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Kommentar Warum Microsoft Tiktok übernehmen sollte

Eine Übernahme der chinesischen Video-App durch Microsoft ist die beste Option, um die Macht der anderen Technologie-Multis in Schach zu halten.
05.08.2020 - 04:22 Uhr 1 Kommentar
Für den Moment wäre ein Microsoft-Tiktok-Deal die beste Garantie für mehr Wettbewerb. Quelle: Kostas Koufogiorgos
Karikatur

Für den Moment wäre ein Microsoft-Tiktok-Deal die beste Garantie für mehr Wettbewerb.

(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Microsoft? Als die ersten Meldungen zu einem Verkauf des US-Geschäfts der Videoplattform Tiktok aufkamen, runzelten Kenner des Bürosoftware-Konzerns die Stirn. Seit seinem Amtsantritt 2014 hatte Microsoft-Chef Satya Nadella das Unternehmen durch weitgehende Fokussierung auf Unternehmenskunden, die Cloud und Künstliche Intelligenz stark gemacht.

Wie passt dazu eine App mit hunderten Millionen, vor allem jugendlichen, Nutzern, in der sich tanzende Teenager mit Gesangs- und Comedy-Nummern gegenseitig unterhalten? Eine App, die zuletzt wegen ihrer Verbindung nach China ins politische Kreuzfeuer geriet?

Microsofts Plan klang etwas nach Heinrich Manns „Professor Unrat“, dem spießigen Gymnasiallehrer, der seinen guten Ruf mit der Beziehung zu einer Tänzerin ruiniert.

Andererseits: Wer sollte Tiktok denn sonst übernehmen? Finanziell und technologisch dürfte die Übernahme nur für einen der fünf Digitalriesen von der US-Westküste – Google, Apple, Facebook, Amazon (GAFA) oder eben Microsoft – zu stemmen sein. Und die Chefs der vier anderen mussten eben erst im US-Kongress auflaufen, um ihre Dominanz über das Internet zu rechtfertigen.

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    Der Charme der Microsoft-Tiktok-Mesalliance wäre gerade, dass sie relativ wenige Synergien bietet. Amazon betreibt mit Twitch bereits die größte Livestreaming-Plattform, Google mit YouTube die größte Videoplattform, Facebook die größten sozialen Netzwerke. Genau deswegen würde jeder der Konzerne bei Tiktok vermutlich gerne zum Zug kommen. Genau deswegen darf das nicht passieren.

    Tiktok brachte Bewegung in den Tech-Markt

    Donald Trump ist wild entschlossen, Tiktok dem chinesischen Mega-Start-up ByteDance zu entreißen. Der wahlkämpfende US-Präsident will die App entweder verbieten oder einen Verkauf erzwingen, aus dem er nun sogar noch Geld für die Staatskasse abpressen will. Der Vorwurf, Tiktok würde Daten mit Chinas Überwachungsstaat teilen, ist bislang unbewiesen.

    Bevor Tiktok ins politische Fadenkreuz der Trump-Regierung geriet, brachte die Plattform Bewegung ins Elefantenrennen der Tech-Konzerne um Aufmerksamkeit und Werbebudgets.

    Ihr Erfolg bei Teenagern in den USA und Europa zwang Facebook-Chef Mark Zuckerberg zu bislang erfolgslosen Verteidigungsmanövern: Erst schickte er einen Tiktok-Klon namens „Lasso“ ins Rennen, der aber kaum verfing. Zuletzt integrierte er Kurzvideos als „Reels“ in Instagram.

    Die Kongressanhörung brachte die mutmaßlichen Kartellverstöße der GAFA-Konzerne auf eine Formel: Sie sind groß und wollen es mit allen Mitteln bleiben. Neue Konkurrenten werden aufgespürt, kopiert und, wenn möglich, eliminiert. „Start-ups haben die Eigenschaft, dass man sie oft kaufen kann“, schrieb Zuckerberg 2012 in einer Mail, deren Herausgabe die Kongressabgeordneten erzwungen hatten. Da hatte er gerade Instagram gekauft.

    Google, Facebook und Amazon dominieren den globalen Markt für Online-Werbung – jeder in seiner Domäne allerdings, was die Auswahl für Werbetreibende verringert. Tiktok hat eben erst begonnen, sein Werbegeschäft aufzubauen. Mit den Ressourcen und der Reputation des zweitwertvollsten Tech-Konzerns der Welt im Rücken könnte die Kurzvideo-Plattform schnell mit YouTube und Instagram um Marketingbudgets kämpfen – vorausgesetzt, die Integration in den Microsoft-Konzern und die seltsame territoriale Teilung der App zerstört nicht ihr Momentum.

    Mehr Wettbewerb nützt jedem

    Mehr Wettbewerb unter den Plattformen nützt jedem – Werbekunden, Nutzern und den Kreativen, die auf den Plattformen bekannt geworden sind. Hinter der Glamour-Fassade der YouTube-, Instagram- oder Tiktok-Stars stehen oft selbst kleine Start-ups, die Kameraleute und Produktionsassistenten beschäftigen und deren unternehmerische Existenz an den Launen der Plattform-Betreiber hängt. Oder, im Moment, des US-Präsidenten.

    Ein Verbot aber würde nicht nur ByteDance um die geschätzt 30 bis 50 Milliarden Dollar Kaufpreis bringen. Es würde viele Tiktok-Karrieren beenden, weil das Kurzformat nicht so einfach auf andere Plattformen übertragbar ist. Schon jetzt versuchen viele um ihre Existenz fürchtende Videokünstler, ihre Gefolgschaft zu Instagram und YouTube rüber zu retten – und stärken so die Oligopolisten.

    Für den Moment wäre ein Microsoft-Tiktok-Deal die beste Garantie für mehr Wettbewerb. Nur Riesen können andere Riesen dauerhaft in Schach halten. Das gilt im Cloud Computing, wo Amazons AWS mit Microsoft und Google Konkurrenten erwachsen sind. Oder im E-Commerce, wo Facebook mit seiner Shop-Initiative kleinen Händlern eine dringend benötigte Alternative zu Amazon anbietet.

    Microsoft, das als aggressiver Monopolist Ende der 90er-Jahre selbst vor der Zerschlagung stand, gefiel sich zuletzt gut in der Rolle des weißen Ritters. Vor der Kongressanhörung überhäufte Microsofts Präsident Brad Smith die Abgeordneten mit Argumenten gegen Apples Praktiken in seinem App Store. Microsofts Ruf ist zwar nur teilweise gerechtfertigt. Aber dass der Konzern überhaupt einen zu verlieren hat, muss ja nicht schlecht sein.

    Riesen von Riesen kontrollieren zu lassen, kann aber nur eine Übergangslösung sein. Bis US-Behörden und die EU-Kommission bessere Mittel als überschaubare Geldstrafen gegen die Wettbewerbsverstöße von Big Tech gefunden haben, ist ein Fünfkampf der GAFAM-Konzerne um Marktanteile der beste Schutz vor Kartellmacht – in so vielen Disziplinen wie möglich.

    Mehr: Die USA und China ringen im Streit um Tiktok um digitale Dominanz

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Warum Microsoft Tiktok übernehmen sollte"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • US-Präsident Trump zwingt TicToc zum Verkauf des US-Geschäfts und das Handelsblatt findet das in Ordnung im Sinne des Wettbewerbs? Really?

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