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KommentarKommt Jamie Dimons Warnung zu spät?

Der Chef von JP Morgan fürchtet gefährliche Risse am US-Anleihemarkt. Die ersten Anzeichen dafür sind längst zu sehen.Michael Maisch 04.06.2025 - 08:54 Uhr
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JP-Morgan-Chef Jamie Dimon sieht deutlich höhere Risiken an den Kapitalmärkten. Foto: Reuters

Es gibt wohl wenige Banker weltweit, die einen so klaren Blick auf Märkte haben wie Jamie Dimon. Der Chef von JP Morgan, der größten Bank der USA, weiß, was in den Handelssälen rund um den Globus läuft, und er weiß, welche Sorgen die internationalen Investoren umtreiben. Wenn Dimon vor „Rissen am US-Anleihemarkt“ warnt, wie jetzt gerade, dann sollte man das ernst nehmen – vor allem weil die amerikanischen Staatsbonds die Basis des gesamten globalen Finanzsystems sind.

US-Finanzminister Scott Bessent scheinen die Worte des CEO allerdings nicht zu beeindrucken. Dimon habe seine ganze Karriere lang solche Vorhersagen gemacht – zum Glück sei nie eine davon wahr geworden. Bessent gehört zu den qualifiziertesten und besonnensten Kräften in Trumps Kabinett, aber hier liegt der Finanzminister falsch. Denn die Risse, von denen Dimon spricht, zeigen sich bereits.

Da ist zum Beispiel der Dollar-Index, der den Wechselkurs der US-Devise im Vergleich zu einem Korb anderer wichtiger Währungen misst. Dieser Index ist in diesem Jahr um knapp neun Prozent gefallen. Ein klares Indiz dafür, wie sehr Handelskrieg, chaotische Wirtschaftspolitik und die außer Kontrolle geratene US-Staatsschuld die Investoren verschreckt haben.

Ein weiterer Riss zeigt sich bei den Renditen der verschiedenen Bond-Laufzeiten. Eigentlich gilt die 30-jährige US-Staatsanleihe als eine der sichersten Anlagen am globalen Kapitalmarkt. Aber in diesem Jahr ist der Kurs dieser lang laufenden Bonds deutlich gefallen, spiegelbildlich stieg die Rendite Mitte Mai auf über fünf Prozent. Nur ein einziges Mal lag diese Risikoprämie in den vergangenen 17 Jahren noch ein kleines bisschen höher. Bei kürzeren Laufzeiten von zwei bis zehn Jahren stiegen die Kurse dagegen und die Renditen sanken.

Der Informationsdienst Bloomberg hat ausgerechnet, dass es diese Diskrepanz über einen längeren Zeitraum hinweg zuletzt 2001 gab. Damals litt die Finanzwelt unter dem Platzen der Internetblase – eine der schwersten Finanzkrisen der vergangenen Jahrzehnte.

Erstpublikation: 02.06.2025, 17:51 Uhr.

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