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Konjunktur Europa verliert den ökonomischen Anschluss – und zwar selbstverschuldet

Die US-Wirtschaft meldet sich mit starkem Wachstum zurück, die EU bleibt unter ihren Möglichkeiten. Das liegt auch an der wenig zielgerichteten Fiskalpolitik.
22.02.2021 - 16:32 Uhr 3 Kommentare
Während in Washington bereits über das dritte Hilfspaket verhandelt wird, ringen die EU-Länder immer noch mit der Frage, welche Projekte von dem gemeinsamen Wiederaufbaufonds gefördert werden sollen. Quelle: dpa
Baustelle in Los Angeles

Während in Washington bereits über das dritte Hilfspaket verhandelt wird, ringen die EU-Länder immer noch mit der Frage, welche Projekte von dem gemeinsamen Wiederaufbaufonds gefördert werden sollen.

(Foto: dpa)

Im Juli vergangenen Jahres bahnte sich in der Weltwirtschaft ein seltenes Schauspiel an: Angesichts der damals noch erfolgreichen Bekämpfung der Corona-Pandemie in Europa prophezeiten viele Volkswirte, dass die europäische Wirtschaft schneller wieder auf die Beine kommen werde als die Konkurrenz in den USA. „Die Erholung in der Euro-Zone wird steiler und glatter verlaufen als anderswo“, hieß es beispielsweise bei Goldman Sachs.

Sieben Monate später hat sich das Blatt gewendet: Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert nun, dass die US-Wirtschaft bis zum Jahresende das Niveau vor der Pandemie wieder erreichen werde. Die Euro-Zone schafft das nach der IWF-Prognose frühestens im kommenden Jahr.

Damit fällt Europa wieder in seine traditionelle Rolle des konjunkturellen Nachzüglers zurück: In den vergangenen 30 Jahren lagen die USA bis auf achtmal in jedem Jahr beim Wirtschaftswachstum vorn.

Obwohl sich die Europäer im Juni 2020 auf ein 750 Milliarden Euro schweres Wiederaufbauprogramm geeinigt hatten und obwohl finanzstarke Länder wie Deutschland rund ein Drittel ihrer Wirtschaftsleistung für Coronahilfen ausgegeben haben, hat Europa seinen Vorteil aus dem vergangenen Jahr verspielt und bleibt weit unter seinen Möglichkeiten.

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    Grund dafür sind nicht nur entscheidende Fehler im weiteren Verlauf der Pandemie-Bekämpfung, sondern auch eine zu zögerliche und zu wenig zielgerichtete Fiskalpolitik.

    US-Wirtschaft ist stark ins neue Jahr gestartet

    „Die Anzeichen verstärken sich, dass die US-Wirtschaft ein starkes Auftaktquartal 2021 erlebt“, sagt Chris Williamson, Chefvolkswirt bei IHS Markit. Besonders groß ist der Unterschied zu Europa im Corona-empfindlichen Dienstleistungssektor, wo der amerikanische Einkaufsmanager-Index im Februar auf fast 59 Punkte gestiegen ist und eine zunehmende Expansion signalisiert. In Deutschland ist der vergleichbare Index im Februar auf 45,9 Punkte gesunken, den tiefsten Stand seit neun Monaten.

    Sollte sich die wirtschaftliche Abkoppelung zwischen den USA und Europa in den kommenden Monaten weiter verfestigen, könnte das erhebliche Auswirkungen auf den Devisen- und Finanzmärkten nach sich ziehen. Die Erwartung einer starken wirtschaftlichen Erholung in den USA treibt dort die langfristigen Zinsen nach oben und zieht in der Folge auch den Dollar mit. Zwar geht es auch mit den Renditen für die langlaufenden Bundesanleihen wieder langsam aufwärts, doch eben nicht so schnell wie in den USA. Folglich werden Anlagen in Amerika im Vergleich zu Europa attraktiver.

    Der transatlantische Abkoppelungstrend könnte sich noch beschleunigen, sollte US-Präsident Joe Biden sein 1,9 Billionen Dollar schweres Konjunkturpaket diese Woche weitgehend unbeschadet durch den Kongress bringen. Darin enthalten sind weitere direkte Finanzhilfen für die amerikanischen Familien, die der Wirtschaft einen kräftigen Schub versetzen könnten, sobald der Corona-Lockdown mithilfe von Massenimpfungen gelockert werden kann und die Amerikaner ihre Konsumfreude wieder ausleben können.

