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KommentarPeak bei Ölnachfrage bis 2030 ist nur ein Wunschdenken

Laut Internationaler Energieagentur soll die Nachfrage nach Öl ab Ende des Jahrzehnts nicht mehr wachsen. Doch diese Prognose könnte zu eurozentrisch sein.Judith Henke 03.07.2024 - 16:51 Uhr
Demonstranten von „Just Stop Oil“ sprühen orange Farbe auf Stonehenge: Bis der Anteil fossiler Energien im weltweiten Energiemix ersetzt werden kann, wird es dauern. Foto: Just Stop Oil/PA Media/dpa

Es ist eine ermutigende Prognose, die die Internationale Energieagentur (IEA) jüngst aufgestellt hat – oder ist es doch nur Wunschdenken? Die weltweite Nachfrage nach Öl soll ab Ende des Jahrzehnts nicht mehr wachsen.

Sicherlich stützt die IEA diese Prognose auf nachweisbare Daten. Allerdings weiß jeder, der sich in seinem Leben mit Statistik befasst hat: Prognosen können sich stark verändern, je nachdem welche Variablen berücksichtigt, gewichtet oder ausgelassen werden.

Genau deshalb sollte auch die Ölnachfrage-Prognose der IEA mit Vorsicht genossen werden. Häufig neigen wir zu eurozentrischem Denken. Die Energie- und Mobilitätswende mag in Europa schon recht weit fortgeschritten sein – da wir sie uns leisten können. Der überwiegende Teil der Europäer lebt recht komfortabel: Eine zuverlässige Energieversorgung nehmen wir schon lange nicht mehr als Luxus wahr.

Für viele Schwellen- und Entwicklungsländer gilt das nicht. Laut einem Bericht, der unter anderem von der Weltbank und WTO herausgegeben wurde, hatten 2021 rund 675 Millionen Menschen keine Elektrizität.

Allerdings: Der Anteil der Bevölkerung, die keinen Zugang zu Elektrizität hat, sinkt stetig und das seit Jahren. Besonders beeindruckend ist die Entwicklung in Indien: Vor 20 Jahren waren nur 64 Prozent mit Energie versorgt, nun sind es fast 100 Prozent.

Das ist eine sehr positive, begrüßenswerte Entwicklung. Sie bedeutet aber auch: Der Energiebedarf vieler Schwellen- und Entwicklungsländer wird zunehmen. Und diesen Bedarf allein mit erneuerbaren Energien zu decken, wird mehr als schwierig.

Laut dem Energy Institute betrug im vergangenen Jahr der Anteil von fossilen Energien am weltweiten Energiemix 81,5 Prozent. Der Anteil von Öl alleine war 30 Prozent. Der Anteil von erneuerbaren Energien, Wasserkraft und Atomkraft lag 2023 zusammengerechnet bei knapp 19 Prozent.

Dass es eine Mammutaufgabe sein wird, fossile Energien durch saubere zu ersetzen, zeigt ein Blick nach China. Dort wurden zwar im vergangenen Jahr so viele erneuerbare Energiequellen installiert wie in allen anderen Ländern zusammen. Weil aber der Energiebedarf in China stetig wächst, ist dennoch auch der Verbrauch fossiler Brennstoffe auf einen neuen Rekord gestiegen.

Das Wirtschaftswachstum von Schwellenländern könnte zudem nicht die einzige Variable sein, die in der IEA-Prognose untergewichtet wurde. Es gibt weitere Unbekannte: etwa die Frage, ob sich Elektromobilität wirklich so schnell durchsetzt wie erwartet. So erfreulich es auch wäre: Wir sollten nicht fest damit rechnen, dass die Ölnachfrage schon Ende dieses Jahrzehnts nicht weiter wächst.

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