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Kommentar Ethik ist beim verkauften Fußball nur ein Wort ohne jeden Wert

Die Europameisterschaft dient als Plattform für Sponsoren aus autoritären Staaten. Bei diesem Turnier hat die Uefa ein paar Eigentore zu viel geschossen.
20.06.2021 - 14:19 Uhr 1 Kommentar
Die chinesischen Unternehmen Vivo und Tiktok gehören zu den Sponsoren, ebenso Qatar Airways. Das Sponsoring bei der laufenden EM ist mehr als fragwürdig. Quelle: AFP
EM-Arena in München

Die chinesischen Unternehmen Vivo und Tiktok gehören zu den Sponsoren, ebenso Qatar Airways. Das Sponsoring bei der laufenden EM ist mehr als fragwürdig.

(Foto: AFP)

Fußball fasziniert und kann besondere Geschichten schreiben. Das ist auch bei der laufenden Europameisterschaft zu beobachten. Dazu gehört, dass Außenseiter sich gegen Favoriten behaupten. Oder dass Menschen überall auf dem Kontinent mit einem Spieler wie Christian Eriksen mitfühlen, der einen Herzstillstand auf dem Spielfeld erlitt, per Herzmassage von einem dänischen Mitspieler gerettet wurde und inzwischen zurück aus dem Krankenhaus ist.

Als Spielverderber jedoch tritt der Verband Uefa auf. Er organisiert das Turnier erkennbar im Geist einer schrankenlosen Kommerzialisierung. Geld führt hier im Mittelfeld Regie, und zum Abschluss kommen auch zweifelhafte Nutznießer.

Offenbar ist ein gewisser Aufschlag bei den Erlösen aus autoritären Staaten mit Imageproblemen zu erwarten, weshalb Baku aus Aserbaidschan, Sankt Petersburg aus Russland und Budapest aus Ungarn viele Spiele austragen dürfen. Der als Sponsor eingeplante aserbaidschanische Staatskonzern Socar verzichtete kurz vor Turnierbeginn — womöglich aus Angst vor Enthüllungen, wie man den Krieg um Bergkarabach gegen Armenien mitfinanzierte.

Als Ersatz sprang Russlands Staatskonzern Gazprom ein. In der Kohorte der zwölf Sponsoren kommt damit die Hälfte aus Ländern, die es mit Menschenrechten nicht sehr genau nehmen. Neben Qatar Airways aus Katar sind allein vier chinesische Konzerne, die Fußball-Marketing ganz im Sinne des Pekinger Staatskapitalismus betreiben.

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    Ethik ist beim verkauften Fußball nur ein Wort. Zwar sieht sich die Uefa selbstverständlich ganz im Dienst der Völkerverständigung, ihr größter Einsatz aber gilt dem Wohl der Sponsoren. Da ist es ein zu bestrafendes Vergehen, wenn Stars bei der Pressekonferenz die Flaschen finanzierender Getränkekonzerne demonstrativ wegräumen.

    Für Sponsoren und VIPs sollen andere Corona-Regelungen gelten

    Und weil in Großbritannien aufgrund der sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus‘ Tests und Quarantäne obligatorisch sind, drohte die Uefa frühzeitig, London das Finale wegzunehmen. Pandemie-Einschränkungen sind 2500 Sponsoren und VIPs nicht zuzumuten. Dann lieber Budapest, wo trotz hoher Risiken ein volles Stadion erlaubt ist.

    Die Uefa verhält sich wie einer jener multinationalen Konzerne, die sich selbst für einen eigenen Staat halten und beispielsweise kaum Steuern zahlen. Man glaubt, sich dank der Reize des Fußballs alles erlauben zu können — und vergisst, dass auch diese Attraktivität bei zu viel Geschäftemacherei endlich ist. Die Uefa hat bei dieser „Euro 2020“ ein paar Eigentore zu viel geschossen.

    Mehr: Das gefährliche Spiel der Uefa: Jeder dritte Sponsor kommt aus China

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Ethik ist beim verkauften Fußball nur ein Wort ohne jeden Wert"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Formel 1, Olympische Spiele oder eben Fußball - die einlullende Dauerberieselung mit immer mehr Vor- und Nachsendezeit zum "Öl-Gequatsche" und dem Zerreden von Fehlpässen, Abseits oder Eigentoren geht mir schon lange auf die Nerven. Ich schalte nicht ein.
      Schade dass Mac und Koka weiterhin vorgaukeln dürfen, die Athleten wären mit soviel Fett und Zucker zu ihrer Leistungsfähigkeit gekommen. Ob es gut war, in Ungarns Stadien Zehntausende mehr einzulassen als z.B. in München, wird man 4 Wochen später sehen.
      Eine Regenbogen-Armbinde, einen Kniefall oder ein beiseite geschobenes Getränk bestrafen zu wollen, wäre geradezu lächerlich im Vergleich zur politischen Botschaft, die in der Vergabe von Spielen, dem Vorgehen beim Stadionbau bis hin zu Food & Beverage bei Großveranstaltungen durchblitzen.
      Wie schön wäre es, einfach nur die Leistung der Sportler und Sportlerinnen zu genießen.

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