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Kommentar Wahlkampf in den USA: Es reicht nicht für Trump

Die US-Republikaner könnten unter Donald Trump ihre Hochburgen im Wahlkampf verlieren. Daran hat nicht allein die Corona-Pandemie Schuld – doch Trumps Umgang damit ist entscheidend.
13.07.2020 - 18:35 Uhr 1 Kommentar
Quelle: Burkhard Mohr
Karikatur
(Foto: Burkhard Mohr)

Hielten die USA heute Präsidentschaftswahlen ab, würde Donald Trump verlieren. Nun finden die US-Wahlen erst in 16 Wochen statt, in denen viel passieren kann. Doch selbst wenn man frühe Umfragen angemessen skeptisch betrachtet, ist das Stimmungsbild ziemlich eindeutig: Es sieht düster aus für Trump. Sein Herausforderer Joe Biden liegt mit großem Abstand vorn.

In einigen hart umkämpften Bundesstaaten geht Biden sogar zweistellig in Führung. Noch ist sie da, die treue Trump-Basis. Man findet sie in der breiten Wählergruppe der Männer; auch weiße Frauen ohne Hochschulabschluss wollen mehrheitlich eine zweite Amtszeit. Aber reicht das? Zählt man zusammen, was Trump im Wahljahr Schwierigkeiten bereitet, ist ziemlich klar, dass er diesmal die Wahl nicht gewinnen dürfte.

Die Ausbreitung des Coronavirus, das die USA in einen gigantischen Ansteckungsherd verwandelt hat, ist dabei eines seiner offensichtlichen Probleme. Viele der für Trump zentralen Staaten sind am stärksten von Covid-19 betroffen. In Florida etwa wohnen überdurchschnittlich viele ältere Menschen, ähnlich sieht es in Arizona aus, eigentlich eine republikanische Domäne.

Trumps Unterstützung bei älteren Wählern geht in Umfragen zurück, denn Senioren scheinen sich in der Coronakrise nicht ausreichend geschützt zu fühlen. Dabei sind sie unverzichtbar für ihn: Rentner haben Trump 2016 ins Amt gebracht.

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    Auch die Infektionszahlen im riesigen US-Bundesstaat Texas, eigentlich eine rote Hochburg, müssen im Weißen Haus Unruhe auslösen. Hier trifft die Coronakrise den Energiesektor hart, was für eine ölreiche Region ein Desaster ist.

    Texas steht exemplarisch für Versäumnisse der Republikaner

    Dass die Republikaner die Wahl in Texas zu verlieren drohen, liegt aber nicht nur an Corona. Schon bei den Midterm-Wahlen 2018 tat sich der republikanische Senator Ted Cruz hier schwer. Die Tech-Industrie verändert Metropolen wie Austin, sie werden diverser, bunter, dynamischer.

    Texas steht exemplarisch dafür, dass es die Republikaner unter Trump versäumt haben, neue Wählergruppen zu erschließen, wie etwa konservative Frauen in den Vorstädten. Sollte Trump ein Präsident mit einer Amtszeit bleiben, wäre es deshalb zu kurz gedacht, allein die Pandemie dafür verantwortlich zu machen.

    Denn das Fundament für eine Wiederwahl hätte er in seiner ganzen Amtszeit legen können – oder müssen. Er tat es nicht, hat die Lehren aus den Kongresswahlen 2018 nie gezogen. Damals wurde klar, dass man mit Polarisierung unter Umständen einen schnellen Sieg einfahren kann, aber danach neue Wählergruppen erschließen muss, um sich im Amt halten zu können.

    Zwar stimmt es, dass mehr als 90 Prozent der republikanischen Anhänger weiterhin zu Trump stehen. Allerdings schrumpft die Basis der Republikaner. Konservative wandern ab in die Lager der Unentschlossenen, Unabhängigen oder Demokraten. Das tun sie nicht erst seit Trump. Aber er sorgt dafür, dass sie schneller weglaufen als je zuvor.

