Kommentar: Rüstungsmanager in Putins Fadenkreuz

Die Entrüstung in der Politik über den geplanten Anschlag auf Rheinmetall-Chef Armin Papperger ist groß. „Russland trägt seinen Krieg und Terror nach Europa", „Das Putin-Regime trachtet nun auch deutschen Staatsbürgern nach dem Leben", so lauten die ersten Reaktionen. Kurz darauf gab es bereits Forderungen, Diplomaten auszuweisen oder internationale Haftbefehle auszustellen.
So berechtigt das alles sein mag. Genauso wichtig ist die Erkenntnis, dass der russische Präsident Wladimir Putin nicht nur Krieg gegen die Ukraine führt, sondern auch gegen deren Unterstützer bei uns. Der Düsseldorfer Panzer- und Munitionsproduzent ist der wichtigste Rüstungspartner der Ukraine. Putins zynisches Kalkül lautet, dass er mit der Ermordung von Rüstungsmanagern auch die Unterstützung der Ukraine sabotiert.
Was folgert für uns über die politischen Forderungen hinaus? Wir brauchen vor allem eine neue Normalität im Umgang mit den Rüstungsunternehmen. Die Bezeichnung von Rheinmetall als „Kriegsgewinnler" sollte endgültig der Vergangenheit angehören. Es stimmt - der Umsatz des Rüstungskonzerns dürfte dieses Jahr auf zehn Milliarden Euro steigen und damit doppelt so hoch liegen wie 2014. Doch ohne Waffen kann die Ukraine keinen Krieg führen, ohne neue Munition wird auch Deutschland nicht „kriegstüchtig" wie Verteidigungsminister Boris Pistorius betont.
Am Rande der Gesellschaft
Die Mitarbeiter der Rüstungsunternehmen haben zudem jahrzehntlang am Rand der Gesellschaft gelebt. Spitzenpolitiker wie Olaf Scholz und Boris Pistorius schauen heute schon ohne Berührungsängste bei dem Unternehmen vorbei. Doch die Häme über das Sponsoring von Rheinmetall beim Bundesligisten Borussia Dortmund zeigt, dass das Schmuddelkinder-Image noch lange nicht weg ist.
Wenn die möglichen Anschlagspläne auf den Rheinmetallchef irgendwas auslösen könnten, dann wäre ein neuer Umgang mit der Rüstungsindustrie schon mal ein Anfang.