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LeserdebatteSollen Dienstwagen anders besteuert werden? Das meinen die Handelsblatt-Leser

Das „Dienstwagenprivileg“ erhitzt die Gemüter. Auch die Handelsblatt-Leserschaft diskutiert das Thema kontrovers. Viele finden die aktuelle Dienstwagen-Regelung unfair.Agatha Kremplewski 25.08.2022 - 13:38 Uhr Artikel anhören

Das Dienstwagenprivileg sorgt aktuell für viel Diskussion bei Bürgern und in der Politik.

Foto: dpa

Die Debatte über eine Reform der Besteuerung von Dienstwagen ist in vollem Gang: Die Grünen wollen die Steuern auf Firmenwagen erhöhen, um staatliche Anreize zum Kauf umweltschädlicher Autos zu schwächen. Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner findet dagegen, schon die Verwendung des Begriffs Dienstwagenprivileg in der Debatte zeuge von einem „linken Framing“.

Ob die Besteuerung von Dienstwagen angepasst werden sollte? Dem stimmt die Mehrheit der Handelsblatt-Leserinnen und -Leser, die sich zu dieser Frage gemeldet haben, zu. Kritisiert wird einerseits das „Sponsoring der Autohersteller“, welche die Kosten für Dienstwagen zu großen Teilen steuerlich absetzen können.

Andererseits sorgen die klimaschädlichen Aspekte der Firmenwagen für Unmut: Laut eines Lesers sollten lieber „Fahrräder, Lastenräder, E-Räder, E-Autos, Ladesäulen und ÖPNV“ subventioniert werden. Eine weitere Leserin fordert: „Es sollten nur Dienstwagen subventioniert werden, die umweltfreundlich sind und eine definierte Größe nicht überschreiten.“

Es gibt allerdings auch andere Stimmen: „Beim Thema Dienstwagen frage ich mich oft, wo genau das Steuerprivileg sein soll“, schreibt ein Leser. Ein anderer glaubt, es handele sich aktuell eindeutig um „eine Neiddebatte der zu kurz gekommenen urbanen Bevölkerung“.

Aus den unterschiedlichen Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft haben wir hier für Sie eine Auswahl zusammengestellt.

Besser eine Gehaltserhöhung als ein Dienstwagen

„Ich hatte selbst mehrere Jahre einen Dienstwagen, seit knapp zehn Jahren aber nicht mehr. Natürlich ist es eine feine Sache, wenn man für einen vergleichsweise geringen Steuerbetrag praktisch unbeschränkt ein dickes Auto fahren kann. Aber seien wir mal ehrlich: Diejenigen, die einen Dienstwagen bekommen, sind in der Regel die, die ihn sich auch selbst leisten können.

Sollen die Arbeitgeber doch das Gehalt entsprechend anpassen, damit die nun nicht mehr Privilegierten sich einen Wagen kaufen oder leasen können. Und echte Dienstwagen, die zum Beispiel von Außendienstmitarbeitern verwendet werden, könnten dann mit gutem Gewissen weiter staatlich gefördert werden.“
Roland Stamm

Welches Privileg bitte?

„Beim Thema Dienstwagen frage ich mich oft, wo genau das Steuerprivileg sein soll. Mit der pauschalen Ein-Prozent-Regel liegt bei mir der versteuerte Betrag regelmäßig über den separat ermittelten Gesamtkosten des Dienstwagens.

