Kommentar: Treibt Klimaschutz die Energiekosten? Der Gaspreis sollte steigen, aber nicht zu sehr schwanken
Die Gaspreise steigen und steigen. Auf die Verbraucher kommen unruhige Zeiten zu.
Foto: imago images/Christian OhdeWer bald eine neue Heizung braucht, kann schon mal eine Excel-Tabelle anlegen. Darin wird der Preis der Heizung eingetragen und der Preis für das Gas, den Strom oder die Pellets, mit denen die Heizung betrieben wird. Welches Modell sich lohnt, hängt stark davon ab, wie teuer Gas und Strom in Zukunft werden.
Das aber ist schwer vorherzusagen. Nicht nur, dass die Marktpreise schwanken. Gas wird auch noch künstlich verteuert durch CO2-Zertifikate. Und auch deren zukünftiger Preis ist kaum absehbar. Lohnt sich eine billige Gasheizung, obwohl Gas teurer werden könnte? Oder lohnt sich eine teure Wärmepumpe, mit der Hoffnung auf billigen Grün-Strom?
Der Hausbesitzer ist dazu gezwungen, auf den künftigen Energiemarkt zu wetten. Auch wer ein Auto kauft, kann heute kaum ausrechnen, ob ein Elektro- oder ein Benzinantrieb über die Jahre gerechnet billiger ist.
Deutsche Konsumenten sind entspannter
Und das ist eine schlechte Entwicklung, wie die aufgeheizte Diskussion über Gaspreise in vielen europäischen Ländern zeigt. Die Verbraucher spüren dort die Schwankungen am Weltmarkt, weil sich ihre Strom- und Gasrechnung am aktuellen Großhandelspreis orientiert. In Deutschland sind die Konsumenten entspannter, weil es hier langfristigere Energieverträge gibt und man zumindest mehr Zeit hat, sich auf Preisanstiege einzustellen. Nicht allein der hohe Preis ist also das Problem, sondern dass er so unberechenbar ist. Der Ärger über diese Schwankungen bedroht den Klimaschutz zusätzlich.
Seit dem 1. Januar sind in Deutschland Abgaben für CO2-Zertifikate fällig für fossile Kraftstoffe, die in Autos oder Heizungen verbrannt werden. In Zukunft soll der Preis für diese Zertifikate steigen, und auch ärmere EU-Länder sollen in den Handel einbezogen werden. Die Regelung über den Markt ist besonders effizient – aber nur dann, wenn die Marktteilnehmer eine Chance haben, auf steigende Preise zu reagieren. Mal eben einen anderen Wagen anschaffen, weil die Preise an der Tankstelle zu hoch sind, geht aber nicht.
Es ist richtig, klimaschädliches Verhalten teuer zu machen. Der CO2-Ausstoß von Gebäuden und Autos sinkt nicht, sondern steigt weiter. Darum braucht es starke Anreize, in saubere Technik zu investieren – auch in ärmeren Ländern. Wer sich das nicht leisten kann, muss vom Staat unterstützt werden. Es ist falsch, die Verbraucher dabei zu Spekulanten zu machen. Höhere Energiesteuern wären darum die bessere Wahl, als den Preis für CO2 in diesen Sektoren dem Markt zu überlassen.