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Kommentar In Deutschland hat sich ein Schlachttourismus etabliert

Die Fleischindustrie lebt nicht nur auf Kosten von Tierwohl und Werkverträglern, sondern auch auf Kosten der Umwelt und der Steuerzahler. Eine Abwrackprämie für Schlachthöfe ist überfällig.
05.07.2020 - 16:12 Uhr Kommentieren
Wegen der Corona-Ausbrüche ist die Branche in die Kritik geraten. Quelle: dpa
Schlachthof in Bad Bramstedt

Wegen der Corona-Ausbrüche ist die Branche in die Kritik geraten.

(Foto: dpa)

Seit gut zwei Wochen ist Deutschlands größter Schlachthof stillgelegt. Rund 1550 Beschäftigte von Tönnies – überwiegend Werkverträgler aus dem Ausland – hatten sich mit Corona infiziert.

Die Zwangsschließung, die noch mindestens zwei Wochen anhalten soll, hat massive Folgen für Tierwohl und Versorgung. 100.000 Tiere stauen sich jede Woche in den Ställen, Keulungen drohen.

Die Coronakrise zeigt, wie störungsanfällig unsere Fleischindustrie ist. Die Lieferkette vom Ferkel bis zum Schnitzel ist eng getaktet. Die Autoindustrie kann in Krisenzeiten schnell die Bänder anhalten und Wagen auf Halde parken. Bis ein Schweinezyklus endet, dauert es rund neun Monate.

Durch laxe Gesetze, die undurchsichtigen Werkverträgen und Billiglöhnen Tor und Tür öffneten, ist Deutschland zum Schlachthof Europas geworden. Großschlachter aus den Niederlanden und Dänemark arbeiten hier günstiger als in ihrer Heimat.

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    In Deutschland hat sich ein regelrechter Schlachttourismus etabliert. Konzerne haben kleine Schlachter verdrängt. Die Industrienation Deutschland ist heute nach Spanien der zweitgrößte Schweinestall Europas.

    Auch wenn der Bestand leicht zurückgeht: Wir mästen viel mehr Schweine, als wir selbst verzehren. Und mit 34 Kilo pro Kopf im Jahr essen wir ohnehin doppelt so viel, wie Ärzte empfehlen.

    Lukrative Geschäfte in Asien

    Deutsche Schweineställe sind immer größer geworden. Unsere Selbstversorgungsquote mit Schweinefleisch ist auf 120 Prozent gestiegen. Kaum zu glauben, aber die Hälfte des deutschen Schweinefleischs geht heute in den Export bis ins ferne Asien.

    Dort lassen sich lukrativere Geschäfte machen als im Inland. Denn in China sind durch die Schweinepest Nachfrage und Preise explodiert.

    Der Schweineboom hat Folgen: Deutsche Bauern wissen kaum noch, wohin mit der Gülle von Rind und Schwein. Eine Umweltsauerei. Das Grundwasser ist vielerorts so stark mit Nitrat belastet, dass hohe Strafen aus Brüssel drohen.

    Die deutsche Fleischindustrie lebt nicht nur auf Kosten von Tierwohl und Werkverträglern, sondern auch auf Kosten der Umwelt und uns Steuerzahlern. Das alles ist im Billigfleisch nicht eingepreist, das wir auf unseren Luxusgrill werfen.

    Eine Abwrackprämie für Großställe und Schlachthöfe ist überfällig. Das wäre für Tier, Mensch und Umwelt besser. Bauern könnten weniger Schweine zu besseren Bedingungen und Preisen aufziehen.

    Schlachtkonzerne wie Tönnies sollten – wie bereits geplant – lieber vor Ort in China schlachten statt zu exportieren. Letztlich hängt es aber an den mächtigen Handelsketten, die oft selbst Schlachthöfe betreiben. Sie sollten künftig nicht nur Schlachtern mit Werkverträgen die Rote Karte zeigen, sondern auch dem Billigfleisch.

    Mehr: Der Schlachtbetrieb Brand setzt auf faire Prinzipien.

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