Die Korrektur erfolgt arbeitsintensiv mittels Fahrtenbuch in der jährlichen Steuererklärung. So geht es vielen Dienstwagenfahrern, und in unserer Gesellschaft sind viele Leistungsträger damit beschäftigt, diese Art von Bürokratie zu bewältigen. Diese Ressourcen könnten an anderer Stelle mehr Nutzen stiften.“
Christian Schwarz

Wer privat kauft, kauft kleiner

„Wenn es keine Dienstwagen mehr gibt, muss jeder sich das Fahrzeug selbst kaufen. Sicher wird das dann oft eine Nummer kleiner sein als das ,gesponserte‘ Mobil. Trägt damit vielleicht auch zur CO2-Reduzierung bei.“
Gerd Neusen

„Einsparungen“ ist das Wort der Stunde

„Ist das die Debatte wert? Oh ja, denn überall bedienen sich Staatsdiener scheint’s ungeniert am prallen Geldsäckel, vom braven Bundesbürger finanziert. ‚Einsparungen‘ ist das Wort der Stunde, also auch beim Dienstwagen. Natürlich sollten die Damen und Herren mobil sein, viele können eventuell gar nicht mehr richtig Auto fahren, aber günstigere Modelle und Carsharing wären eine Option.

Es täte gut, Taten zu sehen, dass unsere Politiker mit gutem Beispiel vorangehen und endlich anfangen damit, was im Wahlkampf versprochen wurde: REFORMIEREN! Sonst wird Deutschland in den Stillstand bürokratisiert.“
Iris Zessner 

Wir fördern die Luxusmarken

„Wir fördern zurzeit die Luxusmarken der Automobilindustrie, welche wiederum keine sparsamen, leichteren und kleineren Fahrzeuge mehr produzieren möchte. Gleichzeitig verhindern wir so auch den Umstieg auf sparsamere oder umweltfreundlichere Verkehrskonzepte.

Vielleicht hilft es schon, Dienst- und Firmenwagen mit einem ,roten Balken‘ auf der Stoßstange, direkt neben dem Nummernschild, zu kennzeichnen. Dann könnte jeder sehen, wer sich den eigenen Benzinschlucker wirklich privat leisten kann.“
David Merbecks 

Ein Normalverdiener kauft sich keinen BMW für 75.000 Euro

„Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Das Dienstwagenprivileg ist nur sekundär ein Steuernachlass für die Unternehmen, primär ein Sponsoring der Autohersteller, die so ihre mehr als überhöhten Preise durchsetzen können. Glauben Sie, ein Normalverdiener kauft einen BMW X3 für 75.000 Euro und zahlt 280 Euro für die Stunde in der BMW-Werkstatt?!

Nebeninfo: In den USA verkauft Toyota einen Familienvan für knapp 30.000 Dollar, solche Angebote suchen Sie in unserem Kfz-Lobby-Deutschland vergeblich.“
Alexander Glaser

Eine Begrenzung auf E-Autos ist nicht legitim

„Es sollte weiterhin Dienstwagen geben. Da zurzeit nicht genug Stromzapfsäulen vorhanden sind, ist eine Begrenzung auf E-Autos nicht legitim. Fraglich ist, warum Mitglieder des Bundestags nicht der Dienstwagenregelung und damit der Besteuerung unterliegen. Firmen sollten mehr in die Verantwortung genommen werden und darauf achten, dass Fahrten zum Beispiel in den Urlaub von den Mitarbeitern selbst getragen werden (es gibt Firmen, die dies schon praktizieren).“
Maik Wagner

Dienstwagen verhindern das Einsparen von Sprit

„Aus meiner Sicht geht es hier nicht um Gerechtigkeit – was ist schon gerecht –, sondern um Sinnhaftigkeit. Ich bin der Meinung, dass es keinen Sinn ergibt, Dienstwagen steuerlich zu begünstigen, da es einerseits nur Besserverdienenden zugutekommt und andererseits den Energieverbrauch nur beflügelt.

