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Kommentar Es wird Zeit für einen Wechsel an der Siemens-Spitze

Joe Kaeser hat in seinen sieben Jahren als CEO vieles richtig gemacht. Trotzdem murren die Investoren. Es wird Zeit für einen geordneten Wechsel.
06.02.2020 - 14:36 Uhr 1 Kommentar
Auf der Hauptversammlung kam die Kritik an dem Siemens-Chef von sehr unterschiedlichen Seiten. Quelle: Bloomberg
Joe Kaeser

Auf der Hauptversammlung kam die Kritik an dem Siemens-Chef von sehr unterschiedlichen Seiten.

(Foto: Bloomberg)

Wenn Joe Kaeser in spätestens einem Jahr abtritt, wird der Siemens-Chef auch bisweilen fehlen. Er äußerte sich zu gesellschaftlichen Themen, wo sich andere CEOs wegduckten. Purpose war ihm schon wichtig, bevor es andere als Modethema entdeckten. Auch unternehmerisch bewies er Mut. Er baute den Konzern frühzeitig radikal um, obwohl es Siemens eigentlich noch gut ging, um ihn auf disruptive Zeiten vorzubereiten.

Nach den Gewinnwarnungen unter seinem Vorgänger lieferte er den Investoren zwar auch nicht immer glänzende Zahlen, erfüllte aber verlässlich die Prognosen. Und zu guter Letzt, auch wenn es nicht entscheidend sein sollte, hat Joe Kaeser im Vergleich zu vielen eher farblosen Führungskräften einen hohen Unterhaltungswert.

Und doch wird es langsam Zeit für einen geordneten Wechsel an der Siemens-Spitze. Wie bei so vielen CEOs in der Spätphase der zweiten Amtszeit hat sich manches abgenutzt. Einst erfolgreiche Rezepte funktionieren nicht mehr so gut, das hat der Umgang mit dem Adani-Debakel gezeigt. Nach manchen Kaeser-Kapriolen hat sich bei einigen Siemensianern Überdruss breitgemacht.

Und im aufgespaltenen Konzern sind künftig andere Managementqualitäten gefragt, Kaeser selbst räumt das ja auch ein. Nicht nur Arbeitnehmervertreter sehnen sich nach einem Ingenieur an der Spitze. Auf der Hauptversammlung kam die Kritik von sehr unterschiedlichen Seiten – auch deswegen mündete sie nicht in einer kollektiven Watschn bei der Abstimmung über die Entlastung.

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    Knapp 95 Prozent Zustimmung ist in Nichtkrisenzeiten allerdings auch kein klarer Vertrauensbeweis. Die Entlastung fiel nicht schlechter aus, weil vor allem Investoren glauben, dass der Grundansatz von Kaeser richtig ist: In Zeiten schneller technologischer Umbrüche seien klassische Mischkonzerne zu langsam und behäbig.

    Kaeser hat den Geschäften mehr Eigenständigkeit und damit Agilität gegeben. Dem Trend zu einer Art operativen Holding sind andere Konzerne gefolgt. Ob das der Königsweg ist? Auch die Argumente pro Mischkonzern sind nicht aus der Zeit gefallen. Im Gegenteil. Gerade in Abschwung- oder Krisenzeiten können erfolgreiche Sparten andere mit Zukunftsperspektive vorübergehend stützen.

    Und mit einem kapitalstarken Konzern im Rücken sind Übernahmen in manchen Geschäftsfeldern einfacher realisierbar. Ob Kaeser drei starke, fokussierte Siemens-Konzerne geschaffen hat oder einen der letzten großen deutschen Technologiekonzerne durch Zerschlagung marginalisiert, das wird sich in den nächsten Jahren erweisen. Für das Energiegeschäft ist die Eigenständigkeit zumindest eine echte Chance.

