Kommentar: Warum der Krankenkassen-Basistarif nicht günstiger ist

In der Theorie klingt der Vorschlag von Tino Sorge (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, durchaus vielversprechend: Die gesetzliche Krankenversicherung soll so umgebaut werden, dass es künftig einen günstigeren Basistarif gibt. Zusatztarife können hinzugebucht werden – etwa die volle Erstattung von Brillen oder die freie Arztwahl. Krankenkassen sollen so kurzfristig Kosten sparen, weil Versicherte stärker in die Eigenverantwortung genommen werden.
In der Praxis dürfte das Modell jedoch anders wirken, als es sich Staatssekretär Sorge erhofft. Vor allem gesunde Menschen, die auch heute selten zum Arzt gehen, würden den Basis-Tarif wählen. Für sie mag es zu einem Spareffekt kommen. Ob diese Einsparungen die Krankenkassen allerdings spürbar entlasten, ist fraglich. Denn schon heute verursachen Gesunde deutlich geringere Kosten. Das Gesundheitssystem dürfte kaum davon profitieren, wenn sie nun auch noch günstigere Tarife buchen können.
Anders sieht es bei chronisch und schwer Erkrankten aus. Sie brauchen umfangreiche Leistungen und werden deshalb in den teureren Tarifen der Krankenkassen landen. Der tatsächliche Effekt des unausgegoren wirkenden Vorschlags: Das Risiko wird nicht mehr gleichmäßig verteilt, sondern konzentriert sich in den teuren Tarifen. Die Folge: Diese Leistungspakete werden womöglich immer teurer und die Kranken immer stärker belastet. An den Gesamtausgaben des Gesundheitssystems dürfte sich durch dieses Modell aber kaum etwas ändern.
Ein wichtiger Aspekt darf zudem nicht vergessen werden. Langfristig, davor warnen Ökonomen, könnte sich daraus eine Zwei-Klassen-Struktur entwickeln. Das wäre ein Bruch mit dem Solidarprinzip. Besonders kranke Menschen müssten mehr zahlen, obwohl ihre Erkrankung in den seltensten Fällen selbst verschuldet ist.
Erstpublikation: 12.09.2025, 18:32 Uhr.