    Die US-Demokraten können das Führungsvakuum derweil für sich nutzen und ihren Kandidaten Biden als solide Alternative zu Trump aufbauen. Am Anfang musste dieser nicht viel mehr tun als abwarten, während Trump sich verrannte, Injektionen von Desinfektionsmittel für eine kluge Idee hielt und seinen eigenen Experten widersprach.

    Bidens Nachteile werden plötzlich zum Vorteil

    All das, was man Biden zum Nachteil hätte auslegen können – seinen großväterlichen Stil, sein Leben als Karrierepolitiker –, wird plötzlich zum Vorteil. Er steht im Vergleich zu Trump für Stabilität und Berechenbarkeit. Auch Bidens Wirtschaftsprogramm taugt bislang nicht zum Sozialismus-Schreck, als den Trump die Demokraten gern darstellen will.

    Biden fordert zwar einen Bann der Schieferöl-Bohrungen, er will Geld für saubere Energie, Infrastruktur, Kinderbetreuung und Gesundheit ausgeben. Das wird in Teilen der USA genügen, um Assoziationen mit Venezuela zu wecken.

    Auch dass er Trumps Steuersenkungen für Unternehmen zurücknehmen will, wird Ablehnung provozieren. Allerdings sind Bidens Vorschläge für eine Reichensteuer bislang unkonkret genug, dass er sich kaum angreifbar macht.

    Unterm Strich bleibt der Eindruck: Trump wartet ab, Biden zeigt einen Weg auf. Und Trump lässt es geschehen. Dabei hätte er zu jedem Zeitpunkt die Chance zum Umsteuern gehabt, denn zwei Dinge beherrscht dieser Präsident eigentlich: Er hat ein Gespür für das, was einen beträchtlichen Teil der Menschen bewegt, und er pflegt einen Drang zum Opportunismus.

    Er, der Bilder und Inszenierungen liebt, hätte sich von einem Tag auf den anderen als Krisenmanager neu erfinden können, als maskentragender Roundtable-Chef im Weißen Haus, der Geld an seine Gouverneure verteilt.
    In der Geschichte der USA haben Präsidenten oft von Krisenzeiten profitiert und das Land hinter sich versammelt. Denn was man angesichts der täglichen Schreckensmeldungen aus den USA gern übersieht: Gerade in Krisen waren die USA oft stark, unbürokratisch, schlagkräftig.

    Trump hat sich entschieden, diese Stärke seines Landes und seiner Bürger nicht zu nutzen. Schon ein kurzer, aber radikaler Lockdown hätte die USA vielleicht vor der Pandemie gerettet. Und Trumps Wahlkampf womöglich auch.

    Mehr: „Mit Trump gibt es zwei Justizsysteme in Amerika“

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    Mehr zu: Kommentar - Wahlkampf in den USA: Es reicht nicht für Trump
    1 Kommentar zu "Kommentar: Wahlkampf in den USA: Es reicht nicht für Trump"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Republikaner sind in der Phase des Niedergangs angekommen, in der Treue zählt und Sachverstand nicht. Das schliesst die Reihen, verkleinert aber die Basis. Das hat es in der Geschichte schon mehrfach gegeben: manche träumten bis zuletzt von Wunderwaffen, andere meinten, den Sozialismus in seinem Lauf hielte werde Ochs noch Esel auf, Genosse Stalin hat immer Recht, Brexit means Brexit, nun also: #MAGA! Wohlan, Herr Trump! Sie gehen in die Geschichte ein! Statt Überholen ohne Einzuholen sehen Sie nun: eingehen durch untergehen!
      Eigentlich langweilig, war doch so vorhersehbar. Aber dennoch ist berechtigte Schadenfreude unvermeidbar. Nicht nur beim sechfachen Pleitier, sondern besonders bei seinen kurzsichtigen und -denkenden Anhängern.

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