1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. Kommentar: Vonovia kann die Immobilienkrise abhaken – die Mieter nicht

KommentarVonovia kann die Immobilienkrise abhaken – die Mieter nicht

Wohnkonzerne wie Vonovia haben den Preissturz der beiden vergangenen Jahre trotz Blessuren gut überstanden. Für Branche und Anteilseigner sind das gute Nachrichten, nicht aber für Wohnungssuchende. Christian Schnell 18.03.2024 - 10:54 Uhr
Der Wohnungsbau in Deutschland ist eingebrochen. Marktführer Vonovia will auch in diesem Jahr nur wenige Tausend Wohnungen bauen. Foto: dpa

Deutschlands größter Wohnkonzern Vonovia  zeigt eine erstaunliche Krisenresistenz – trotz milliardenschweren Abwertungen der Immobilienbestände, trotz des notwendigen Verkaufsprogramms und  trotz der steigenden Zinsen zur Refinanzierung der nach wie vor hohen Schuldenlast. Weil Anleger aber vor allem nach vorn blicken, wirken all diese Herausforderungen wie bewältigt.

Am Aktienmarkt ist Vonovia seit Monaten zurück. Der Kurs steigt, auch wenn es wie am Freitag wegen der veränderten Dividendenpolitik gelegentlich zu Rückschlägen kommt. Seit dem Tief im Oktober mit Werten nur noch knapp über 20 Euro ging es inzwischen wieder auf über 25 Euro.

Nach Einschätzung der meisten Analysten könnte der Kurs noch weiter steigen. Das liegt zum einen an weiteren Restrukturierungsmaßnahmen in diesem Jahr. Beispielsweise sollen zur Liquiditätsstärkung Wohnimmobilien im Wert von bis zu drei Milliarden Euro verkauft werden. Im vergangenen Jahr flossen auf diesem Weg rund vier Milliarden Euro in die Kassen. Anleger können somit wieder zuversichtlicher auf Vonovia blicken.

2425
neue Wohnungen
hat Vonovia im vergangenen Jahr lediglich fertiggestellt. In diesem Jahr sollen es ähnlich viele sein. Quelle: Vonovia

Für Wohnungssuchende gilt das nicht. Exakt 2425 Neubauwohnungen hat der Dax-Konzern im vergangenen Jahr fertiggestellt. In diesem Jahr sollen es ähnlich viele sein. Bei einem Bestand von rund 546 000 Vonovia-Wohnungen in Deutschland sind das weniger als ein halbes Prozent dessen. Vor dem Hintergrund, dass der Rat der Immobilienweisen vor Kurzem bis 2025 rund 720 000 und bis 2027 sogar 830 000 fehlende Wohnungen in Deutschland prognostiziert hat, entfalten diese Zahlen das ganze Ausmaß der Krise.

Nur noch begonnene Bauprojekte führt Vonovia weiter, begründete Konzernchef Rolf Buch im vergangenen Jahr den Strategieschwenk. Die Mixtur aus gestiegenen Zinsen, hohen Baukosten und stetig wachsenden Vorschriften macht Neubauten für den Dax-Konzern zum schwer kalkulierbaren Risiko.

Die Konsequenz werden in Zukunft noch längere Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen sein. Und das nicht nur in Berlin, wo dieses Bild inzwischen zum Alltag gehört. Wer dort eine Wohnung findet, fragt erst an zweiter Stelle nach dem Preis. Erst recht, wenn viele andere Interessenten sofort zugreifen würden.

Spürbar steigende Mieten werden in den kommenden Jahren für viele Menschen zur traurigen Realität werden. Mietsteigerungen von fünf bis sechs Prozent pro Jahr bei Bestandswohnungen und ein zweistelliges Plus bei Neuvermietungen werden die Folge sein. Ein beherrschendes Thema für den Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr zeichnet sich bereits ab.

Verwandte Themen
Immobilien
Deutschland
Vonovia

Erstpublikation: 15.03.2024, 17:50 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt