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KommentarMehr als 100 Milliarden Dollar: Der E-Auto-Bauer Rivian ist an der Börse völlig überbewertet

Bislang hat das Start-up kaum Autos gebaut. Daran, dass Rivian im kommenden Jahr die geplanten Auslieferziele erreicht, sind Zweifel angebracht.Thomas Jahn 11.11.2021 - 15:42 Uhr Artikel anhören

Schönes Logo, schöne Fahrzeuge – aber das rechtfertigt keine 100-Milliarden-Dollar-Bewertung.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Der Börsenprospekt zeigt schon einiges: Auf den ersten sieben Seiten sind Farbfotos mit viel Gegenlicht, lachenden Menschen und Elektrofahrzeugen von Rivian zu sehen – ein Eindruck, der Anleger vielleicht blenden soll. Dann erst stößt man auf Bilanzzahlen, die weniger heiter stimmen. Der Hersteller von Elektrofahrzeugen erwartet für das laufende Quartal einen Umsatz von weniger als einer Million Dollar. Der Verlust hingegen kann sich auf bis zu 1,28 Milliarden Dollar belaufen.

Trotzdem bewerten die Anleger das Start-up derzeit mit weit mehr als 100 Milliarden Dollar. Ein Rekord in der Börsengeschichte, selbst in Zeiten des Überschwangs lässt einen die Bewertung erstaunt die Augen reiben. Zum Vergleich: BMW kommt auf knapp 70 Milliarden Dollar.

Wie kann das sein? Für Rivian sprechen zwei Dinge. Das kalifornische Unternehmen brachte früher als alle anderen Hersteller einen elektrischen Pick-up auf den Markt. Zwar lieferte es bislang nur wenige R1T aus, ist aber schneller als Ford mit dem F-150 Lightning oder Tesla mit dem Cybertruck auf dem Markt.

Der R1T stößt bei Autoexperten auf Begeisterung. Die hohe Beschleunigung ist allerdings typisch für Elektrofahrzeuge und keine herausragende Leistung von Rivian. Ähnlich euphorisches Lob war beispielsweise nach Testfahrten mit dem F-150 Lighting zu hören. Der Pick-up von Ford kommt zwar erst 2022, wird aber aller Voraussicht nach als unangefochtener Marktführer in dem Segment große Marktanteile gewinnen.

Auch kann man sich praktisch sicher sein: Die Produktionszahlen werden bei Ford rasch in die Höhe gehen. Damit kann man bei dem Neuling Rivian nicht unbedingt rechnen. Erst 156 R1T wurden bislang ausgeliefert, bis zum Jahresende sollen es tausend sein. Wer sich in der Autoherstellung auskennt, weiß: Probleme in der Produktion – so, wie sie lange Zeit Tesla plagten – sind für Newcomer unvermeidlich.

Beschwerde von Amazon-Chef Jeff Bezos

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Ein weiterer Grund für die hohe Börsenbewertung ist der Onlineversandhändler Amazon, der mehr als ein Fünftel der Rivian-Aktien hält. An den E-Commerce-Riesen will Rivian bis 2030 rund 100.000 Lieferfahrzeuge ausgeben, schon im kommenden Jahr sollen es 10.000 sein.

Aber kann Rivian die Terminvorgabe einhalten? Es sind Zweifel angebracht. „Es muss sich beweisen, ohne Frage“, sagte der ehemalige Amazon-Chef Jeff Bezos vor wenigen Wochen. Rivian-Chef RJ Scaringe sei „einer der großartigsten Unternehmer, denen ich jemals begegnet bin“. Das Lob schränkte Bezos dann aber ein: „Nun, RJ, wo sind unsere Lieferfahrzeuge?!“ Ein Satz, der Anleger nachdenklich stimmen sollte.

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