Telekom: Jetzt ist die Zeit für mutige Investitionen

Der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, traut sich etwas, und das ist in Deutschland schon Nachricht genug. Zusammen mit dem US-Chipkonzern und Partnern wie SAP und der Deutschen Bank baut der Konzern ein Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz. Das Projekt sendet ein Signal: Deutschland kann Zukunftstechnologie nicht länger nur einkaufen, es muss sie mitgestalten.
Innerhalb der Telekom gab es Widerstände gegen den Vorstoß. Ausgerechnet Höttges war es, der den Konzern immer darauf eingeschworen hatte, sich auf das Kerngeschäft mit den Breitband- und Mobilfunknetzen zu konzentrieren. Jetzt ist er es, der auf ein Geschäft abseits des Telekommunikationsmarktes setzt. Das kommt intern bei einigen nicht gut an. Aber Höttges hat sich durchgesetzt. Und das ist gut so.
Weniger Bedenkenträger, mehr Entscheider
Es geht hier nicht um Marktanteile, sondern um Selbstbewusstsein. Wenn ein Dax-Konzern wie die Telekom vorangeht, sinkt die Ausrede für alle anderen, es nicht zu tun. Deutschland benötigt weniger Bedenkenträger und mehr Entscheider mit Rückgrat. Auch die Schwarz-Gruppe, bekannt für Lidl und Kaufland, baut inzwischen eigene Cloud- und Dateninfrastruktur auf.
Solche Initiativen zeigen, dass Deutschland beginnt, seine digitale Infrastruktur als strategische Ressource zu begreifen. Noch sind die Projekte klein im Vergleich zu den Hyperscalern – aber sie markieren eine Wende im Denken.
Es ist aber falsch, den Vorstoß der Telekom als „digitale Souveränität“ zu verkaufen. Ohne Nvidia, einen US-Konzern, wäre das Projekt nicht denkbar. Nvidia-CEO Jensen Huang war der eigentliche Star bei der Auftaktveranstaltung in Berlin, nicht Höttges. Noch sind die Projekte klein im Vergleich zu den Hyperscalern, aber sie markieren eine Wende im Denken. Der Schritt nach vorn bleibt also zugleich ein Eingeständnis der Abhängigkeit.
Trotzdem: Der Versuch zählt. Denn wer gar nicht investiert, bleibt reiner Kunde im globalen Technologiemarkt. Deutschland braucht Unternehmen, die handeln, nicht nur fordern. Wer sich bewegen will, darf nicht warten, bis alles perfekt souverän ist.
Erstpublikation: 05.11.2025, 12:44 Uhr.