Kommentar: Harris ist besser als Trump – doch das allein reicht nicht

Wenn die TV-Debatte zwischen Kamala Harris und Donald Trump zur US-Wahl eines noch einmal deutlich gemacht hat, dann das: Harris wäre die bessere Besetzung im Weißen Haus. Ihr traut man die Aufsicht über Nuklearwaffen zu, und ihr Verhandlungsgeschick als Staatsanwältin wäre sicher von Nutzen, wenn die nächste globale Krise ausbricht.
Trump machte sich während der Debatte keine Notizen, Harris schrieb mit. Trump behauptete, dass Flüchtlinge Hunde und Katzen verspeisen, Harris zitierte Grundlagen des internationalen Völkerrechts. Trumps prominentester Unterstützer ist der Ex-Wrestler Hulk Hogan, Harris’ neuester Fan ist Superstar Taylor Swift.
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Dass die knapp 170 Millionen registrierten US-Wähler Harris ins Weiße Haus verhelfen werden, liegt da auf der Hand, oder? Nicht nach der Logik amerikanischer Wahlkämpfe.
Zwar kann Harris viele Vorteile für sich verbuchen, aber was zählt, ist die Mobilisierung im Endspurt. Die Wahlbeteiligung lag zuletzt bei 66 Prozent. Ein erheblicher Teil der US-Bürger hat sich von der Politik verabschiedet, auch wenn 15 Milliarden Dollar in den Wahlkampf gepumpt werden.
Trumps Stärke war es schon immer, das Wutpotenzial der Bevölkerung für sich zu nutzen, deshalb sollte man Harris’ gute Performance mit Vorsicht betrachten. Bislang gelingt es Trump, Harris für die Flüchtlingskrise und die Inflation, die sich in Joe Bidens Amtszeit verschärft haben, mitverantwortlich zu machen.
Harris ist bei diesen Themen am meisten verwundbar. Sie muss sich viel mehr anstrengen als Trump, weil sie sich von der aktuellen Regierung abgrenzen und sie gleichzeitig loben muss.
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Trump gewann 2016 die Wahl und verlor sie 2020, beide Male war es knapp. Auch dieses Mal dürften rund 40.000 Wähler in sieben „Swing States“ den Ausschlag geben. Mit einer gelungenen Debatte allein gewinnt man noch keine Wahl.