arbeitsrecht sagt.

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