Kommentar: Milliarden-Plan: Apple profitiert in München von einer Fehlentscheidung von Siemens
Der iPhone-Konzern will mehr als eine Milliarde Euro über drei Jahre in München investieren.
Foto: AFPDas Milliarden-Investment von Apple in München ist ein gutes Signal für den Standort Deutschland. Die Forscher des iPhone-Konzerns sollen in Deutschland unter anderem die Zukunftstechnik 5G voranbringen. Doch bei allem berechtigten Jubel offenbart die Entscheidung auch die Fehler der deutschen Industrie. Denn das Fachwissen hatte einst Siemens aufgebaut, sich dann aber frühzeitig aus dem Bereich verabschiedet.
Siemens gehörte einst zu den internationalen Vorreitern in der Telekommunikationsindustrie. Doch ökonomische Probleme und fehlender Mut des Managements führten dazu, dass der Dax-Konzern sich schrittweise aus der Branche zurückzog. 2005 veräußerte Siemens seine Mobilfunk-Sparte an den taiwanischen Milliardär Kuen-Yao Lee und seine Marke BenQ. Einige Jahre später verkaufte Siemens auch seine Telekommunikationssparte an Nokia.
Heute ist klar: Siemens hätte sich nicht völlig aus dem Geschäft mit Mobilfunk und Netztechnik verabschieden dürfen. Siemens-Handys waren nicht cool. Aber die Technik „Made in Germany“ war weit vorne.
Doch das Spitzenmanagement in München wollte die Sparte loswerden. Alles wurde verkauft. Im Dax-Konzern Infineon ist die Chip-Kompetenz aufgegangen. Nokia übernahm viele der Siemens-Errungenschaften im Mobilfunk. Und auch der aufsteigende Netzausrüster Huawei warb einige der Siemens-Fachkräfte an. Heute gilt Huawei in vielen Technologien für den 5G-Mobilfunk als führend.