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Kommentar Gute Quartalszahlen werden nur wenig am latenten Misstrauen gegenüber den Banken ändern

Die Coronakrise sorgt für einen ungeahnten Boom im Investmentbanking. Das Misstrauen gegenüber der Branche kann die Sonderkonjunktur allerdings nicht zerstreuen.
21.10.2020 - 18:37 Uhr Kommentieren
Die großen Investmentbanken gehören zu den Profiteuren der Coronakrise. Das heftige Auf- und Ab an den Märkten sorgt für Hochbetrieb in den Handelssälen. Quelle: AFP
Das Hauptquartier von Goldman Sachs in New York

Die großen Investmentbanken gehören zu den Profiteuren der Coronakrise. Das heftige Auf- und Ab an den Märkten sorgt für Hochbetrieb in den Handelssälen.

(Foto: AFP)

Krise? Welche Krise? Auf den ersten Blick wirken die Zahlen, die die US-Großbanken für das dritte Quartal auf den Tisch gelegt haben, grundsolide. Mit der Schweizer UBS zog in dieser Woche das erste europäische Geldhaus nach, und auch der Rest der europäischen Quartalssaison dürfte den Trend im Großen und Ganzen bestätigen. Fast sieht es so aus, als könnte die Pandemie zumindest den großen, international aufgestellten Banken nichts anhaben.

Doch der erste Eindruck täuscht. Denn für die gute Entwicklung ist vor allem die Sonderkonjunktur im Investmentbanking verantwortlich. Der Absturz an den Börsen im Frühjahr und die rasante Erholung in den Wochen danach sorgten für Hochbetrieb in den Handelssälen, während die erwarteten Einschläge im Kreditgeschäft infolge der befürchteten Pleitewelle weiter auf sich warten lassen.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Insolvenzmoratorien werden irgendwann auslaufen, genauso wie Kreditstundungen und Kurzarbeitergeld, das derzeit in vielen europäischen Ländern noch Entlassungen verhindert. Dazu kommen die rasant steigenden Corona-Ansteckungszahlen und die wachsende Angst vor einem zweiten flächendeckenden Lockdown mit unabsehbaren Folgen für die großen europäischen Volkswirtschaften.

Für die Banken sind das schlechte Nachrichten. Die voraussichtlich soliden Zahlen für das dritte Quartal sind nur eine Momentaufnahme, die wahrscheinlich schon nach ein paar Tagen verblassen wird. Was bleibt, ist die große Ungewissheit über die Mittel- und Langfristfolgen der Pandemie für die Branche. Diese Unsicherheit ist der Hintergrund für die historisch niedrigen Börsenbewertungen der europäischen Banken und die erhöhte Wachsamkeit der Aufseher. An diesem latenten Misstrauen dürfte sich so schnell nichts ändern.

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    Für die Banken wird die Dichotomie zwischen dem Boom im Investmentbanking und der Unsicherheit im Rest des Geschäfts einen interessanten Nebeneffekt haben. Die Investmentbanker werden in den anstehenden Verhandlungen über die Boni für das Jahr 2020 ausgesprochen selbstbewusst auftreten, schließlich sorgen sie ja für die Gewinne. Gleichzeitig werden die Aufseher aber völlig zu Recht weiter Druck auf die Banken machen, ihr Geld zusammenzuhalten, um für die künftigen, noch immer kaum absehbaren Risiken gewappnet zu sein. Für die interessierte Öffentlichkeit dürfte es ziemlich unterhaltsam werden, zu beobachten, wie die Banken diesen Drahtseilakt bewältigen.

    Mehr: Deutsche-Bank-Chef Sewing fürchtet lang anhaltende Krise und „Zombie-Unternehmen“.


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