Kommentar: Subventionen für Chipfabriken allein bringen nichts

Der taiwanische Chiphersteller TSMC will ein Halbleiterwerk im Industriepark in Dresden errichten.
Foto: IMAGO/ZUMA PressSind zehn Milliarden Euro für eine Chipfabrik zu viel? Oder fünf Milliarden? Ökonominnen, Branchenvertreter und die Politik diskutieren derzeit intensiv diese Frage. Ausgelöst hat sie die Entscheidung des taiwanischen Chipherstellers TSMC, für zehn Milliarden Euro eine Fabrik in Dresden zu bauen – von denen die Hälfte der Bund bezahlen soll.
Ob sich die Subvention als Mittel für mehr Unabhängigkeit von China auszahlt, ist kaum zu messen. Dafür ist zu unklar, wann und wie China Taiwan angreifen und Chips als Druckmittel einsetzen könnte. Befürworter der Subvention genauso wie Gegner können ihre Position weniger mit Fakten als mit Vermutungen belegen.
Das ist unbefriedigend, in der Politik manchmal aber nicht anders möglich. Eins allerdings ist klar: Bleibt es bei der bloßen Subvention für Fabriken, ist die Antwort einfach. Dann ist die Subvention verschenktes Geld.
Die Abhängigkeit bei Chips ist mit neuen Produktionsstätten nicht einfach eliminiert. Sie wandert bloß auf eine andere Ebene. Vor allem bei den Rohstoffen ist Europa ähnlich abhängig von China wie von den Lieferungen fertiger Chips. Die wichtigen Chiprohstoffe Gallium und Germanium kommen etwa zu drei Vierteln aus China.
Rohstoffpartnerschaften sind essentiell
Sollte der Taiwan-Fall eintreten, kann Deutschland ohne Rohstoffe auch keine Chips produzieren – aller eigenen Fabriken zum Trotz. China hat bereits jetzt im Handelsstreit mit den USA eine Genehmigungspflicht für Gallium und Germanium erlassen, die auch Europa trifft.
Letztlich heißt das: Subventionen können nur ein Teil der Strategie für Unabhängigkeit sein. Was es braucht, sind Rohstoffpartnerschaften mit anderen Ländern. Gut, dass das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien kurz vor dem Abschluss steht.
Weitere müssen folgen. Und mehr Rohstoffe müssen in Europa abgebaut werden. Kaum erschlossenes Gallium gibt es etwa in Griechenland. Das muss politisch angeschoben werden. Der Rohstoff-Fonds von Wirtschaftsminister Robert Habeck ist ein Anfang. Es braucht aber auf allen politischen Ebenen mehr Einsatz.