    Grafik

    Im Siemens-Konzern wäre die Einheit vorerst wohl ein trauriger Restrukturierungsfall geblieben. Aus Konzernsicht sind Investitionen in Software und Digitalisierung einfach lukrativer. Dass die Investoren trotz Zustimmung zu Kaesers Grundkonzept murren, liegt daran, dass der radikale Umbau bislang kaum Früchte trägt.

    Die Margen waren im ersten Quartal so schlecht wie zuletzt unter dem glücklosen Vorgänger Peter Löscher, der Aktienkurs hat unter dem Finanzer Kaeser auch nicht sonderlich outperformt. Hinzu kommt, dass Kaeser, dem manche Selbstherrlichkeit vorwerfen, zuletzt Fehler gemacht hat.

    In einem offiziellen Interview über eine mögliche Vertragsverlängerung zu spekulieren – statt, wie man das so macht, auf die Zuständigkeit des Aufsichtsrats zu verweisen – war so einer, abfällige Bemerkungen auf Twitter über den Siemens-Kunden Elon Musk ein anderer.

    Vor allem aber hat der Fall Adani gezeigt, dass Kaesers Bemühen, es trickreich allen recht machen zu wollen, nicht immer aufgeht. Noch im Fall Görlitz hatte er erst mit dem Vorstand die Schließung des Werks in der strukturschwachen Region beschlossen, um sich später als Retter feiern zu lassen.

    Kaeser kritisiert Klimaschutz-Aktivisten für „fast groteske“ Proteste

    Beim Auftrag für die Kohlemine in Australien war das nicht mehr möglich. Offen ist, wann Kaeser erstmals wirklich von dem delikaten Geschäft zumindest nebenbei erfahren hat. Doch mit dem Treffen mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer, bei dem er ihr sogar einen Posten anbot, hat er die Aufmerksamkeit der Umweltschützer erst recht auf den Siemens-Konzern gezogen.

    Als er dann wenige Tage später verkündete, den Auftrag nun leider doch erfüllen zu müssen, saß er endgültig zwischen allen Stühlen. Bei allen Verdiensten eines Managers, der 40 Jahre für Siemens arbeitete: Der Aufsichtsrat sollte spätestens im Sommer über die Nachfolge entscheiden und den Wechsel dann auch rasch vollziehen.

    Zu lange Übergangszeiten lähmen ein Unternehmen. Der designierte Ingenieur Roland Busch muss dann als künftiger Chef klären, was den verbleibenden Siemens-Konzern noch zusammenhält, und mutig mit Innovationen und Akquisitionen die Zukunftsfähigkeit erhöhen. Er muss dann zeigen, ob er es genauso gut oder besser kann.

    Mehr: Auf der Hauptversammlung attackieren Aktivisten den Manager. Aber auch die Investoren sparen nicht an Kritik – und fordern eine baldige Nachfolgeregelung.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Es wird Zeit für einen Wechsel an der Siemens-Spitze"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich war da, bis die erste Garnitur der Fragesteller das Wort bekam.
      Siemens ist ein Maschinenbaukonzern der vor Allem im Elektrobereich tätig war. Jetzt soll Gamesa in eine AG integriert werden die sich vor allem energetisch betätigen soll. Über das Wie herrschte dröhnendes Schweigen. Welche Lösungen schweben dem Konzernvorstand vor um die Grundlast in der Energieerzeugung zu gewähren. Dass ist für die Zukunft des Landes enorm wichtig. Nur mit dem schwankenden Wind und der Sonne die in der Nacht verschwindet, kommen wir zur Beleuchtung mittels Kerzen zurück. Und sogar brennende Kerzen erzeugen CO², von Ölfunzeln mal komplett abgesehen.
      Auf der Hauptversammlung von Siemens sprach man darüber, wofür braucht ein Mensch 14 Millionen im Jahr? Ob 10 nicht reichen? Fragen über Fragen, ausgewählt zum Zeitvertreib der In den Gängen befindlichen Aktionären, die speisten und tranken, wohl wissend: Was Du intus hast, kann dir niemand mehr nehmen...

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