    Während in Washington bereits über das dritte Hilfspaket verhandelt wird, ringen die EU-Länder immer noch mit der Frage, welche Projekte von dem gemeinsamen Wiederaufbaufonds gefördert werden sollen. Der Streit über die schleppende Auszahlung der Corona-Hilfen in Deutschland zeigt, dass es auf nationaler Ebene in Europa nicht viel besser aussieht.

    Amerika wird für Anleger attraktiver

    Es ist zwar richtig, dass die Entscheidungsprozesse in einem Staatenbund wie der EU langsamer verlaufen als in einem föderalen Bundesstaat wie den USA. Richtig ist aber auch, dass die EU global nicht nur mit Amerika, sondern auch mit dem zentral gelenkten Staatskapitalismus in China konkurriert und gerade in der Jahrhundertpandemie beweisen muss, dass sie für ihre Bürger einen wirklichen Mehrwert darstellt.

    Außerdem lässt sich der wirtschaftliche Rückstand Europas nicht allein mit den Eigenheiten der EU entschuldigen. Brüssel hat nach einem holprigen Start zu Recht das Krisenmanagement an sich gezogen, dann aber im wahrsten Sinne des Wortes nicht geliefert. Während in der EU und auch in Deutschland erst 5,9 von 100 Bürgern eine Impfung erhalten haben, sind es in den USA mehr als dreimal so viele.

    Die Amerikaner haben sich durch das mit zehn Milliarden Dollar Staatshilfen angestoßene Projekt „Warp Speed“ zur Impfstoffentwicklung nicht nur einen Startvorteil verschafft. Es ist ihnen trotz des chaotischen Krisenmanagements durch die abgewählte Trump-Administration auch gelungen, die Vakzine schneller im Land zu verteilen.

    Europa war bei der Bestellung zu langsam und zahlt dafür jetzt nicht nur wirtschaftlich einen hohen Preis. Auch der nächste Engpass ist bereits absehbar: In wenigen Wochen dürfte es so viele Impfstoffe geben, dass die bislang noch kaum ausgelasteten Impfstoffzentren dann mit dem zu erwartenden Ansturm überfordert wären.

    „Amerika, du hast es besser als unser Kontinent“, schrieb einst Goethe. Das mag vielen Europäern angesichts von fast 500.000 Corona-Toten und verstörender Bilder aus „Trump Country“ in den vergangenen vier Jahren wie ein Hohn vorkommen. „Amerika ist zurück“, hat Biden gerade betont. Und die wirtschaftliche Entwicklung gibt ihm recht.

    Mehr: Die Inflationsgefahr wächst – Märkte fürchten das Ende der Niedrigzinsen.

    „Amerika, du hast es besser als unser Kontinent“, schrieb einst Goethe. Das mag vielen Europäern angesichts von fast 500.000 Corona-Toten und verstörender Bilder aus „Trump Country“ in den vergangenen vier Jahren wie ein Hohn vorkommen. „ Quelle: dpa
    Krankenschwester Rita Alba an einer Covid-19-Impfstelle im Bronx River Community Center

    „Amerika, du hast es besser als unser Kontinent“, schrieb einst Goethe. Das mag vielen Europäern angesichts von fast 500.000 Corona-Toten und verstörender Bilder aus „Trump Country“ in den vergangenen vier Jahren wie ein Hohn vorkommen. „

    (Foto: dpa)
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    3 Kommentare zu "Konjunktur: Europa verliert den ökonomischen Anschluss – und zwar selbstverschuldet "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Durchaus selbstverschuldet! Toller Artikel. Danke

    • Und wen wundert das?

      Vielleicht die Herren mit den grauen Köpfen in den Vorstandsetagen, die die Transformation im Zeitalter von 4.0 mit entsprechenden technologischen innovativen Unternehmen ala Amazon, Apple, Google, Facebook & Co. verschlafen haben.

      Man sollte sich mal die Digitalisierung in Europa wirklich genau ansehen. Vor allem auch u.a. in den MDAX-Unternehmen.

      Dass die Schulen und Behörden in Deutschland überfordert sind und in einer Pandemie lieber faxen, haben ja nun anscheinend einige im Land sehen können.

      Willkommen im Zeitalter von 4.0

    • Die Digitalisierung würde in ganz Europa verpennt. Punkt.

      Ode wo ist ein neues Unternehmen, das mitpinkeln könnte?

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