Kommentar: Europas Finanzzentren sind abgehängt

Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist das wichtigste Finanzzentrum im Euro-Land? Seit dem Brexit ringen Paris und Frankfurt lebhaft um diesen Titel. Den jüngsten Zug in der Partie machen die Franzosen mit einem „Gesetz für die Attraktivität der Finanzwirtschaft in Frankreich“. Es soll Paris unter anderem attraktiver für Börsengänge machen.
Schon jetzt sieht Frankreichs Regierung die eigene Hauptstadt klar vorn und hat dafür einige gute Argumente. Frankfurt andererseits sieht sich durch die jüngste Rangliste der weltweit wichtigsten Finanzmetropolen bestätigt, die die britische Beratung Z/Yen regelmäßig erstellt und der zufolge die Mainmetropole hauchdünn vor der Stadt an der Seine liegt.
Das Tragische an diesem Streit ist: Er ist völlig bedeutungslos. Denn Frankfurt und Paris dümpeln auf Rang 13 und 14 der erwähnten Rangliste vor sich hin. Weit abgeschlagen liegen sie hinter New York, London, Hongkong und Shanghai. Und auch Genf, San Francisco und Seoul sind höher gerankt.
Die Krone des größten und bedeutendsten kontinentaleuropäischen Finanzzentrums ist vor diesem Hintergrund ein Titel ohne Wert. Sehr viel wichtiger wäre es, den gesamten Kapitalmarkt in der EU voranzubringen. Und das funktioniert nur mit der seit Langem versprochenen und nie erreichten Vollendung von Kapitalmarkt- und Bankenunion.
Mittlerweile ist diese Forderung fast zu einer Phrase der europäischen Finanzpolitik verkommen. Weniger wichtig und weniger richtig wird sie dadurch nicht.