Zu den Dienstwagen gehören meist auch Tankkarten, die auch im Privaten benutzt werden dürfen. Das ist eine schöne Sache, aber verhindert komplett das Einsparen von Sprit.“
Mark Haeusler

Lieber privat mit dem E-Smart zur Arbeit

„Die meisten überdimensionierten, ressourcenverschwendenden und klimaruinierenden Oberklasse‧limousinen würde sich kein Privatmann leisten, sondern nur das Dienstwagenprivileg ermöglicht ihre Finanzierung durch die Unternehmen. Wie viel mehr Platz wäre auf den Straßen, wie viel leiser wäre es und wie viel besser die Luft, wenn alle wie ich seit neun Jahren mit dem E-Smart zur Arbeit führen, den man sich privat auch ohne Dienstwagenprivileg leisten kann.“
Christoph Gerstberger

Dienstwagen ja, aber nur grün

„Es sollten nur Dienstwagen subventioniert werden, die umweltfreundlich sind und eine definierte Größe nicht überschreiten.“
Ursula Steudle

Eindeutig eine Neiddebatte

„Der Dienstwagen ist ein Teil des Einkommens eines Arbeitnehmers, wie das eigene Büro oder eine eigene Sekretärin beziehungsweise ein Assistent. Nach meiner Meinung ist das eindeutig eine Neiddebatte der zu kurz gekommenen urbanen Bevölkerung.

Wir sollten froh sein, dass Arbeitnehmer es schaffen, durch ihre gute Arbeit einen Dienstwagen zu erhalten, und auch damit (bestens bezahlte) Arbeitsplätze sichern. Ich habe und hatte nie einen eigenen Dienstwagen, bin im Ruhestand.“
Rolf Ackermann

Dienstwagenprivileg muss weg

„Das Dienstwagenprivileg muss ganz entfallen. Warum sollten wir mit knappem Steuergeld Luxusdienstwagen subventionieren, aber preiswerte ÖPNV-Tickets seien Gratismentalitätswünsche.“
Heinz Schwalb

Ein Tempolimit wäre wichtiger

„Dienstwagen werden zur Ausübung des jeweiligen Berufs gebraucht und werden folglich auch weiterhin gekauft. Aus eigener Erfahrung weiß ich um die Freude schnellen Fahrens, ohne auf die Kosten achten zu müssen. Von daher wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung aus umweltpolitischer Sicht wichtiger als die Ein-Prozent-Regelung.

Privatnutzung mit Fahrtenbuch geht auch heute schon und ist elektronisch erfasst kein hoher Aufwand mehr – und erhält das ,Incentive‘ im Dienstwagen selbst bei ersatzloser Streichung der Ein-Prozent- Regelung.“
Wilfried Thies

Grüne Verkehrsmittel zu subventionieren ist sinnvoller

„Die Antwort ist einfach: Es ist nicht gerecht, Dienstwagen zu subventionieren. Und in der heutigen Zeit ist das auch nicht tunlich.

Was man zwecks Entfaltung einer sinnvollen Lenkungswirkung aber subventionieren kann, sind: Fahrräder, Lastenräder, E-Räder, E-Autos, Ladesäulen und ÖPNV.“
Thomas Pohl

Die Ein-Prozent-Regelung ist nicht fair

„Mir ist nicht so richtig klar, worin die Einsparung liegt. Was passiert denn, wenn diese Regelung wegfällt? Wahrscheinlich werden die eingereichten Reisekostenabrechnungen für Fahrten, die betriebsbedingt mit dem dann privaten Kfz (steuerfrei) vorgenommen werden, explodieren, und die Einsparung würde direkt wieder gegen null fahren.

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Das einzig Ungerechte ist die Ein-Prozent- Regelung, die sich nach wie vor auf den Neupreis bezieht. Ich selbst fahre seit elf Jahren eine E-Klasse, die mittlerweile zwölf Jahre alt ist, und mein zu versteuernder Eigenanteil ist nach wie vor ein Prozent des Neupreises von 85.000 Euro.“ 
Sven Burgwedel

Wenn Sie sich zu diesem Thema im Handelsblatt zu Wort melden möchten, schreiben Sie uns einen Kommentar, entweder per E-Mail an forum@handelsblatt.com oder auf Instagram unter @handelsblatt.

Mehr: In der vergangenen Woche hat die Handelsblatt-Leserschaft darüber debattiert, ob wir einen Gaspreisdeckel brauchen.

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