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KommentarWarum die EZB dringend mehr Transparenz braucht

Die Idee von Direktoriumsmitglied Isabell Schnabel, Zinsprognosen einzuführen, ist sinnvoll. Denn damit werden die Entscheidungen der Notenbanker nachvollziehbarer. Stefan Reccius 21.04.2024 - 14:21 Uhr
Handelssaal der Frankfurter Börse: Die EZB setzt bislang stark auf Zinssignale von den Märkten. Foto: imago/imagebroker

Wenn Isabel Schnabel spricht, hören Analystinnen und Ökonomen, Kolleginnen und Kollegen ganz genau hin. Wie die deutsche Notenbankerin im EZB-Direktorium die Finanzmarktwelt beurteilt, wird in der Szene äußerst aufmerksam registriert. Ihre Stimme hat Gewicht.

Insofern sticht ihre Idee eines Regimewechsels in der Kommunikation der Zinspolitik aus der üblichen Kakofonie an Botschaften zum Zinskurs heraus. Stark vereinfacht, lautet Schnabels Vorschlag: Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte individuelle Prognosen ihrer Entscheidungsträger zum wahrscheinlichen Verlauf der Leitzinsen veröffentlichen.

Bislang liegt der Fokus der EZB darauf, wie die Händler an den Terminmärkten die künftige Entwicklung der Zinsen einschätzen. Über eigene Annahmen zum Zinspfad informiert sie spärlich bis überhaupt nicht.

Die EZB schaut sehr genau auf die Terminmärkte

Das mag man angenehm realitätsnah finden, weil die Ansichten der Marktteilnehmer als wesentlicher Maßstab geldpolitischer Beschlüsse herhalten. Der Nachteil: Bisweilen macht es den Eindruck, als trieben Spekulanten die EZB vor sich her.

Es ist deshalb sinnvoll, wenn Europas Notenbanker der interessierten Öffentlichkeit plakativer ihre eigene Sicht der Dinge vermitteln. Dafür reicht es nicht, als Lehre aus früheren Prognosefehlern mehr Wert auf alternative Szenarien zur Entwicklung der Wirtschaft zu legen. Auch das empfiehlt Schnabel, was unstrittig ist.

Inflation

Schnabels brisanter Vorschlag – EZB zieht Lehren aus dem Prognose-Fiasko

Der Einsatz von Zinsprognosen schließt selbstverständlich nicht aus, dass die Notenbanker wieder danebenliegen können. Das wird sogar unvermeidlich sein. Mehr Transparenz macht angreifbar. Aber das muss nicht schlecht sein.

Das verdeutlichen Erfahrungen der US-Notenbanker, von denen Schnabel sich inspirieren lässt. Für die Federal Reserve sind Zinsprognosen über die Jahre zu einem der wichtigsten Instrumente in der Kommunikation mit den Märkten geworden – gerade weil die Notenbanker sie vierteljährlich anpassen.

Diese Dynamik ist aufschlussreich. Denn sie vermittelt den Märkten einen plastischen Eindruck, wie sich die Wahrnehmung der Währungshüter über die Zeit verändert. Das wiederum lässt Rückschlüsse zu, für wie dringlich die Notenbanker eine Kurskorrektur erachten.

Die Notenbanken müssen sich die Deutungshoheit zurückholen

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Die derzeitige Phase ist ein gutes Beispiel. Im Dezember stellten die US-Notenbanker drei Zinssenkungen bis Ende 2024 in Aussicht. Seit März deuten Verschiebungen im Zinsausblick an, dass etliche Notenbanker ins Grübeln gekommen sind. Im Juni dürfte klar werden, dass die Zinswende länger warten muss.

Die Kräfte des Finanzmarkts werden dadurch nicht etwa ausgeschaltet. Vielmehr wirken Händlerinnen und Investoren als wichtiges Korrektiv. In Schnabels Vorschlag steckt für Europas Notenbanker die Chance, die Deutungshoheit über ihre Zinspolitik zurückzugewinnen. Die sollten sie nutzen.

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