Märkte Insight: Wie lange hält die rätselhafte Aktienrally?
Frankfurt. Mit Spannung haben Investorinnen und Investoren am Freitag die US-Arbeitsmarktdaten erwartet. Die Lesart vor den Zahlen war: Wenn die Jobdaten besser ausfallen als erwartet, dämpft das die Hoffnung der Märkte darauf, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen schnell senkt. Da aber vor allem die Hoffnung auf Leitzinssenkungen die Börsen zuletzt so stark getrieben hat, dürften gute Arbeitsmarktdaten Aktien einen Dämpfer versetzen.
Doch so kam es nicht. Mit 199.000 Stellen wurden in den USA im November mehr Stellen als im Vormonat geschaffen und gleichzeitig mehr, als Ökonomen erwartet hatten. Außerdem sank die Arbeitslosenquote überraschend von 3,9 auf 3,7 Prozent.
Trotzdem setzten die Börsen nach dem Arbeitsmarktbericht ihre Rally fort: In den USA stieg der weltweit wichtigste Leitindex S&P 500 um 0,4 Prozent. Der S&P 500 hat nun zwölf Prozent zugelegt, seit Ende Oktober geringer als befürchtet gestiegene Inflationsraten die Zinssenkungshoffnungen verstärkt haben.
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In Deutschland kletterte der Leitindex Dax zum Wochenausklang in der Spitze sogar um 0,9 Prozent und markierte mit knapp 16.783 Punkten das dritte Rekordhoch innerhalb von vier Handelstagen. Die Woche beendete der Dax mit 16.759 Punkten und damit einem rekordhohen Schlussstand. Seit Ende Oktober summiert sich das Dax-Plus sogar auf 14 Prozent.
Gedämpfte Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen
Die Fortsetzung der Aktienrally am Freitag ist rätselhaft. Denn an anderen Märkten ließ sich nach dem überraschend robusten US-Arbeitsmarktbericht ablesen, dass die Hoffnungen auf Zinssenkungen den erwarteten Dämpfer bekommen haben.
An Zinstermingeschäften zeigte sich, dass am Freitag nach den Daten nur noch 45 Prozent der Investoren an eine erste Leitzinssenkung der Fed im März glauben. Am Donnerstag hatten noch 69 Prozent der Investoren darauf gesetzt. Auch die Wetten darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen schon im März sinkt, gingen zurück.
Gleichzeitig ließ die sinkende Hoffnung auf schnelle Leitzinssenkungen an den Anleihemärkten die Renditen im Gegenzug zu den fallenden Kursen deutlich steigen.
Zwei Erklärungen für die Aktien-Rally
Dafür, dass die Aktienmärkte dennoch ihre Rally fortsetzen, gibt es zwei Erklärungen. Die erste lautet: Die Hausse treibt die Hausse. Immer mehr Investoren laufen steigenden Kursen hinterher – aus Angst, etwas zu verpassen. Das nahende Jahresende verstärkt die Bewegung noch.
Die zweite Erklärung lautet: Egal, wann die Notenbanken die Zinsen senken, die Hauptsache ist, dass die Zinsen nicht mehr steigen werden. Vor diesem Hintergrund werden die guten Arbeitsmarktdaten als Stärke der Wirtschaft interpretiert. Eine Rezession in den USA wird demnach unwahrscheinlicher. Das ist gut für die Gewinne der Unternehmen und ihre Aktien.
In der neuen Handelswoche wird die Börsenrally aber auf die Probe gestellt. Am Dienstag zeigen zunächst neue US-Inflationsdaten, ob der Trend zu weniger stark steigenden Preisen in den USA intakt ist. Am Mittwoch und Donnerstag tagen Fed und EZB. Fed-Chef Jerome Powell und EZB-Chefin Christine Lagarde dürften sich nach Einschätzung von Ökonomen darum bemühen, die Zinssenkungsspekulationen nicht weiter anzuheizen.
Wenn Powell und Lagarde noch deutlicher als in der Vergangenheit sagen, dass die Märkte zu frühe und insgesamt zu viele Zinssenkungen vorwegnehmen, könnte das die Märkte doch beeindrucken. Problematisch wäre aber auch, wenn Powell betont, dass die Rezessionsgefahren für die US-Wirtschaft noch nicht gebannt sind.
So oder so wird die Luft an den Börsen nach der fulminanten Rally zunächst einmal dünner. Portfoliomanager wie Thomas Altmann von QC Partners oder Kapitalmarktstrategen wie Robert Halver von der Baader Bank sehen dabei speziell den Dax aus charttechnischer Sicht als „überkauft“ an und erwarten kurzfristige Rücksetzer.